Das aktuelle Wetter NRW 6°C
CD-Tipp

Neues Paulsrekorder-Album klingt nach Neue Deutsche Welle

19.07.2012 | 14:19 Uhr
Neues Paulsrekorder-Album klingt nach Neue Deutsche Welle
Die Jungs von Paulsrekorder bei der Arbeit: Heute erscheint ihr zweites Album. Foto: Hermann

Die Bremer Band Paulsrekorder und ihr zweites Album ist nichts für Freunde der Avantgarde: Die Jungs pflegen einen erbarmungslos populären Sound, der sich durchaus ein bisschen an der Neuen deutschen Welle orientiert.

Wer es wirklich rau und ruppig, tiefgründig, sensibel oder gar avantgardistisch mag, sollte von diesem Album tunlichst die Finger lassen. Und trotzdem ist diese Scheibe hörenswert.

Schlicht nach dem Bandnamen Paulsrekorder (ferryhouse productions/Vertrieb: Warner Music) haben die ursprünglich aus Bremen stammenden Jungs ihre heute erscheinende zweite CD genannt. Zwölf Pop-Songs sind drauf, die gnadenlos radiotauglich daherkommen. Und das, obwohl die Kapelle eigentlich vorgibt, aus der Indierock-/New Wave-Ecke zu kommen.

Kitschpop höchsten Grades

Anfangs hat man fast den Eindruck, die totgesagte Neue Deutsche Welle würde wieder übermütig aus den Lautsprechern schwappen. Zumindest klingen die verwendeten Schrottsynthesizer von „Wo bist Du?“ schwer nach den 80er-Jahren in deutschen Hitparaden – mit Schulterpolster, Fönwelle und allem Drum und Dran. Nur die lustigen Ziegenlautmalereien hat’s damals noch nicht gegeben. Das sich anschließende „Du stehst mir nicht Berlin“ ist sozusagen eine Antihymne auf die Hauptstadt, mit leicht kryptischen Texten – aber der sofortigen Verführung zum Mitsummen.

Das ist bezeichnend für die Musik von „Paulsrekorder“. Die Deutschtöner haben ein Gespür für eingängige Melodien oder kleine Lied-Passagen, die hängenbleiben. Auch wenn’s letztlich in Kitschpop höchsten Grades mündet wie bei „Rauf bis zum Mond“ oder später bei „Emma“. Man darf sicher sein, dass man die ein oder andere Nummer in den Charts wiederfinden wird. Auch das ist eine Kunst.

Michael Minholz



Kommentare
Aus dem Ressort
„Viele Sänger richten sich zugrunde“, sagt Jürgen Kesting
Gesang
Der „Stimmpapst“ Jürgen Kesting gilt als herausragender Kenner des Operngesangs. Ein Gespräch über Mikrophon-Manipulation, früh verheizte Stimmen und das Phänomen Paul Potts. Und warum Jonas Kaufmann vor Kestings Ohren noch am ehesten Gnade findet.
Künstlerin kritisiert die Entfernung von Nackt-Gemälden
Kultur
Marie-Luise O’Byrne Brandls Rede zur "Abhängaktion" der Mancini-Gemälde im Technischen Rathaus in Sterkrade findet Anerkennung im Kulturausschuss: "Nacktheit gehört zur Kunst wie die Luft zum Atmen. Oberhausen tut sich keinen Gefallen, wenn wir hier gemalte, bloße Brüste nicht zeigen wollen."
Walker-Evans-Schau ist nach Bottrop in Atlanta zu sehen
Ausstellung
Für die mit 180 Arbeiten groß angelegte erste europäische Retrospektive des späten Schaffens des amerikanischen Fotografen Walker Evans erhält das „Quadrat“ 86 000 Euro. Das Bottroper Haus ist im kommenden September zugleich die einzige Station der Ausstellung in Europa.
Kurt-Cobain-Doku kommt 2015 mit unveröffentlichten Songs
Film-Biografie
Seit gut 20 Jahren ist Grunge-Legende Kurt Cobain tot - im kommenden Jahr könnten die Fans des Nirvana-Masterminds aber nochmal spektuläres neues Material zu sehen und hören bekommen. 2015 soll die erste offiziell autorisierte Film-Biografie erscheinen. Filmemacher Brett Morgen verspricht Großes.
Siegener Sänger Jan Vering singt Claudius-Gedichte
Musik
Der Sänger Jan Vering und der Komponist Siegfried Fietz haben 20 bekannte und unbekannte Gedichte des großen Lyrikers Matthias Claudius neu vertont.
Umfrage
Die Große Koalition hat sich auf die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote geeinigt. Was halten Sie von der Maßnahme?

Die Große Koalition hat sich auf die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote geeinigt. Was halten Sie von der Maßnahme?

 
Fotos und Videos