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Nauman attackiert den Waldfrieden

21.01.2015 | 00:10 Uhr

Als Tony Cragg in den 60er Jahren zum erstenmal mit der Kunst des Bruce Nauman konfrontiert war, war er rundum fasziniert: Der englische Star-Bildhauer und ehemalige Rektor der Kunstakademie Düsseldorf fand Naumans Werke gerade deshalb so „aufregend, weil das nicht nach Kunst aussah“. Jetzt hat der heute 65 Jahre alte Cragg dem heute 73-jährigen „wirklich großen Künstler“ Nauman im von Cragg-Werken verzauberten und von Cragg betriebenen Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden eine beeindruckende Bühne bereitet.

Bruce Nauman ist ein Sonderfall der neueren Kunstgeschichte. Der Mann, der zuerst Mathematik und Physik studierte, bevor er an der Universität von Kalifornien seinen Kunst-Master machte, hat in den rebellischen 60ern seine Kunst ebenso von den Füßen auf den Kopf gestellt wie John Cage die Musik oder Pina Bausch den Tanz. Er hat die Bildhauerei um konzeptuelle Installationen, Fotografie und Videoarbeiten erweitert, um Rhythmen, Lärm und Sprechgesänge und, vor allem, um Performances mit seinem eigenen Körper.

Der Sinn- und Sinnen-Verstörer Nauman ist auch im idyllischen Kunstpark über Wuppertal zu entdecken: Ja, da sind zwar gleich zweimal die tanzenden filigranen Händepaare (von 1996) zu sehen, die aus mattierter weißer Bronze bestehen und der gängigen Vorstellung von Bildhauerei am nächsten kommen. Aber da schwebt eben auch eine unbetitelte grobe Karton-Skulptur aus Armen, Beinen und Torso von der Decke der großen Ausstellungshalle über der anthroposophisch-schönen Villa Herberts, an deren Außenhaut es schon heftiger naumanisch zugeht:

Da sehen, hören wir minutenlang dem enervierenden Spiel eines Geigers zu, der hektisch über sein verstimmtes Instrument kratzt. Was hier passiert, ist, dass – fast – nichts passiert, was uns an Kunst erinnert. In der Ausstellungshalle schminkt sich ein Mann in Endlosschleife: Weiß, Rosa, Grün, Schwarz. Der rituelle Ernst, mit dem die Hände, ohnehin Leitthema der Wuppertaler Nauman-Show, quälend langsam das Verbergen und Zurschaustellen vollziehen, lässt den ausreichend geduldigen Betrachter irgendwann in einen meditativen Zustand gleiten, falls es ihn nicht vorher wahnsinnig macht.

Radikaler noch ist das zu erleben in der Video-Performance „Lip Sync“ von 1969: Hierfür hat Nauman eine portable Videokamera auf den Kopf gestellt und sie nah auf die sprechende Mitte seines Gesichts gerichtet. Nun formt – ist das schon oder noch Bildhauerei? – die Oberlippe, was die Unterlippe zu formen hätte, und die Zunge irritiert unsere Wahrnehmung obendrein. Dazu spielt Nauman eine Tonaufnahme ein, für die er eine Stunde lang monoton die Worte „Lip Sync“ wiederholt und nun zunehmend zeitversetzt abspielt: Lippengestus, Bild und Ton streben kalkuliert auseinander: Hier wird etwas verrückt, vieelicht der Künstler, viellicht der Betrachter. Hier hat die Bildhauerkunst gar nichts mehr mit dem Abbilden, Nachformen der Wirklichkeit zu schaffen. Das hier ist neu und frei und formt sich seinen Sinn und Unsinn selber. Hier ist der Bildhauer – Kunst. Und es sieht wirklich nicht so aus, Mr. Cragg.

Als Tony Cragg in den 60er Jahren zum erstenmal mit der Kunst des Bruce Nauman konfrontiert war, war er rundum fasziniert: Der englische Star-Bildhauer und ehemalige Rektor der Kunstakademie Düsseldorf fand Naumans Werke gerade deshalb so „aufregend, weil das nicht nach Kunst aussah“. Jetzt hat der heute 65 Jahre alte Cragg dem heute 73-jährigen „wirklich großen Künstler“ Nauman im von Cragg-Werken verzauberten und von Cragg betriebenen Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden eine beeindruckende Bühne bereitet.

Bruce Nauman ist ein Sonderfall der neueren Kunstgeschichte. Der Mann, der zuerst Mathematik und Physik studierte, bevor er an der Universität von Kalifornien seinen Kunst-Master machte, hat in den rebellischen 60ern seine Kunst ebenso von den Füßen auf den Kopf gestellt wie John Cage die Musik oder Pina Bausch den Tanz. Er hat die Bildhauerei um konzeptuelle Installationen, Fotografie und Videoarbeiten erweitert, um Rhythmen, Lärm und Sprechgesänge und, vor allem, um Performances mit seinem eigenen Körper.

