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Paris feiert deutschen Galeristen Michael Werner

09.10.2012 | 17:57 Uhr
Paris feiert deutschen Galeristen Michael Werner
Galerist Michael Werner mit „Malerfürst“ Markus Lüpertz.Foto: Archiv/Zauritz

Paris.   Michael Werner ist einer der führenden deutschen Galeristen, eine Größe auf dem internationalen Kunstmarkt. Nicht weniger als 127 Werke aus seinem Privatbesitz hat der großzügige Deutsche jetzt dem „Musée d’Art Moderne“ in Paris vermacht.

Der Leitartikel auf der Titelseite der Zeitung „Le Monde“ zählt zu ihren Markenzeichen. Eine journalistische Instanz, die Präsidenten abkanzelt und Schicksalsfragen der Welt erörtert. Doch vor wenigen Tagen lautete die Schlagzeile: „Chapeau bas, Herr Werner!“, „Hut ab, Herr Werner!“

Gemeint ist Michael Werner, einer der führenden deutschen Galeristen mit Standbeinen in Köln, Berlin, New York und London, eine Größe auf dem internationalen Kunstmarkt. Nicht weniger als 127 Werke aus seinem Privatbesitz hat der großzügige Deutsche jetzt dem „Musée d’Art Moderne“ in Paris vermacht. Eine spektakuläre Schenkung, die selbst in der so reichen und verwöhnten Kunstmetropole Paris Furore macht.

Der präzise Wert dieser Werke ist schwer zu ermitteln. Es wird sich um einige Millionen handeln. Eine Art Lottogewinn sind sie allein aus kunsthistorischer Sicht, denn sie vereinen Stars der deutschen Nachkriegskunst: Zwölf Immendorffs sind dabei, 32 Werke von Markus Lüpertz und 37 von A. R. Penck. Dazu kommen Arbeiten weiterer Meister wie Wilhelm Lehmbruck, Per Kirkeby oder Don Van Vliet, der Freunden experimenteller Rockmusik auch als Captain Beefheart bekannt ist.

Paris-Trip mit Georg Baselitz

„Ich bewundere Paris, es ist eine der schönsten Städte der Welt“, sagt Michael Werner (73) dieser Zeitung. Mit der oft besungenen Stadt verbindet der Kunstsammler tiefe, sentimentale Erinnerungen. „Jedes Mal, wenn ich mich neu in eine Frau verliebte, schleppte ich sie nach Paris“, sagt der gebürtige Berliner, der Kindheit und Jugend in Mülheim/Ruhr verbrachte.

Der Paris-Trip Anfang der sechziger Jahre mit seinem Maler-Freund Georg Baselitz zählt für den aufstrebenden Galeristen zu den künstlerisch prägendsten – vor allem wegen des Abstechers in jenes Museum für Moderne Kunst (MAM), dem er nun 127 Werke schenkte.

„Der deutsche Museumsbetrieb macht mir nicht viel Freude“

Mit MAM-Chef Fabrice Hergott verbindet Werner seit Langem eine tiefe Freundschaft. Sie reicht so weit, dass er dem Beschenkten weitgehend freie Hand ließ bei der Zusammenstellung seiner Wunschliste. Im Gegenzug widmet das Museum dem Deutschen bis zum nächsten Frühjahr die riesige, aus 900 Arbeiten bestehende Ausstellung „Die Kollektion Michael Werner“. Sie zeigt neben den 127 Schenkungen auch Werke von Beuys, Sigmar Polke, Otto Dix, Yves Klein und Georg Baselitz.

Werners „Oui“ zu Paris ist zugleich ein zischendes „Nein“ gegenüber seinem Heimatland aus bitterer Verärgerung. Oft genug hat sich der Galerist am deutschen Museumsbetrieb gerieben und so manchen Direktor verteufelt: „Der deutsche Museumsbetrieb macht mir halt nicht viel Freude.“ So klagt er insbesondere darüber, dass er neugierige Kunstfreunde aus dem Ausland, die deutsche Nachkriegskunst zu sehen begehrten, stets achselzuckend vertrösten müsse. „Leider gibt es dafür keinen zentralen Ort, zum Beispiel ein Nationales Kunstmuseum, wo ich sie hinbringen könnte.“

Gerd Niewerth

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