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Opernexperte: Vieles über Verdi ist noch unerforscht

15.01.2013 | 18:57 Uhr
Opernexperte: Vieles über Verdi ist noch unerforscht
Szene aus der Oper "Der Troubadour". Verdi ist weltweit der meist gespielte Opernkomponist.Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool

Berlin.  2013 wird der 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi gefeiert. Der Italiener ist weltweit der meist gespielte Opernkomponist. Der Musikwissenschaftler Anselm Gerhard sieht in der Verdi-Forschung noch viel Nachholbedarf. Vor allem zu Rezeptionsgeschichte und Biografie gebe es viele offene Fragen.

Der Musikwissenschaftler Anselm Gerhard sieht in der Forschung zu dem italienischen Komponisten Giuseppe Verdi (1813-1901) noch viel Nachholbedarf. "Es gibt so gut wie nichts dazu, wie einzelne seiner Opern im 19. Jahrhundert von der Kritik aufgenommen wurden", sagte der Direktor des Instituts für Musikwissenschaft an der Universität Bern in einem dapd- Interview. "Wir wissen fast nichts über die wechselnden Einschätzungen seiner Opern über einen längeren Zeitraum hinweg - das, was man Rezeptionsgeschichte nennt."

Verdi wurde am 9. Oktober 1813 geboren. In diesem Jahr wird sein 200. Geburtstag gefeiert. Der Italiener ist weltweit der meist gespielte Opernkomponist. Nach Ansicht des Opernforschers Gerhard, der ein Verdi-Handbuch und eine -Biografie veröffentlichte, sind seine Opern so beliebt, weil sie so "pessimistisch" sind. "Bei Verdi endet immer alles in Einsamkeit und Tod oder sogar Mord." Verdi passe in eine Gesellschaft und eine Zeit, "die nicht mehr an Illusionen glauben kann." Gerhard betonte zudem: "Er machte wirkliche Sozialdramen mit normalen Menschen."

Typischer Pessimismus

Zwar sei es immer heikel, Leben und Werk zu eng zu verknüpfen. Bei dem für Verdi typischen Pessimismus spiele es jedoch sicher eine Rolle, dass dieser als sehr junger Mann seine Frau und seine beiden Kinder verloren habe. "Aber die Biografie von Verdi ist im psychologischen Bereich schwer greifbar, weil er ein Mann war, der sich systematisch vor seinen Mitmenschen verschlossen hat." In Verdis Biografie sei noch sehr vieles unentdeckt, betonte Gerhard und forderte: "Man muss durch die ganzen Mythen hindurch zu einem realistischeren Blick auf die Lebensgeschichte zurück finden."

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Den Musikwissenschaftler fasziniert an Verdi vor allem die bisher nahezu komplett unerforschte Frage: "Wie gelingt es Verdi, mit Melodien Gefühle oder Situationen auszudrücken?" Kein anderer Opernkomponist seiner Generation sei bei der "Psychologisierung von Musik" so weit gegangen. Verdis Ziel sei es immer gewesen, alles möglichst knapp und prägnant darzustellen. Viele seiner Opern dauerten nur rund zwei Stunden. In diesem Zusammenhang sei auch der Einfluss Verdis auf die Filmmusik ein noch weitgehend unerforschtes Gebiet. (dapd)



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