Otto Piene bringt Licht und Schatten in Münster zum Tanzen

Beunruhigend, neue Sichtweisen lehrend: der „Schwarze Stern“ von Otto Piene, ab Samstag im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.
Beunruhigend, neue Sichtweisen lehrend: der „Schwarze Stern“ von Otto Piene, ab Samstag im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ab Samstag präsentiert das Museum für Kunst und Kultur in Münster den Zero-Künstler Otto Piene mit seinem bevorzugten Arbeitsmaterial - Licht.

Münster.. Er war der erste Künstler, der mit Flammen und Rauch malte und Regenbogen in den Himmel schoss. Doch noch nie hat ein Museum die Bedeutung des Lichts im Schaffen von Otto Piene (1928- 2014) thematisiert. Diese Lücke schließt nun das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. 70 Werke ermöglichen bei der großen Schau eine faszinierende Entdeckungsreise zu explodierenden Sternen und den Ursprüngen des Feuers. „Otto Piene. Licht“ ist die letzte Ausstellung, die der Weltbürger mit den sauerländischen Wurzeln noch mitkuratiert hat.

Museum Der „Schwarze Stern“ wirkt wie ein aus Zeit und Raum gefallenes urzeitliches Kultobjekt, ein mythisches Ungeheuer, das der Welt das Helle absaugt. Doch tatsächlich lernt der Besucher im Dialog mit dieser beängstigenden Skulptur, die lange nicht gezeigt wurde, das Sehen neu und entdeckt, wie die Zacken des Sterns winzige Lichtpartikel regelrecht einfangen und damit die Nacht überwinden.

Dunkle Bombennächte

Die Nacht überwinden – mit diesen Worten könnte man auch das Lebensziel des in Bad Laasphe geborenen Künstlers bezeichnen. Der junge Otto erlitt die dunklen Bombennächte des Krieges und empfand die Wiederkehr des Lichts als eine Gnade. Fortan ließ er seine Kunst um das Licht kreisen. 1957 gehörte er in Düsseldorf zu den Gründern der Künstlergruppe Zero; 1964 erhielt er in den USA eine erste Gastprofessur. Düsseldorf und Massachusetts bildeten fortan die Landmarken seines Lebens. 1968 ehrte ihn der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit dem Konrad-von-Soest-Preis. Damit wurde eine dauerhafte Bindung zum Museum in Münster geschaffen, die sich in der spektakulären Außenwand-Skulptur „Silberne Frequenz“ weithin sichtbar leuchtend spiegelt.

Zur Ausstellung Das Licht hat bei Piene viele Dimensionen: physikalisch, elektrisch, metaphysisch. Und es findet seinen Ausdruck nicht nur in den berühmten Lichtskulpturen, sondern auch in zahlreichen Gemälden. „Viele kennen Otto Piene nur als Künstler, der Lichträume gestaltet. Wir zeigen jetzt den Otto Piene, der aus der Malerei kam und immer wieder zur Malerei zurückkehrte“, beschreibt Museumsdirektor Hermann Arnhold den Schwerpunkt der Ausstellung. So kann der Besucher erkunden, wie ferne Galaxien auf der Leinwand explodieren und Rauch statt Farbe zum Material von Bildern wird. Parallel lässt Piene elektrische Rosen erblühen und Milchstraßen in rotierenden Zyklen verglühen.

Dieser Ausflug in die Geburtsstunde der Lichtkunst berührt umso mehr, als die technische Entwicklung Pienes Arbeiten inzwischen in restauratorische Sorgenkinder verwandelt. Die Lichtskulptur „Corona Borealis“ aus dem Jahr 1965 besteht etwa aus rund 400 Glühbirnen. Wenn eine davon kaputt geht, hat das Museum ein Problem. Arnhold: „Glühbirnen gibt es nicht mehr. Alle deutschen Museen sind auf Safari, um welche aufzutreiben. Es haben sich mittlerweile Produzenten etabliert, die extra für solche Zwecke wieder welche herstellen.“ In Zusammenarbeit mit Piene selbst hat Münster daher die „Silberne Frequenz“ auf LED umgerüstet.

Unschuldiges Flair

Die Elektronik der 60er-Jahre verleiht diesen Arbeiten ein gewisses unschuldiges Flair, das angenehm zu den kommerziellen Scheinwerfer-Schlachten kontrastiert, die heute in der Werbung eingesetzt werden. Bei Piene kommt die Wirkung von innen, die Technik hat ihn nie interessiert. Dem Künstler geht es um Ideen, um verdichteten Geist. Was dadurch entsteht, ist so fragil, dass es eine ungemein poetische Strahlkraft entwickelt. Otto Piene bringt in Münster das Licht zum Tanzen. Und der Betrachter bewegt sich mittendrin.