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Paul Klee in Düsseldorf – was die Werke erzählen können

28.09.2012 | 20:41 Uhr
Eines von 101 Bildern Paul Klees: „Gefährliches" von 1938.Foto: Kunstsammlung NRW

Düsseldorf.  Die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf zeigt ihren Hausschatz. Wobei der Ausstellungstitel „100 x Paul Klee“ eigentlich nicht mehr stimmt, denn inzwischen sind es tatsächlich 101 Bilder, die sich im Besitz des Hauses befinden. Die Schau erzählt auch von der Geschichte der NRW-Kunstammlung.

Die Bilder sind echt, der Titel ist falsch: Es ist nicht „100 x Paul Klee“, was die Kunstsammlung NRW (K 21) da im Ständehaus ab heute präsentiert. Es sind 101 Bilder. Vor kurzem erst ist das Ölgemälde „in seiner Brust“ (1937) zur exklusiven Düsseldorfer Klee-Sammlung dazugestoßen, ein in Rot-Rosa gehaltenes Bild, das einen Männerkopf zeigt, in dem eine kleine Büste wohnt. Und ein kleines tiefrotes Herz. Eine dem Haus und dem einstigen Hausherrn Armin Zweite zugetane Dame aus Baden-Baden hat es jüngst der Kunstsammlung testamentarisch vermacht. Aber das ist nur eine der Geschichten, die in „100 x Paul Klee“ erzählt werden.

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Künstlerische Entwicklungsgeschichte

 

Erzählt wird nicht zuletzt die Geschichte der NRW-Kunstsammlung selbst, von der vielleicht nicht jeder weiß, dass sie auf jenen 88 Klee-Werken gründet, die das Land NRW 1960 dem US-Stahlbaron David Thompson abkaufte. Erzählt wird in den Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen auch die künstlerische Entwicklungsgeschichte Paul Klees (1879-1940); so stehen wir mit einigem Staunen vor dem „Bildnis der Frau v. Sinner“, die Paul Klee 1906 in Bern porträtierte, durchaus noch mit einem Hauch von Jugendstil und nicht sehr fern von Ferdinand Hodler. Es ist eines seiner wenigen Porträts überhaupt, zudem versuchte sich der experimentierfreudige Klee hier an der Hinterglasmalerei. Und scheiterte, wie uns die ausführlichen Begleittexte in der Beletage des Ständehauses aufklären: Die Farbe fiel ab, Frau von Sinner gab das Bild enttäuscht zurück. Nach mehrfacher Überarbeitung mochte es sein Schöpfer nicht mehr hergeben, Frau von Sinner gelangte erst 1950 wieder in seinen Besitz.

Manche Rückseiten lohnen sich

Aus seiner Zeit als Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie (1931 bis zu seiner Vertreibung durch die Nazis 1933) stammt der abstrakte „Blick in die Ebene“ (1932). Hier stehen wir vor einer getupften Farblandschaft, die sanft geschwungene Linien durchschneiden. Gut möglich, dass dieses exquisite Bild der Seelenspiegel eines jener Ausflüge ist, die Klee seinerzeit an den Niederrhein unternahm.

Feininger/Klee

Etliche verspielt-poetische Federzeichnungen laden zur Nahsicht ein. Bei einigen Werken lohnt es, die Rückseiten anzusehen. Hier stehen die Namen von Sammlern und Galeristen, die Klee zur Kunst-Welt brachten, aber auch in rauen Spachtelmassen und Farbphantasien Hinweise darauf, dass Klee zumindest einige Werke als plastische Gebilde betrachtet haben könnte. Andere wie „Gefährliches“ von 1938 verraten auf ihrer Rückseite, dass Klee-Werke auch Weltreisende und Botschafter des neuen friedlichen Deutschlands waren. Da kleben Etiketten, die von Ausstellungen in Tel Aviv und Jerusalem (1966), New Nork, Rom und Rio künden; aber auch davon, dass viele Abenteuer am Güterbahnhof Bilk begannen, mit dem Möbeltransport Gustav Knauer. Auf dem Weg ins Exil.

Jörg Bartel

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Paul Klee in Düsseldorf – was die Werke erzählen können
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2012-09-28 20:41
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