Ohne Eintritt – ein anderes Museum

In Zeiten, da die Rotstifte der Kämmerer immer häufiger über Kultureinrichtungen kreisen, sind hohe Besucherzahlen wichtiger denn je. Kein zuverlässiger Schutz, aber doch ein wirksamer. Folkwang-Chef Tobia Bezzola hat die Krupp-Stiftung also für die Zukunftssicherung seines Hauses gewinnen können, wenn sie nun bis 2020 die Stadt Essen für ausfallende Eintrittsgelder entschädigt – und das Museum mit freiem Eintritt werben kann. Wobei sich fragen ließe, ob die Werke, die zur Sammlung eines Museums gehören und mithin im öffentlichen Besitz sind, überhaupt eintrittspflichtig sein sollten.

Der wesentliche Wandel besteht darin, dass das Museum durch die Entfernung der Bezahlschranke als rundum offen dasteht. Wer unbedingt die Sammlung sehen wollte, sah in den fünf Euro, die man bis gestern dafür zahlen musste, kein Hindernis. Aber ohne Eintritt kann man sich nun auch für ein paar Minuten mit Gerhard Richters Wolken wegträumen. Oder eines der vielen Meister-Gemälde der Klassischen Moderne unter die Lupe nehmen. Oder auch nur mal kurz nachschauen, ob Maillols „Radfahrer“ immer noch keine Hose trägt.

Die Menschen haben die Chance, die Sammlung als ihre zu erleben.