Ohne Preußens Glanz und Gloria

Wie weit unsere Erwartungen gesunken sind, lässt sich daran erkennen, dass wir uns schon darüber freuen, dass beim Berliner Schlossbau nicht nur der Zeit-, sondern auch der Kostenplan eingehalten wurde. Da mag man ja schon gar nicht mehr nach dem Sinn des ganzen Unternehmens fragen.

Janz Berlin ist natürlich aus dem Häuschen über das Schloss in Mitte, auch wenn es zum morgigen Richtfest noch mächtig nach Rohbau aussieht. Genau diese Optik wird wohl auf Dauer auch dafür sorgen, dass sich Sponsoren für einen Nachbau der historischen Fassaden finden – noch sind die versprochenen Abermillionen ja nicht zusammengekommen.

Was dann mit barocken Fassaden wie ausgestelltes Geschichtsbewusstsein daherkommt, wird nicht mehr davon haben als der Palast der Republik – jener Vorgängerbau, der hier abgerissen wurde, damit das von der DDR abgerissene Preußenschloss wiedererrichtet wird.

Dass der historische Bau rekonstruiert wird, hatte aber auch beinahe zwangsläufig zur Folge, dass der Inhalt des Baus zu einem international sichtbaren Dementi werden musste: Nein, so lautet die lauteste Botschaft des hier geplanten Humboldtforums: Dieses Schloss bedeutet nicht, dass Preußens Glanz und Gloria wiederauferstehen soll. Das birgt die Gefahr, dass der Inhalt beliebig wird, solange er nicht nach Preußen riecht.