Paderborn zeigt vier Generationen der Malerdynastie Brueghel

Die Gemälde "Madonna mit Kind in einer Blumengirlande" der Maler Jan Brueghel der Ältere und Peter Paul Rubenshat erregen die Aufmerksamkeit eines Fotografen.
Die Gemälde "Madonna mit Kind in einer Blumengirlande" der Maler Jan Brueghel der Ältere und Peter Paul Rubenshat erregen die Aufmerksamkeit eines Fotografen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ein Brueghel kommt selten allein: Eine neue Schau in Paderborn zeigt Arbeiten aus gleich vier Generationen der berühmten flämischen Künstler-Dynastie.

Paderborn.. Sie heißen Pieter, Jan, Jan Pieter, Abraham und Ambrosius. Nachname: Brueghel. Wohl dem, der einen Stammbaum der berühmten Malerfamilie zur Hand hat, wenn er durch die aktuelle Ausstellung in der Städtischen Galerie in der Reithalle Paderborn streift: Über vier Generationen erstreckt sich das malerische Schaffen der flämischen Künstler-Dynastie von Pieter Bruegel dem Älteren (der als einziger ohne h geschrieben wird) bis hin zu dessen Ur-Urenkeln.

Die erstmals in Deutschland präsentierte Zusammenstellung von über 140 Werken zeigt von Samstag an bis zum 21. Juni, wie die Nachkommen von der Meisterschaft ihres Stammvaters profitierten und gleichzeitig der "Marke Brueghel" ihren eigenen Stempel aufdrückten.

Ursprung bahnbrechender Neuerungen in der europäischen Kunst des 16. Jahrhunderts war Pieter der Ältere: Er begründete die Gattung des Bauerngenres, die später über die Kopien und Varianten seines ersten Sohnes weite Verbreitung fand und zahlreiche Salons des wohlhabenden Bürgertums von Antwerpen und weit darüber hinaus zierte.

Gleichzeitig setzte er neue Maßstäbe in der Landschaftsmalerei, schuf Gemälde, in denen Berge, Täler und Flüsse zum Kern des Bildes wurden, statt nur Hintergrund zu sein.

Die makellose Schönheit von Gottes Wirken

"Es hätte nie diesen Ruhm der Marke Brueghel gegeben, wenn die Söhne den Geist nicht weitergetragen hätten", sagt Andrea Wandschneider, Museumsdirektorin und Kuratorin der Schau. Das Leben des Ur-Brueghels war zu kurz, um ein riesiges Oeuvre zu schaffen, nur rund 40 Bilder können ihm zweifelsfrei zugeordnet werden. Von den raren Meisterwerken sind daher nur zwei in dem auf alte Meister spezialisierten Museum in Paderborn zu sehen.

Umso vielfältiger präsentiert ist sein Erbe. Da sind die typisch bäuerlichen Szenen der Brueghelianer zweiter Generation: farbenfrohe und detailverliebte Hochzeitsszenen; Jahrmarktbilder, bei denen gepichelt und getanzt wird.

Freizeit Am Bildrande gibt es immer wieder Figuren, die ihr nacktes Hinterteil recken. Dass solche Szenen bildwürdig wurden, sei keineswegs eine Verweltlichung der Kunst, erklärt Wandschneider. "Im Gegenteil: Dahinter steckt der Gedanke "Schaut her: Das alles gehört zum Kaleidoskop der menschlichen Schöpfung"."

Die makellose Schönheit von Gottes Wirken auf Erden fand auch Niederschlag in den bekannten Blumenstillleben der Brueghel-Söhne und Enkel. Den Gemälden mit Sträußen üppiger Blütenpracht räumt die Paderborner Schau großen Platz ein.

Künstlertum war auch Handwerk

Auch Gemälde bedeutender Künstler aus dem Umfeld der Brueghels hat das Museum aus Sammlungen in aller Welt zusammengetragen, etwa Hieronymus Boschs "Sieben Todsünden" oder Gemeinschaftsarbeiten von Peter Paul Rubens und Jan Brueghel dem Älteren. Künstlertum war damals auch Handwerk, bei dem die Spezialisten arbeitsteilig vorgingen: Rubens schuf die Gottesmutter mit Kind, Jan Brueghel den Blumenkranz, der das Porträt umringt.

Ausstellung Weitere Kapitel widmen sich Wunderbildern, religiösen oder mythischen Allegorien - die Nachkommen von Pieter dem Älteren ließen sich zunehmend auch von den italienischen Meistern inspirieren: "Über vier Generationen verliert die strikte Tradition des Stammvaters mehr und mehr an Kraft, in jeder Generation entsteht aber auch Neues", erläutert Wandschneider. (dpa)