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Klavier-Festival Ruhr

Ohnesorg sieht Klavier-Festival Ruhr für Zukunft gerüstet

09.11.2012 | 17:38 Uhr
Ohnesorg sieht Klavier-Festival Ruhr für Zukunft gerüstet
Betriebswirt und weitgereister Musik-Manager: Der Intendant des Klavier-Festival Ruhr Prof. Franz Xaver Ohnesorg.Foto: Mathias Schumacher

Essen.   2013 hat das Klavier-Festival Ruhr reichlich Grund zu feiern. Das bedeutendste Piano-Gipfeltreffen seiner Art geht ins 25. Jahr. Sein Intendant sieht sich für die Anforderungen der Zukunft gut gewappnet: Ein Gespräch mit Professor Franz Xaver Ohnesorg.

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Längst hat die Führungsriege des Klavierfestivals Ruhr ihr Programm für 2013 geplant. Es wird ein besonderes Jahr für die größten Klavierfestspiele der Welt: Sie feiern ihr 25-Jähriges. Das Erfolgsmodell hat sich neu aufgestellt, das Festival lenkt eine Stiftung. Ein Gespräch mit Professor Franz Xaver Ohnesorg, dem Intendanten des Klavierfestivals Ruhr, über Anfänge und Ausblicke, über die Künstlerelite und das begeisterungsfähige Publikum

„Wir haben gut gewirtschaftet“

Herr Ohnesorg, das Klavier-Festival Ruhr ist seit 2010 eine Stiftung. Steht es jetzt auf eigenen Füßen?

Franz Xaver Ohnesorg: Rechtlich ja, doch wir bleiben das kulturelle Leitprojekt des Initiativkreises Ruhr. Allerdings wird dessen Sponsoring 2013 um weitere 75 000 Euro abgesenkt, bis sich der Zuschuss dann 2015 auf 693000 Euro einpendelt. Das bleibt eine große Herausforderung für uns. Doch wir haben auch 2012 gut gewirtschaftet und so werden wir unser Stiftungskapital und unsere Rücklagen weiter ausbauen können.

Es gab die Behauptung, dazu hätte zu Unrecht eine Förderung der Kunststiftung NRW beigetragen. Ist das für Sie ausgeräumt?

Ohnesorg: Ja. Der Stiftungsrat des Klavier-Festivals hat hierzu die KPMG-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer Prüfung beauftragt. Auch nach den Erkenntnissen von KPMG entspricht die Beantragung der Förderung bei der Kunststiftung NRW, deren Gewährung sowie die Abrechnung sowohl der Satzung der Kunststiftung NRW, als auch dem rechtlichen Rahmen der Stiftung Klavier-Festival Ruhr. Die Abrechnung ist sachgerecht und erfolgte entsprechend gängiger betriebswirtschaftlicher Praxis – so der Befund der Prüfung. Alle anderslautenden Verdächtigungen, Unterstellungen und rufschädigenden Aussagen haben sich als falsch erwiesen. Wir lassen sogar unsere Jahresabschlüsse freiwillig durch Wirtschaftsprüfer kontrollieren und haben dafür den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erhalten. Zudem wurde uns in zwei Revisionsprüfungen durch unsere Gründungsstifterin, die National-Bank AG, durchweg korrektes Verhalten – auch in Governance-Fragen – bestätigt.

Und die Kunststiftung NRW fördert das Klavier-Festival weiterhin?

Ohnesorg: Ja, 2013 sollen für das Jubiläums-Programm im 25. Jahr des Klavier-Festivals z.B. Auftragskompositionen vergeben werden, die uns die Kunststiftung finanzieren möchte.

„Buchhaltung habe ich schon von meiner Mutter gelernt“

 

Förderungen, Finanzierungen: Empfinden Sie das Jonglieren mit Zahlen als unkünstlerische Last?

Ohnesorg: Nein, Buchhaltung habe ich schon als Kind von meiner Mutter gelernt (lacht). Mein Vater war eher musisch. Ich selbst habe beides in mir und nach meiner musikalischen Ausbildung noch BWL studiert; ich habe offenkundig das Talent geerbt, diese widerstreitenden Elemente zum Ausgleich zu bringen.

