Opernsängerin Maria Radner startete Karriere in Hagen

Maria Radner und Jan Friedrich Eggers 2008 in der Hagener Inszenierung von Händels "Julius Cäsar".
Maria Radner und Jan Friedrich Eggers 2008 in der Hagener Inszenierung von Händels "Julius Cäsar".
Foto: Stefan Kühle
Was wir bereits wissen
Trauer um die hochbegabte Altistin. Ihr Rückflug von einem Gastspiel in Barcelona führte in den Tod. Sie war mit ihrem Lebensgefährten und Baby im abgestürzten Airbus der Fluglinie Germanwings.

Wuppertal/Hagen.. Der kleine Felix ist knapp Zwei und darf seine Mama auf die Dienstreise begleiten. Flugtechnisch gilt er noch als Baby. Auch Papa Sascha Schenk kommt mit. Denn seine Lebensgefährtin Maria Radner wird an der Oper in Barcelona die Erda in Richard Wagners „Siegfried“ singen.

Die junge Familie wohnte in Wuppertal. Es gibt sie nicht mehr.

Die Musikszene trauert um die hochbegabte Altistin Maria Radner, ihren Partner und ihren Sohn. Der Hagener Tenor Dominik Wortig hatte der Freundin am Dienstag um 18 Uhr eine SMS ­geschickt. „Maria, ist alles in Ordnung mit Euch?“ Wortig wusste, dass die Kollegin in Barcelona gastiert und hatte eben erst von dem Flugzeugabsturz erfahren. Gegen 23 Uhr hieß es dann, dass die Sängerin und ihre Angehörigen zu den ­Opfern der Katastrophe gehören.

Maria Radner war erst 33 und schon ein leuchtender Stern am internationalen Opernhimmel. Im Sommer sollte sie bei den Bayreuther Festspielen debütieren. Wien, London, Salzburg, Mailand, New York standen auf ihrem Termin­kalender. Angefangen hat ihre Karriere am Theater Hagen. 2008 sang sie in „Julius Cäsar“ von Händel die Cornelia, ihr erster Bühnenauftritt überhaupt. Prompt wurde sie dafür zur besten Nachwuchssängerin ­gewählt.

Oleg Bryjak Wortig und Maria Radner kannten sich schon vom Studium in Düsseldorf. „Wenn Du keine Weltkarriere machst, werde ich Schuster“, hatte der Hagener Sänger der jüngeren Kollegin damals prophezeit. Als beide 2013 an der Mailänder Scala auftraten, mussten sie über diese Erinnerung herzlich lachen. Denn nach Hagen ging es steil bergauf.

Wunderbare Künstlerin und Freundin

Wortig ermutigte die blutjunge Altistin damals, sich in Hagen für die Cornelia zu bewerben. Die Vorsingen hatten bereits 25 Kandidatinnen verschlissen, als Maria Radner kam, sah und siegte, um in Cäsars Terminologie zu bleiben. Das Theater Hagen weint nicht nur um eine wunderbare Künstlerin, sondern um eine gute Freundin. „Sie war einer der liebenswertesten und warmherzigsten Menschen, die ich je gekannt habe“, sagt Dominik Wortig, der immer noch unter Schock steht. „Du kriegst dieses ,Warum!’ nicht in den Kopf.“

Auch Mezzosopranistin Kristine Larissa Funkhauser ist fassungslos. „Wir haben uns beim ,Julius Cäsar’ angefreundet, damals hat man schon gemerkt, was für eine tolle Stimme sie hat. Ich war zu der Zeit mit meinem Sohn schwanger, und da war sie immer ganz dabei und hat auf mich aufgepasst.“ Für Kristine Larissa Funkhauser ist es unvorstellbar, diese Stimme und dieses Lachen nie mehr zu hören. „Das Duett, das ich mit ihr im Händel singen durfte, war das Schönste, das ich je in ­Hagen gemacht habe.“

Immer für die Kollegen eingesetzt

Der Hagener Tenor Boris Leisenheimer gehört wie Dominik Wortig zu den Lehrern von Maria Radner. „Da war sie noch an der Hochschule und kam immer, um mit Dominik und mir zu arbeiten.“ Die Altistin hielt die Kontakte zu den Hagener Freunden, trotz Weltkarriere. Boris ­Leisenheimer: „Sie war eine der bodenständigsten Kolleginnen, die ich kennengelernt habe. Sie hat sich ­immer sehr für die Kollegen eingesetzt.“

Für die Opernwelt ist der Flug 4U9525 nicht nur wegen Maria Radner eine Tragödie. Der Düsseldorfer Bassbariton Oleg Bryjak befindet sich ebenfalls unter den Opfern. Auch er hat in Barcelona im „ Siegfried“ gesungen, den Alberich, seine Paraderolle, mit der er zum Beispiel im aktuellen Bayreuther „Ring“ Furore macht. Weiter sollen zwei deutsche Choristen mit der Maschine abgestürzt sein, dazu gibt es aber bislang keine offizielle Bestätigung.

Zwei andere Sänger des „Siegfried“ hingegen danken ihrem Schöpfer. Bass Andreas Hörl, Schüler des Hagener Kammersängers Prof. Reinhard Leisenheimer, und Bariton Jochen Schmeckenbecher, der am Theater Hagen seine Karriere begonnen hat und dort von 1990 bis 1993 engagiert war, sind am gleichen Tag von Barcelona zurückgeflogen. Mit einer anderen Maschine.