Neustart fürs Clemens-Sels-Museum in Neuss

Rundumerneuert: das Clemens Sels Museum in Neuss
Rundumerneuert: das Clemens Sels Museum in Neuss
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das für zwei Millionen Euro sanierte Haus eröffnete am Wochenende nach anderthalb Jahren Schließung wieder seine Pforten. Besucher strömten.

Neuss.. Frohe Kunde aus Novaesium: Nach anderthalb Jahren Schließung und knapp zwei Millionen Euro Sanierungskosten feiert das Clemens-Sels-Museum in Neuss einen Neustart. Das 1975 nach den Entwürfen des Architekten Harald Deilmann erbaute Kunst-Haus, dessen Geschichte schon mit dem 1845 eingerichteten „Städtischen Museum für Alterthümer der Umgegend“ begann, wirbt nun ganz zeitgemäß mit neuer Konzeption und gleich drei Ausstellungen um Besucher. Und die strömten am Eröffnungswochenende in Scharen herbei.

Kühl bis cool, aber doch freundlich hell und farbenfroh werden jetzt die Kunstfreunde im Erdgeschoss empfangen. Da ziehen jenseits der neuen Cafeteria und des Museums-Shops zunächst großformatige abstrakte Gemälde die Blicke auf sich: Das sind Arbeiten unter anderem von Claudia Desgranges und Friedhelm Falke, die gleichzeitig als Kuratoren gewirkt haben und der Frage nachspüren, was im Zeitalter der digitalen Bilderflut ungegenständliche Malerei noch leisten und bedeuten kann. Der zweite Teil der Ausstellung wird im 2. Obergeschoss mit einigen Überraschungen fortgesetzt.

Klimavitrinen für Aquarelle

Im 1. Obergeschoss präsentiert sich das Herzstück der deutschlandweit einzigartigen Neusser Sammlung mit ihren Schwerpunkten auf Symbolismus, Präraffaeliten und Rheinischem Expressionismus: Erstmals sind hier alle vier hauseigenen Werke von Gustave Moreau (1826-1898) zu sehen, der als Vater des Symbolismus, Lehrer der späteren „Fauves“ und Vorbild der Surrealisten gilt. Darunter befinden sich „Der Abend“ und „Die Sphinx“, zwei ebenso kostbare wie fragile Aquarelle, für die eigens Klimavitrinen angefertigt werden mussten, damit sie wenigstens auf Zeit den Blicken und dem Licht standhalten. Sie werden flankiert von dem geradezu farbstrahlenden Gemälde „Maitre X“ von Moreaus Meisterschüler George Rouault (1871-1958), einer spektakulären Neuerwerbung des Hauses. Mehr Moreau-Niveau besitzt kein anderes der 6000 Museen in Deutschland.

Großartige Gemälde und Stoff-Arbeiten etwa von Moreaus Lehrer Johan Thorn Prikker (1868-1932), drei Hinterglasbilder Heinrich Campendonks und James Ensor runden die Haus-Gala ab; nicht zu vergessen das Aquarell „Kandern IV,“, die vermutlich letzte Arbeit des 1914 im Ersten Weltkrieg gefallenen August Macke, und die stattliche, fast 8000 Gemälde und Skulpturen umfassende Sammlung an „Naiver Kunst“, die ebenfalls weit und breit ein Neusser Alleinstellungsmerkmal darstellt.

Dass Neuss mit seiner über 2000-jährigen Geschichte neben Trier eine der ältesten Städte Deutschlands ist, bezeugt nach wie vor das Untergeschoss, wo sich, erläutert durch große Wand-Schrifttafeln und großformatige Fotos, vielfältige Fundstücke aus der Zeit finden, als Neuss noch ein römisches Heerlager war und Novaesium hieß. Dass Neuss (für Einheimische „Nüss“) dennoch ganz und gar im Heute angekommen ist, unterstreicht der „Traum-Raum“, den die Berlinerin Barbara Breitenfellner neben dem Reich der Symbolisten eingerichtet hat. Sie hat im Rahmen der von der Kunststiftung NRW initiierten großen Ausstellungs-Reihe „25/25/25“ unter anderem mit einem überdimensionalen, verfremdeten alten Klassenfoto und elf Farbquadraten des Bottroper Malers und Kunsttheoretikers Josef Albers (aus dem Clemens-Sels-Depot) eine Raum-Installation geschaffen, die poetisch, sinnfällig und durchaus augenzwinkernd eine Brücke zwischen Kunst und Kunst, Kunst und Leben, Vergangenheit und Gegenwart schlägt.