Nackter Wahnsinn mit Methode – in Oberhausen

Torsten Bauer (l-r), Susanne Burkhard, Angela Falkenhan und Martin Müller-Reisinger bringen den "Nackten Wahnsinn" ins Theater Oberhausen.
Torsten Bauer (l-r), Susanne Burkhard, Angela Falkenhan und Martin Müller-Reisinger bringen den "Nackten Wahnsinn" ins Theater Oberhausen.
Foto: Birgit Hupfeld
Was wir bereits wissen
In Oberhausen inszeniert Sarantos Zervoulakos höchst gelungen Michael Frayns Erfolgskomödie "Der nackte Wahnsinn". Ein köstlicher Abend, eine Liebeserklärung an das Theater.

Oberhausen.. „In der Hölle ist der Teufel los“ (Hellzapoppin’) heißt eine legendäre US-Filmkömödie von 1941 über die chaotischen Dreharbeiten an einem Film über einen Film über ein Theaterstück. „Auf der Bühne ist der Teufel los“ könnte man entsprechend Anno 2015 das Geschehen im Großen Haus überschreiben.

Kultur Dort hat der junge Regisseur Sarantos Zervoulakos in der wunderbar altmodischen, an schwer gängigen Türen nicht geizenden Ausstattung von Thea Hoffmann-Axthelm Michael Frayns Komödie „Der nackte Wahnsinn“ über Werden und Untergang eines Theaterstücks namens „Nackte Tatsachen“ eingerichtet. Zumal im dritten Akt, wenn die letzte Aufführung der von Anfang an klapprigen Tournee-Inszenierung restlos aus dem Ruder läuft, wenn sich niemand mehr um Regie, Dramaturgie, Handlung schert, wenn Begriffe wie Disziplin oder Kollegialität aus dem Vokabular gestrichen sind – dann wird der Zuschauer endgültig von einer Chaoswelle aus Slapstick, Wortwitz, optischen Gags und hanebüchenem Blödsinn überrollt. Dann darf das Ensemble, das spürbar Spaß an diesem Wahnsinn hat, dem sprichwörtlichen Affen endlich jenen Zucker geben, der zuvor dosierter verabreicht wurde.

"Liebeserklärung an das Theater"

Eine muntere Bühnenmusik, die entfernt an Ron Goodwins berühmten Miss-Marple-Soundtrack erinnert, sorgt für die rechte Einstimmung auf ein Geschehen, das mit verworren nur unzulänglich bezeichnet ist. Ein überforderter Regisseur, textunsichere, unfähige oder grenzdebile Darsteller, in herzlicher Feindschaft verbunden, fehlende Requisiten und defekte Technik bei der Hauptprobe lassen nichts Gutes erahnen. Das kreative Chaos steigert sich im zweiten Akt, der das Geschehen von der Hinterbühne aus betrachtet. Während vorn die kaum noch der Urfassung entsprechende 25. Repertoireaufführung gegeben wird, vertreiben sich hinten die Darsteller ihre Wartezeit mit Handgreiflichkeiten, Eifersüchteleien, Sabotageakten. Das Knarren im Gebälk der Inszenierung wird immer lauter, bis schließlich: siehe oben.

Ein köstlicher Abend, eine Liebeserklärung an das Theater. Und eine Bestätigung: dass nur wirklich gute Darsteller solche herrliche Chargen abliefern können.