Neuer Aktionär - Suhrkamp-Verlag wird eine AG

Der Suhrkamp Verlag wird umgebaut.
Der Suhrkamp Verlag wird umgebaut.
Foto: Maurizio Gambarini
Was wir bereits wissen
Das Bundesverfassungsgericht hatte im Dezember entschieden, dass der Suhrkamp-Verlag zur Aktiengesellschaft umgebaut werden darf. Jetzt steht der Umwandlung des Unternehmens nichts mehr im Weg. Die Unternehmerfamilie Ströher steigt als Aktionär ein. Ulla Unseld-Berkéwicz wechselt in Aufsichtsrat.

Berlin.. Der jahrelange Machtkampf um Suhrkamp ist beendet. Wie das traditionsreiche Haus am Mittwoch mitteilte, wurde der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Damit verliert der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach weitgehende Mitspracherechte.

Zugleich kündigte Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz an, sich in den kommenden Monaten aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und in den Aufsichtsrat zu wechseln. Als neuer Aktionär steigt die Darmstädter Unternehmerfamilie Ströher mit ein.

Die Höhe der Beteiligung wurde nicht genannt. Die Ströhers und die Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz halten aber gemeinsam eine Mehrheit. "In diesem Bündnis verfügt die Familienstiftung über die Stimmrechtsmehrheit und kann so auch fortan die Geschicke des Verlags lenken", hieß es in der Mitteilung.

Wella-Erbin Ströher im Aufsichtsrat

Alleiniger Vorstand wird der bisherige Mitgeschäftsführer Jonathan Landgrebe (37). Ihm wird ein neues Geschäftsleitungsgremium mit Cheflektor Raimund Fellinger, Unternehmenssprecherin Tanja Postpischil und dem Kaufmännischen Leiter Gerhard Schneider zur Seite gestellt.

Suhrkamp-Verlag Die Wella-Erbin Sylvia Ströher soll zusammen mit Unseld-Berkéwicz und einer dritten Person den Aufsichtsrat bilden. In der gemeinsamen Mitteilung schrieb sie: "Wir freuen uns sehr, nach den Jahren des Bangens mit dem Verlag, nun dazu beizutragen, diesen Verlag als unabhängige Instanz der Literatur und der Geisteswissenschaften zu erhalten." Die Beteiligung sei mit keiner Dividendenerwartung verbunden.

Mitwirkungsrechte von Barlach entfallen

Bisher hielt Unseld-Berkéwicz, die Witwe von Firmenpatriarch Siegfried Unseld, 61 Prozent am Unternehmen, Barlach hatte 39 Prozent. Beider Anteile sinken jetzt entsprechend der Höhe der Ströher-Beteiligung.

Zudem hatte Barlach in der bisherigen Kommanditgesellschaft vertraglich zugesicherte Mitwirkungsrechte, die nun entfallen. Der Hamburger Medienunternehmer war 2006/2007 gegen den Willen der Verlegerin bei Suhrkamp eingestiegen. Beide hatten sich seither gegenseitig mit einer unüberschaubaren Zahl an Prozessen überzogen. (dpa)