Nora Gomringer gewinnt den Bachmannpreis

Nora Gomringer
Nora Gomringer
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Beim Klagenfurter Wettlesen erhielt die 35-jährige Nora Gomringer den Hauptpreis. Geehrt wurden zudem Valerie Fritsch und Dana Grigorcea.

Essen..  Viele starke Frauenstimmen waren beim diesjährigen Wettlesen um den Klagenfurter Bachmannpreis vertreten, und so nimmt es nicht Wunder, dass heuer die Preise fest in weiblicher Hand bleiben: Die 35-jährige Deutsch-Schweizerin Nora Gomringer erhielt für ihren Text „Recherche“ den mit 25 000 Euro dotierten Hauptpreis. Die 1979 in Bukarest geborene Dana Grigorcea, die in Zürich lebt, wurde für einen Auszug aus ihrem kommenden Roman mit dem 3Sat-Preis geehrt. Die Österreicherin Valerie Fritsch, Jahrgang 1989, wurde für ihre Erzählung „Das Bein“ mit dem Kelag-Preis geehrt – und erhielt zudem den Publikumspreis, um den im Internet abgestimmt werden konnte. Leer ging hingegen Mitfavoritin Teresa Präauer aus, die mit ihrem viel gelobten Beitrag „Oh, Schimmi“ nach einer Stichwahl um den Bachmannpreis dann rätselhafterweise auch keinen der anderen Preise mehr erhielt.

Eine „Verstörungskomödie“

Die Lyrikerin und Essayistin Nora-Eugenie Gomringer, die in Bamberg das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia leitet, gilt als eine der Mitbegründerinnen der Poetry-Slam-Szene. Die Liebe zur Lyrik wurde ihr womöglich in die Wiege gelegt: als Tochter einer Germanistin und des Schweizer Dichters Eugen Gomringer, von 1977 bis 1990 Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. In Klagenfurt begeisterte sie die Jury mit einem Text, der als „Verstörungskomödie“ durchging. Gomringer erzählt aus vielen Perspektiven, wie ihre Autorenkollegin Nora Bossong in einem Hochhaus recherchiert: Ein 13-Jähriger hat sich zu Tode gestürzt, nun will „Nora Bossong“ eine Reportage darüber schreiben. Ähnlich plakativ brachte sie im Pressegespräch ihre frühe, studentische Begeisterung für den Bachmannpreis zum Ausdruck: Sie habe den Wettbewerb als „Germanistenporno“ sehr genossen.