Paderborn ehrt die Künstlerdynastie der Brueghels

Der Ausschnitt eines Gemäldes von Pieter Brueghel d. Jüngeren.
Der Ausschnitt eines Gemäldes von Pieter Brueghel d. Jüngeren.
Foto: Städtische Galerie Paderborn
Die flämische Künstlerdynastie der Brueghels prägte im 16. und 17. Jahrhundert wesentlich die europäische Malerei. Paderborn widmet ihnen eine große Ausstellung.

Paderborn.. Heute würde man neudeutsch von einer „Marke“ sprechen: Die flämische Künstlerdynastie der Brueghels prägte im 16. und 17. Jahrhundert wesentlich die europäische Malerei.

Die Städtische Galerie Paderborn, eingerichtet in der Reithalle von Schloss Neuhaus vor den Toren der Stadt, zeigt erstmals in Deutschland einen Querschnitt des Brueghel-Schaffens über vier Generationen hinweg. Mehr als 140 Arbeiten dieser so kreativen und talentierten Familie werden gezeigt, dazu einige Werke ihrer Zeitgenossen wie etwa Peter Paul Rubens und Hieronymus Bosch.

Dass Jan Brueghel der Ältere gemeinsam mit Peter Paul Rubens ein Bild gemalt hat („Madonna mit Kind in einem Blumenkranz“) gehört zu den Besonderheiten der Kunstgeschichte - das Gemälde wird in Paderborn ebenso ausgestellt wie andere berühmte Werke.

Fotokunst Bauerngenre und Stillleben

Verschiedene Motive aus dem Bauerngenre, betörend schöne Blumenstillleben, Landschaftsmalerei, Druckgraphik und Zeichnungen werden in fünf Kapiteln vorgestellt. Alltagsszenen wechseln mit mythischen Allegorien, Heiligen-Darstellungen und gemalten Oden an die Schöpfung. Es ist rückblickend das feste Band der Familie, das den wahren Brueghel-Ruhm über die Jahrhunderte hinweg bewahrt hat. Andrea Wandschneider, Paderborner Museumsdirektorin und Kuratorin dieser Ausstellung, formuliert es so: „Es hätte nie diesen Ruhm Brueghels gegeben, wenn die Söhne den Geist der Väter nicht weitergetragen hätten.“

Von Pieter Bruegel dem Älteren (um 1525/30 - 1569) bis hin zu Jan Baptist Brueghel (11647-1719) spannt sich der Maler-Bogen, und im gleichen Verlauf schlich sich übrigens auch ein „h“ in den Familiennamen mit ein.

Kunstauktion Schon zu Lebzeiten waren die Brueghels mit ihren Bilder bekannt und bewundert; in diesem Zusammenhang von einer echten Dynastie zu sprechen, war schon zu ihren Lebzeiten wirklich gerechtfertigt.

Farbenfroh und detailverliebt, lebensprall, frech und mit einem genauen Blick für menschliche Schwächen schufen die Brueghels Meisterwerke, die bis heute nichts von ihrer formalen wie inhaltlichen Strahlkraft verloren haben.

Populär über alle Zeiten hinweg

„Solange das Geld in Strömen in meinen Beutel fließt, kriecht mir jedermann in den Arsch“, schrieb Pieter Brueghel d. Jüngere auf den Rahmen seines Bildes vom „Schmeichler“ im Jahre 1592 und machte damit das Sprichwort kunsthistorisch salonfähig.

Es ist wohl diese derbe Form der Bodenständigkeit, diese unmittelbare Volksnähe, die die Popularität der Brueghel-Kunst alle Zeiten hat überdauern lassen. Die Maler setzten mit ihren Arbeiten Maßstäbe, loteten thematische wie technische Grenzen aus und wagten sich nicht selten darüber hinaus. In Paderborn kann man sich bis zum 21. Juni buchstäblich davon selbst ein Bild machen.