Wir sprechen auch über das Sammeln von Geld. Warum tun sich Deutsche schwer damit, großzügig zu sein? Gemessen an Amerika...

Ohnesorg: Da ist was dran. Als Chef der Carnegie Hall hatte ich anlässlich des 80. Geburtstags von Isaac Stern 6,5 Mio. Dollar einsammeln können, denn dort gibt es seit der Gründerzeit die Tradition: Ich will ein gutes Beispiel geben! Wie man die für eine solche Kampagne erforderlichen Energien mobilisieren kann, dazu habe ich in New York viel gelernt und so wurde auch unsere Gründerkreis-Kampagne mit über einer Million Euro ein beachtlicher Erfolg. 250 großzügige Menschen, die meinen bisherigen Lebensweg begleitet haben, ließen sich dafür gewinnen.

„Man muss es vorleben“

 

In Deutschland fragt man erstmal, was der Staat für einen tut...

Ohnesorg: Hier gab es Fürsten, in Amerika nicht. Aber auch bei uns bewegt sich inzwischen viel – siehe unser mehrfach gesteigertes Sponsoring-Aufkommen. Man muss es vorleben, so wie Alfred Herrhausen gesagt hat: „Wir glauben an das Ruhrgebiet!“ Das erfordert Initiative, aber auch die Freiheit, sie zu gestalten. Sonst wäre ich nicht glaubwürdig.

Haben Sie Wünsche für das Jubiläumsprogramm des Festivals?

Ohnesorg: Mein erster Wunsch für 2013 ist schon in Erfüllung gegangen: Die von uns allen so verehrte Traudl Herrhausen wird unsere neue Schirmherrin und wird auch unsere nächste Fundraising-Kampagne leiten. Beim Programm selbst freue ich mich natürlich, dass wir endlich auch Maria João Pires und Evgeny Kissin wieder bei uns haben, denn natürlich bleibt es mein Ehrgeiz, dass die Frage, wer von Rang und Namen noch nicht bei uns gespielt hat, schwieriger zu beantworten ist, als umgekehrt.

„Unser Altersschnitt ist deutlich niedriger als anderswo im klassischen Konzert“

 

Sie setzen auf die Jugend. Wie bekommt man die Kids von Spezialprojekten ins klassische Konzert?

Ohnesorg: Wir stehen besser da als viele andere. Unser Altersschnitt ist deutlich niedriger als anderswo bei klassischen Konzerten. Vielleicht liegt das auch an unserer Preispolitik: Die günstigste Karte kostet regelmäßig nicht mehr als ein Kino-Ticket.

Täuscht es, dass Sie Weltkünstler zu Gast haben, aber doch eher für ein regionales Publikum spielen?

Ohnesorg: In den letzten acht Jahren haben wir hier deutliche Fortschritte erzielt; das beweisen die Postleitzahlen beim Kartenversand. Auch unser mehrsprachiger Festivalprospekt zahlt sich hier aus. Hinzu kommen bundesweite Hörfunk- und Fernseh-Ausstrahlungen und nationale Zeitungsberichte. Zudem haben wir die Mobilität unseres Publikums innerhalb des Ruhrgebiets und die Zahl internationaler Reisegruppen deutlich steigern können.

„Das Publikum im Westen ist wunderbar begeisterungsfähig“

 

Wie erleben Sie das Publikum?

Ohnesorg: Unsere Konzertbesucher sind offen und unvoreingenommen und so können auch junge, noch unbekannte Künstler die Seelen unserer Zuhörer erreichen und sich Standing Ovations erspielen. Dass ich mir auch bei der Auswahl unbekannter Künstler Glaubwürdigkeit erarbeiten konnte, dies ist für mich ein großes Geschenk und Ansporn zugleich. Die Begeisterungsfähigkeit unseres Publikums hier im Westen empfinde ich als etwas ganz Wunderbares.


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