Der Sinn- und Sinnen-Verstörer Nauman ist auch im idyllischen Kunstpark über Wuppertal zu entdecken: Ja, da sind zwar gleich zweimal die tanzenden filigranen Händepaare (von 1996) zu sehen, die aus mattierter weißer Bronze bestehen und der gängigen Vorstellung von Bildhauerei am nächsten kommen. Aber da schwebt eben auch eine unbetitelte grobe Karton-Skulptur aus Armen, Beinen und Torso von der Decke der großen Ausstellungshalle über der anthroposophisch-schönen Villa Herberts, an deren Außenhaut es schon heftiger naumanisch zugeht:

Da sehen, hören wir minutenlang dem enervierenden Spiel eines Geigers zu, der hektisch über sein verstimmtes Instrument kratzt. Was hier passiert, ist, dass – fast – nichts passiert, was uns an Kunst erinnert. In der Ausstellungshalle schminkt sich ein Mann in Endlosschleife: Weiß, Rosa, Grün, Schwarz. Der rituelle Ernst, mit dem die Hände, ohnehin Leitthema der Wuppertaler Nauman-Show, quälend langsam das Verbergen und Zurschaustellen vollziehen, lässt den ausreichend geduldigen Betrachter irgendwann in einen meditativen Zustand gleiten, falls es ihn nicht vorher wahnsinnig macht.

Radikaler noch ist das zu erleben in der Video-Performance „Lip Sync“ von 1969: Hierfür hat Nauman eine portable Videokamera auf den Kopf gestellt und sie nah auf die sprechende Mitte seines Gesichts gerichtet. Nun formt – ist das schon oder noch Bildhauerei? – die Oberlippe, was die Unterlippe zu formen hätte, und die Zunge irritiert unsere Wahrnehmung obendrein. Dazu spielt Nauman eine Tonaufnahme ein, für die er eine Stunde lang monoton die Worte „Lip Sync“ wiederholt und nun zunehmend zeitversetzt abspielt: Lippengestus, Bild und Ton streben kalkuliert auseinander: Hier wird etwas verrückt, vieelicht der Künstler, viellicht der Betrachter. Hier hat die Bildhauerkunst gar nichts mehr mit dem Abbilden, Nachformen der Wirklichkeit zu schaffen. Das hier ist neu und frei und formt sich seinen Sinn und Unsinn selber. Hier ist der Bildhauer – Kunst. Und es sieht wirklich nicht so aus, Mr. Cragg.

Als Tony Cragg in den 60er Jahren zum erstenmal mit der Kunst des Bruce Nauman konfrontiert war, war er rundum fasziniert: Der englische Star-Bildhauer und ehemalige Rektor der Kunstakademie Düsseldorf fand Naumans Werke gerade deshalb so „aufregend, weil das nicht nach Kunst aussah“. Jetzt hat der heute 65 Jahre alte Cragg dem heute 73-jährigen „wirklich großen Künstler“ Nauman im von Cragg-Werken verzauberten und von Cragg betriebenen Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden eine beeindruckende Bühne bereitet.

Bruce Nauman ist ein Sonderfall der neueren Kunstgeschichte. Der Mann, der zuerst Mathematik und Physik studierte, bevor er an der Universität von Kalifornien seinen Kunst-Master machte, hat in den rebellischen 60ern seine Kunst ebenso von den Füßen auf den Kopf gestellt wie John Cage die Musik oder Pina Bausch den Tanz. Er hat die Bildhauerei um konzeptuelle Installationen, Fotografie und Videoarbeiten erweitert, um Rhythmen, Lärm und Sprechgesänge und, vor allem, um Performances mit seinem eigenen Körper.

Der Sinn- und Sinnen-Verstörer Nauman ist auch im idyllischen Kunstpark über Wuppertal zu entdecken: Ja, da sind zwar gleich zweimal die tanzenden filigranen Händepaare (von 1996) zu sehen, die aus mattierter weißer Bronze bestehen und der gängigen Vorstellung von Bildhauerei am nächsten kommen. Aber da schwebt eben auch eine unbetitelte grobe Karton-Skulptur aus Armen, Beinen und Torso von der Decke der großen Ausstellungshalle über der anthroposophisch-schönen Villa Herberts, an deren Außenhaut es schon heftiger naumanisch zugeht:

Da sehen, hören wir minutenlang dem enervierenden Spiel eines Geigers zu, der hektisch über sein verstimmtes Instrument kratzt. Was hier passiert, ist, dass – fast – nichts passiert, was uns an Kunst erinnert. In der Ausstellungshalle schminkt sich ein Mann in Endlosschleife: Weiß, Rosa, Grün, Schwarz. Der rituelle Ernst, mit dem die Hände, ohnehin Leitthema der Wuppertaler Nauman-Show, quälend langsam das Verbergen und Zurschaustellen vollziehen, lässt den ausreichend geduldigen Betrachter irgendwann in einen meditativen Zustand gleiten, falls es ihn nicht vorher wahnsinnig macht.

