Neue Rockhymnen aus der Nachspielzeit

Dortmund..  Wie soll man es nennen, wenn eine Band längst ihren Abschied a) verkündet b) ausgiebig live zelebriert und c) dann doch wieder zurückgenommen hat? Diese Form rockmusikalischen Wiedergängertums ist ja längst gang und gäbe, doch bei den Scorpions gingen diese Zustände nahtlos ineinander über, die fünf Jahre vom letzten Studioalbum bis zum am Freitag erscheinenden „Return To Forever“ überbrückten sie mit einer Unplugged-CD.

Zwölf neue Songs kommen nun heraus. Aber: Neu fühlen sie sich nicht an. Energiegeladen schon, einwandfrei gespielt, makellos produziert. Aber eben so, dass man meint, sie längst im umfangreichen Werk dieser Band gehört zu haben, die gerade dabei ist, ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum zu begehen. Es mag daran liegen, dass sich die Scorpions während ihrer Rockkarriere nie zu weit über Hardrock-Genregrenzen hinausgewagt haben. Es mag auch sein, dass viele der Songs einfache Fragen simpel beantworten („You wanna know who I am? I’m in a Rock’n’Roll-Band“). Wer von den Scorpions Altbewährtes erwartet, wird mit Powerhymnen wie „We ­Built This House“ oder mit Schmuserock wie „House Of Cards“ voll bedient. Zwar schreibt heute kaum noch jemand so diese Songs, aber immerhin erkennt man 50 Jahre Kontinuität. Wer hat noch behauptet, Rock sei nichts Beständiges?