Operation "Valkyrie" hat begonnen
19.07.2007 | 10:11 Uhr 2007-07-19T10:11:58+0200Berlin. Schon der Vorspann war spektakulär, dabei fiel erst gestern die erste Klappe. Unmittelbar vor dem heutigen Jahrestag des gescheiterten Hitler-Attentats am 20. Juli 1944 begannen tief in den schattigen Wäldern von Königs Wusterhausen im Brandenburg
50 Kilometer südlich von Berlin, im Schenkenländchen, in der Nähe so beschaulicher Flecken wie Groß Köris, Löpten und Klein Köris, entstehen die Außenszenen für die Koproduktion des Hollywood-Studios United Artists mit dem Potsdamer Studio Babelsberg. Dort haben Kulissenbauer über Wochen aus Gerüsten, Holz und Pappe eine riesige Bunkeranlage errichtet - den Nachbau des sogenannten Führerhauptquartiers "Wolfsschanze". In der echten "Wolfsschanze" bei Rastenburg, dem heute polnischen Ketrzyn, hatte Stauffenberg während einer Lagebesprechung am 20. Juli 1944 eine Bombe gezündet, die Hitler aber nicht tötete.
Heute vor 63 Jahren misslang das Attentat
Die 80 Millionen Dollar teure US-Produktion des Regisseurs Bryan Singer, der für Filme wie "X-Men" und "Superman Returns" verantwortlich zeichnet, sorgt für Gesprächsstoff, seit das Bundesfinanzministerium geplante Dreharbeiten im Bendlerblock, wo Stauffenberg nach dem Attentat hingerichtet wurde und heute die obersten Repräsentanten des Staates zur traditionellen Feierstunde zusammenkommen, untersagt hatte. Konsequenz aus dem Drehverbot war eine hitzige Debatte quer durch die Feuilletons der Republik. Denn die Begründung für die Absage lautete: Die Würde der Gedenkstätte würde durch das Film-Projekt verletzt. Tatsächlicher Hintergrund des Drehverbots dürfte aber wohl Tom Cruises Mitgliedschaft bei den Scientologen sein (wie berichtet).
Ulrich Arnts, Amtsdirektor des Schenkenländchens, ist das einerlei. Er erwartet sich von dem Projekt nicht nur einen "hübschen Werbeeffekt". Wenn Hollywood sich des Stoffs über die Attentäter des 20. Juli annehme, würden viele Leute erreicht, die sich für das Thema sonst wenig interessierten. In den vergangenen Jahren hatte sich Arnts eher mit Verherrlichern des NS-Regimes herumplagen müssen, weil in der Region im April 1945 die letzte große Kesselschlacht des zweiten Weltkrieges mit mindestens 50 000 Toten tobte. Das nehmen Neonazis alljährlich im November zum Anlass für einen Aufzug. Dann doch lieber Tom Cruise.
"Wolfsschanze" wird hermetisch bewacht
Das Film-Set ist abgesperrt wie Fort Knox. Wächter patrouillieren rund um die mit Flatterband gesicherten Bereiche, ab und zu lässt sich sogar die Polizei sehen. Eigens für die Dreharbeiten wurde die alte Straße durch den Wald ausgebessert. Für authentische Bilder soll auch die alte NVA-Graspiste sorgen, auf der wie an der richtigen "Wolfsschanze" kleinere Flugzeuge wie eine Junkers landen können. Hintergrund: Nach dem Attentat auf Hitler fuhr Stauffenberg zum Flugplatz der Wolfschanze, bestieg eine Junkers, um nach Berlin zu reisen...
Nach Angaben von Studio Babelsberg, wo ebenfalls Szenen gedreht werden, fiel die Wahl auf den Wald bei Klein Köris, weil der Ort schnell über die Autobahn sowohl von Potsdam wie auch von Berlin erreicht werden kann. Dort, im gediegenen Regent-Hotel am Gendarmenmarkt, hat Tom Cruise Quartier bezogen. Mit Gattin Katie Holmes (28) und Tochter Suri (1), so schreiben es bis ins kleinste Detail Berliner Boulevard-Blätter, die den Star beim Bummel im Tiergarten oder beim Dinner im Promilokal "Borchardt" zeigen, hat sich der Hollywood-Mime zwei Etagen samt Privatkino umbauen lassen. Man will schließlich drei Monate bleiben.
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