Radikaler noch ist das zu erleben in der Video-Performance „Lip Sync“ von 1969: Hierfür hat Nauman eine portable Videokamera auf den Kopf gestellt und sie nah auf die sprechende Mitte seines Gesichts gerichtet. Nun formt – ist das schon oder noch Bildhauerei? – die Oberlippe, was die Unterlippe zu formen hätte, und die Zunge irritiert unsere Wahrnehmung obendrein. Dazu spielt Nauman eine Tonaufnahme ein, für die er eine Stunde lang monoton die Worte „Lip Sync“ wiederholt und nun zunehmend zeitversetzt abspielt: Lippengestus, Bild und Ton streben kalkuliert auseinander: Hier wird etwas verrückt, vieelicht der Künstler, viellicht der Betrachter. Hier hat die Bildhauerkunst gar nichts mehr mit dem Abbilden, Nachformen der Wirklichkeit zu schaffen. Das hier ist neu und frei und formt sich seinen Sinn und Unsinn selber. Hier ist der Bildhauer – Kunst. Und es sieht wirklich nicht so aus, Mr. Cragg.

Als Tony Cragg in den 60er Jahren zum erstenmal mit der Kunst des Bruce Nauman konfrontiert war, war er rundum fasziniert: Der englische Star-Bildhauer und ehemalige Rektor der Kunstakademie Düsseldorf fand Naumans Werke gerade deshalb so „aufregend, weil das nicht nach Kunst aussah“. Jetzt hat der heute 65 Jahre alte Großkünstler Cragg dem heute 73-jährigen „wirklich großen Künstler“ Nauman im von Cragg-Werken verzauberten und von Cragg betriebenen Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden mit Hilfe der Galerie Konrad Fischer eine beeindruckende Bühne bereitet.

Ein Sonderfall der Kunstgeschichte

Bruce Nauman ist ein Sonderfall der neueren Kunstgeschichte. Der Mann, der zuerst Mathematik und Physik studierte, bevor er an der Universität von Kalifornien seinen Kunst-Master machte, hat in den rebellischen 60ern seine Kunst ebenso von den Füßen auf den Kopf gestellt wie John Cage die Musik oder Pina Bausch den Tanz. Er hat die Bildhauerei um konzeptuelle Installationen, Fotografie und Videoarbeiten erweitert, um Rhythmen, Lärm und Sprechgesänge und, vor allem, um Performances mit seinem eigenen Körper.

Der Sinn- und Sinnen-Verstörer Nauman ist auch im idyllischen Kunstpark zu entdecken: Ja, da sind zwar gleich zweimal die tanzenden filigranen Händepaare (von 1996) zu sehen, die aus mattierter weißer Bronze bestehen und der gängigen Vorstellung von Bildhauerei am nächsten kommen. Aber da schwebt auch eine unbetitelte grobe Karton-Skulptur aus Armen, Beinen und Torso von der Decke der großen Ausstellungshalle über der anthroposophisch-schönen Villa Herberts, an deren Außenhaut es schon heftiger naumanisch zugeht:

Da sehen, hören wir minutenlang dem enervierenden Spiel eines Geigers zu, der hektisch über sein verstimmtes Instrument kratzt. Was hier passiert, ist, dass – fast – nichts passiert, was uns an Kunst erinnert. Im Ausstellungs-Pavillon schminkt sich ein Mann in Endlosschleife: Weiß, Rosa, Grün, Schwarz. Der rituelle Ernst, mit dem die Hände, ohnehin Leitthema der Wuppertaler Nauman-Show, quälend langsam das Verbergen und Zurschaustellen vollziehen, lässt den ausreichend geduldigen Betrachter irgendwann in einen meditativen Zustand gleiten, falls es ihn nicht vorher wahnsinnig macht.

Radikaler noch ist das zu erleben in der Video-Performance „Lip Sync“ von 1969: Für diese „Versuchsanordnung“ hat Nauman eine portable Videokamera auf den Kopf gestellt und sie nah auf die sprechende Mitte seines Gesichts gerichtet. Nun formt – ist das schon oder noch Bildhauerei? – die Oberlippe, was die Unterlippe zu formen hätte, und die Zunge irritiert unsere Wahrnehmung obendrein. Dazu spielt Nauman eine Tonaufnahme ein, für die er eine Stunde lang mo­noton die Worte „Lip Sync“ wiederholt und nun zunehmend zeitversetzt abspielt: Lippengestus, Bild und Ton streben kalkuliert ausein­ander: Hier wird etwas verrückt, viellicht der Künstler, vielleicht der Betrachter. Hier hat die Bildhauerkunst gar nichts mehr mit dem Abbilden, Nachformen der Wirklichkeit zu tun. Das hier ist neu und frei und formt sich seinen Sinn und Unsinn selber: Kunst.

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