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Interview

„Neu-Erscheinung“ - Gantenbergs Roman-Debüt

22.01.2009 | 11:48 Uhr
„Neu-Erscheinung“ - Gantenbergs Roman-Debüt

Soest. Nach Drehbüchern für das Fernsehen und Kino legt Michael Gantenberg mit „Neu-Erscheinung“ nun sein Roman-Debüt vor. Im Interview mit Der Westen spricht der gebürtige Bochumer und Wahl-Soester über sein Buch und den Respekt, den Buch-Verlage den Autoren entgegenbringen.

Nach Drehbüchern für das Fernsehen („Ritas Welt“, „Alles Atze“) und Kino („U 900“) legt Autor Michael Gantenberg (47) mit „Neu-Erscheinung“ nun sein Roman-Debüt vor und beweist damit seine Vielseitigkeit. Im Interview mit Der Westen spricht der gebürtige Bochumer und Wahl-Soester über das Buch, das morgen im Fischer-Verlag erscheint, und den Respekt, den Buch-Verlage den Autoren entgegenbringen.

Der Westen: Neu-Erscheinung erzählt die verrückte Geschichte des Lokalredakteurs Paul Elmar Litten, der sich einen Fortsetzungsroman über die Zwillingsschwester von Jesus einfallen lässt, um den Auflagenschwund des Westfälischen Heimatboten zu stoppen. Wie kommt man auf so eine durchgeknallte Idee?

Michael Gantenberg mit seiner "Neu-Erscheinung". Foto: Marcus Bottin

Michael Gantenberg: Weiß ich auch nicht so genau. Anfang vergangenen Jahres war die Idee plötzlich da, also noch weit vor der Zeitungskrise, die seit dem Herbst die Runde macht.

Der Westen: Und mit so einer Idee rennt man dann bei den Verlagen offene Türen ein?

Gantenberg: Es war sicherlich kein Nachteil, dass ich als Drehbuchautor einen gewissen Namen habe. Es gibt derzeit bei Drehbuchautoren einen klaren Trend, Bücher zu schreiben.

Der Westen: Woran liegt das?

Gantenberg: Die Finanzkrise ist auch bei Film und Fernsehen angekommen. Vor dem Hintergrund knapper Budgets wird es zunehmend schwieriger, die Verantwortlichen von einer Idee zu überzeugen. Buch-Verlage hingegen haben zum Teil unfassbare Zuwachsraten und sind deshalb intensiv auf der Suche nach neuen Autoren.

Der Westen: Das klingt nach großem Respekt, den Verlage den Autoren entgegen bringen.

Gantenberg: Absolut richtig. Ich habe noch nie so viel Wertschätzung für meine Arbeit erlebt wie jetzt beim Fischer-Verlag. Fürs Fernsehen und Kino sind der Regisseur wichtig, die Schauspieler oder der Kameramann. Drehbuchautoren sind ganz am Ende der Kette. Das ist bei Verlagen ganz anders. Dort sind die Autoren das wichtigste. Entsprechend respektvoll werden sie behandelt.

Der Westen: Das bedeutet gleichzeitig aber auch eine weitaus größere Verantwortung für den Schriftsteller?

Gantenberg: Keine Frage. Wenn Neu-Erscheinung flopt, dann ist das mein Flop. Das hat alles mit mir selbst zu tun. Ich muss gestehen, dass der Erwartungsdruck dadurch ungleich höher ist als bei einer TV-Serie. Wenn sich das Buch nicht verkauft, würde ich darunter total leiden. Und das nicht etwa aus materiellen Erwägungen.

Der Westen: Wie unterscheidet sich das Schreiben für ein Buch von einem Drehbuch für eine TV-Serie?

Gantenberg: Es erfordert eine ungleich höhere Disziplin. Für Neu-Erscheinung hatte ich vergleichsweise wenig Zeit; eigentlich zu wenig Zeit. Ich habe die Romanidee im Frühjahr bei Fischer vorgestellt und hatte dann ein gutes halbes Jahr Zeit, das Buch zu schreiben. Ich habe mir also jeden Tag eine ganz bestimmte Seitenzahl vorgenommen. Parallel dazu habe ich noch für andere Projekte geschrieben. Da muss man zwangsläufig sehr diszipliniert sein, um sein Pensum zu schaffen.

Der Westen: Neu-Erscheinung spielt in der fiktiven Stadt Muenden. Wer sich auskennt und aufmerksam liest, wird Parallelen zu deiner Heimatstadt Soest finden. Zufall oder Absicht?

Gantenberg (lacht): Wenn überhaupt, dann Zufall… Muenden ist ganz klar nicht Soest, und die Hauptfigur, Paul Elmar Litten, hat auch keine Ähnlichkeit mit mir bekannten Lokalredakteuren. Aber natürlich fließen Begegnungen, Erfahrungen und Beobachtungen aus meinem realen Leben mit in eine solche Geschichte ein. Muenden ist schließlich überall. Ich bin mir sicher, dass man nicht über etwas schreiben kann, was man gar nicht kennt.

Der Westen: Neu-Erscheinung ist temporeich, witzig, mit zum Teil genialen Wortspielen. Eigentlich eine ideale Vorlage für ein Drehbuch?

Gantenberg: Danke für das Kompliment und die richtige Einschätzung. Die Filmrechte sind in der Tat bereits verkauft.

Der Westen: Das gleichnamige Hörbuch ist von Comedy-Profi Bastian Pastewka eingelesen worden. Mit ihm gehst Du im Februar auf Lesereise.

Gantenberg: Ja. Und ich freue mich wahnsinnig darauf. Pastewka ist einfach genial. Er hat das Buch in Rekordzeit eingelesen. Vom ersten Moment an wusste ich, dass er genau der richtige für das Hörbuch ist. Er hat ein wahnsinniges Gespür dafür, das Geschriebene hörbar zu machen. Rein zufällig beginnt unsere Lesereise am 1. Februar in Soest.

Der Westen: Wie geht es weiter? Wirst Du künftig nur noch Romane schreiben?

Gantenberg: Der Gedanke hat etwas. Wenn meine Familie und ich allein davon leben könnten, wäre das natürlich ideal. Vorläufig aber werde ich in jedem Fall weiter für TV und auch Kino schreiben. Für die ZDF-Krimiserie „Unter Verdacht“ mit Senta Berger etwa habe ich die Folge „1000 Augen“ geschrieben. Die ist bereits abgedreht und wird noch in diesem Jahr ausgestrahlt. Aber ich werde auch einen neuen Roman schreiben. Daran arbeite ich bereits. Allerdings habe ich dafür ein bisschen mehr Zeit. Ich denke, dass er in 2010 erscheinen wird.

Weitere Informationen gibt es unter www.bastianpastewka.de und www.fischerverlage.de

Hans-Albert Limbrock

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