New York, New York
09.04.2008 | 19:36 Uhr 2008-04-09T19:36:00+0200
Die Lieder der 20er und frühen 30er Jahre sind sein Metier. Mit seinem in der New Yorker Carnegie Hall aufgenommenen Livealbum „Heute Nacht oder nie” (erscheint 11.4.) kommt der 45-jährige Leiter des Palast-Orchesters jetzt auf Tournee.
Herr Raabe, Sie sind vor drei Jahren auf der Hochzeit von Schockrocker Marilyn Manson und Dita von Teese aufgetreten – inzwischen sind die beiden getrennt...
Raabe: Ja, ich kann jedem nur abraten, mich für Hochzeiten zu engagieren. Weil das nicht gut geht. Zwei Mal haben wir das gemacht, und in beiden Fällen ist das Paar nicht mehr zusammen. Wenn man also kalkuliert eine Ehe in die Katastrophe führen will, sind wir die Richtigen. Die Manson-Feier auf dem Schloss von Helnwein in Irland war aber trotzdem sehr spektakulär.
Sie gehen mit dem Programm auf Tournee, das Sie auch in der Carnegie Hall aufgeführt haben. Ist es ein großer Unterschied, ob man sich auf der Bühne mit „Mein Name ist Max Raabe” oder „My name is Max Raabe” vorstellt?
11./12.4. Dortmund (Konzerthaus, Restkarten unter: 0231 / 22696200)
13.11. Wuppertal (Stadthalle)
14.11. Hagen (Stadthalle)
17.11. Essen (Philharmonie, Karten: 0201 / 81228801)
18.11. Münster (Halle Münsterland)
19.11. Düsseldorf (Tonhalle, Karten: 0211 / 8996123)
20.11. Bielefeld (Stadthalle, Karten: 01805 / 805720)
21.11. Köln (Kölnarena).
Falls nicht anders angegeben: Karten (ca. 25-57 €) gibt es in unseren TICKET-SHOPs.
Raabe: Das ist es in der Tat. Mein Englisch, das ich in der Schule gelernt habe, hat mit dem Englisch der Amerikaner natürlich nicht viel zu tun. Irgendwann findet man dann aber einen Ton, bei dem man sich wohl fühlt.
Wie war der Auftritt in der ehrwürdigen Carnegie Hall in New York? Hatten sie Angst? Ehrfurcht?
Raabe: Alles. Ich hatte mir vorher eingeredet, dass das auch nur ein Konzerthaus ist wie jedes andere auf der Welt – eine etwas bemühte These. Denn an diesem Abend war ich nervös wie ein Rennpferd. Bei den ersten Takten habe ich mich zum Glück konzentrieren können und langsam wieder eingekriegt. Sonst wäre ich womöglich durchgedreht.
Die Carnegie Hall war also eine andere Liga. Obwohl Sie immerhin seit 20 Jahren mit dem Palast-Orchester touren...
Raabe: Ja, aber da saßen nun mal New Yorker. Denen muss man nicht erklären, was Entertainment ist. Da muss man zeigen, was man kann. Nicht ohne Grund hat Sinatra über New York gesungen „If I can make it there, I'll make it anywhere”.
Was konnten Sie den New Yorkern denn Neues bieten?
Raabe: Ich habe denen etwas mitgebracht, was sie so noch nicht kannten. Wir waren bestimmt die ersten, die mit dem Liedgut der Weimarer Zeit in der Carnegie Hall aufgetreten sind. Die Amerikaner verblüfft es auch sehr, dass da Deutsche auf der Bühne stehen, die Humor haben und selbstironisch sind.
Haben die New Yorker etwas gelernt über ein Deutschland fernab von Nazi-Klischees?
Raabe: Ich unterstelle den Leuten, dass sie wussten, aus welcher Ära unsere Lieder stammen. Nämlich aus dem toleranten, weltoffenen, experimentierfreudigen Berlin der Weimarer Republik, dem krassen Gegenentwurf zum späteren Nazideutschland. Mir war klar, dass wir da keine Geschichtsstunde veranstalten müssen.
Sehen Sie Parallelen zwischen dem toleranten Berlin der 20er Jahre und dem Berlin von heute, das sich ja selbst als „sexy Metropole” sieht?
Raabe: Vielleicht sehen die Berliner Imageberater diese Parallelen. Aber die Leute, die hier leben, sehen das nicht. Sie werden keinen Berliner an der Supermarktkasse finden, der behauptet, Berlin sei sexy. Natürlich tut das Wowereit – und das ist auch gut so.
Was würden Sie antworten, wenn Wowereit fragen würde: „Herr Raabe, schreiben Sie einen Imagesong für meine Stadt?”
Raabe: Ich würde das nicht machen. Aber ich sage gerne in jedes Mikrofon, was für eine spannende Stadt Berlin geworden ist. In den 80ern, als ich herkam, war es auch interessant. Aber jetzt sieht man, dass aus der Stadt noch mal was ganz Tolles werden könnte.
Würden Sie woanders leben wollen?
Raabe: Wenn, dann auf dem Land. Aber später erst. Ich liebe die Ruhe. Kurz hinter Berlin fängt direkt das Garnichts an, teilweise gibt es da noch herrliche Alleen und unberührte Natur mit idyllischen Seen. In Brandenburg kann ich mich im Sommer sehr gut erholen.
Sind Sie sich eigentlich bewusst, dass Sie mit Ihrer Musik etwas Einzigartiges erschaffen haben?
Raabe: Ich kriege das manchmal mit, wenn Leute das sagen. Joseph Vilsmaier zum Beispiel drehte den „Comedian Harmonists”-Film, weil ich mit meinem Orchester so erfolgreich wurde. Darüber kann man sich zwei Nachmittage freuen, aber dann geht es auch wieder an die Arbeit.
Zwischendrin haben Sie auch moderne Stücke, etwa von Britney Spears, interpretiert. Machen Sie das weiterhin?
Raabe: Die Sache selbst ist für uns Schnee von gestern. In Thailand und in Russland allerdings sind unsere Popsongs sehr populär, speziell „Oops, I Did It Again” war ein Hit in Russland. Wenn wir dort sind, spielen wir das natürlich auch.
Wollen Sie irgendwann mal andere Musik machen?
Raabe: Nein, ich habe keinen Ehrgeiz, mich anders zu definieren. Das, was ich spiele, spiele ich wahnsinnig gerne. Ich habe von Anfang an genau die Musik gemacht, die ich machen wollte. Besser kann man es nicht erwischen.
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