NRW fängt beim Neandertaler an

Münster..  Bayern hat eins, Baden-Württemberg hat eins, fast alle haben ein zentrales Landesmuseum. NRW hat keins, sollte aber eines haben. Das meinte nicht nur weiland Eckhard Uhlenberg, der einstige Landtagspräsident, das meint auch der Münstersche Historiker Dr. Ulrich Kröll. Der hat zwar seine mehr als 600 Seiten über „Die Geschichte Nordrhein-Westfalens“ ausdrücklich nicht geschrieben, nur um für ein „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens“ zu werben; aber ein Plädoyer dafür ist sein lesenswerter Geschichtsschinken doch geworden.

Die NRW-Geschichte fängt bei Kröll übrigens nicht erst 1946 mit dem englischen Bindestrich an, sondern mit einem frühen Migranten: dem Neandertaler. Und dass schon die Römer und später Karl der Große, jeweils vom rheinischen Westen kommend, das ganze Nordrhein-Westfalen im Blick hatten. Tiefer ist der Brunnen der Vergangenheit...

Kröll hat als akademischer Oberrat an der Uni Münster Aberhunderte von Geschichtslehrern ausgebildet und nun ein populärhistorisches Buch über die Landesgeschichte vorgelegt, das den Rheinländern, Westfalen „und Lipperländern!“ zu mehr Landes-Kenntnis und -Selbstbewusstsein verhelfen soll. In 48 Kapiteln von der Varusschlacht über die Stadtwerdungen im Mittelalter, die Hansezeit, die Reformation, den Dreißigjährigen Krieg und die Französische Revolution lässt er die Landes-Vorgeschichte bis zur Jetztzeit Revue passieren.

Was wäre gewesen, wenn der Wiener Kongress nicht vor 200 Jahren das Rheinland und Westfalen offiziell zusammengeschweißt hätte, indem er die beiden Provinzen dem preußischen Staat zuschlug? Was, wenn Varus gewonnen hätte, wenn sich 1945 die Franzosen mit ihrer Idee vom Großrheinland „Rhenania“ gegen die englische Bindestrich-Lösung durchgesetzt hätten?

Für Kröll ist klar: „Das hätte nicht funktioniert.“ Er sieht im Bindestrich von 1946 den Beginn einer „fast 70-jährigen Erfolgsgeschichte“. Die sei möglich geworden, weil es im Ruhrgebiet die industriellen Grundlagen und Arbeit gab und der Niederrhein, das Münsterland und das östliche Westfalen die Ernährung der Bevölkerung sicherstellten.

Und die Mentalitäts-Unterschiede? Da gibt er unausgesprochen dem Kölner Kabarettisten Jürgen Becker Recht, der über das Zusammenleben von Rheinländern und Westfalen einmal sagte: „Et is furschbar, aber et jeht...“

Und es sollte und wird, meint Kröll, auch mit dem Haus der Geschichte klappen: In Düsseldorf solle es stehen, kein teurer Neubau, sondern, in Kamellewurfnähe zu Landtag, Kö und NRW-Kunstsammlung, in der alten Horion-Villa, eine neue feste „Must-Go“-Adresse.