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Konzert-Kritik

Zu jung für Green Day im Sitzen

07.10.2009 | 09:06 Uhr
Zu jung für Green Day im Sitzen

Köln. Wo ist der beste Platz bei einem Rockkonzert? In der ersten Reihe, direkt vor der Bühne, eher in der Mitte oder weit oben auf den Rängen? DerWesten-Autor Gerrit Dorn (23) war beim Konzert der amerikanischen Punkrock-Band Green Day in Köln - und hatte den falschen Platz.

Green Day in Deutschland, das erste Mal seit fast dreieinhalb Jahren. Die amerikanischen Punkrocker (ich vermeide jede Genre-Diskussion und nenne sie jetzt einfach so) spielen in der Kölner Lanxess-Arena und die Stimmung kocht. Besonders knapp unter dem Dach der Halle, wo ich nach kurzer Suche meinen Sitzplatz finde. Meinen Sitzplatz, verdammt! Das Konzert war kaum angekündigt, als ich mich um mein Konzertticket kümmerte. Doch die Karten für den Stehplatzbereich, die Crowd, in der sich die Vorfreude schon über eine Stunde vor Konzertbeginn ins Unermessliche steigert, waren schon weg.

Zuschauer singt Green Day-Hit

Green Day-Bassist Mike Dirnt. (c) imago

Während die Band auf der Bühne einen Hit nach dem anderen raushaut, von Holiday und Basket Case bis zu 21st Century Breakdown und Know the Enemy, beobachte ich die Fans in meinem Umfeld. Der Mittdreißiger im Lacrosse-Pullover, für den es ein Höchstmaß an Emotion darstellt, seine Arme nicht mehr vor der Brust zu verschränken, sondern sie stattdessen kraftlos baumeln zu lassen. Die Dame mit dem Rotstich im föngewellten Haar, die ihre Hände nicht einmal aus den Hosentaschen nimmt, als Leadsänger Billie Joe Armstrong ruft: „Put your hands in the air!“ Wenn nicht der schwere Anhänger, den sie um den Hals trägt ein wenig wippen würde, käme man leicht auf den Gedanken, sie befände sich in einem Gottesdienst.

Ich will ja gar nicht derjenige sein, den Billie Joe auf die Bühne zieht, um einen weiteren Green Day-Hit zu singen. „Is here anybody who knows the lyrics of Paradise?“ ruft er ins Publikum, geschätzte 200 Hände recken sich ihm entgegen. Der Green Day-Star beweist Geschick mit seiner Auswahl – der auserwählte Junge hat nicht nur die Textzeilen parat, er kann sie auch noch singen.

Ordner haben kein Verständnis für Stehplatz-Wünsche

Die Menge tobt, springt, tanzt – und trägt den mutigen Nachwuchssänger auf den Händen durch die Halle. Oben auf der Tribüne haben sich viele wieder hingesetzt. Der Ärzte-Auftritt bei Rock am Ring 2007 geht mir durch den Kopf, als die Band zusammen mit 50.000 Fans vor der Bühne „Scheißtribüne“ in Richtung der Ehrenlogen skandierte. Ich bete, dass Billie Joe von solchen Maßnahmen absieht.

Der Ordner, den ich vorm Konzert fragte, ob ich trotz meines Sitzplatztickets in den Stehplatzbereich dürfte, konnte mich nicht verstehen: „Sie wollen dahin – obwohl sie ein Sitzplatzticket haben?“, fragte er mich, ungläubig auf die Menge zeigend, die da schon die Hintergrundmusik mitsang, die mit Green Day nicht das Geringste zu tun hatte. Keine Chance, die Stehplätze blieben unerreichbar.

Es fehlt: das Bad in der Menge

Keine Berührungsängste: Billie Joe Armstrong lässt sich durch die Menge tragen. (c) imago

Zweieinhalb Stunden spielt Green Day. Zweieinhalb Stunden, in denen Billie Joe einem Mädchen seine Gitarre überreicht und sie für ihn die Akkorde zu Jesus of Suburbia spielt, in denen sich die Band vor dem Publikum verneigt, als das den kompletten Text von Boulevard of Broken Dreams ohne Unterstützung der Band singt. Ich stehe vor meinem Sitz und versuche mir einzureden, hier oben könnte ich genauso abgehen wie unten in der Menge. Traue mir ein paar vorsichtige (Tanz-)Schritte zu, ein etwas gewagteres Schütteln des Haupthaares – die verständnislosen Blicke des Lacrosse-Pullover-Trägers kann ich ignorieren, auch die Tatsache, dass die Akustik oben unter dem Dach nicht die beste ist, auch. Was aber ganz klar fehlt: das Bad in der Menge. Nicht über jeden Schritt nachdenken, sondern sich dem Rhythmus hingeben, den die hin und her wogende Menschenmasse vorgibt. Klar, dazu gehören auch Knuffe, Stöße und blaue Flecken am Morgen danach. Doch wen stört das schon?

Sicherlich, von oben hat man den schöneren Ausblick. Als Billie Joe in der letzten Zugabe allein auf der Bühne steht und zu „Time of your Life“ ansetzt und in der Halle das Licht von Hundert Feuerzeugen scheint, haben sicherlich nur wenige mehr davon gesehen als die Menschen auf den Oberrängen. Vielleicht entscheide ich mich in zwanzig Jahren, vielleicht schon in zehn, für das Sitzplatzticket und schüttle den Kopf über die Meute, die unten einen Kreis bildet, um dann, bei Einsetzen der Musik, wie wild gegeneinander zu rennen. Doch heute hätte ich alles gegeben, um mittendrin in der Meute zu sein, bei den einzig wahren Fans!

Gerrit Dorn

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27.10.2009
15:57
Zu jung für Green Day im Sitzen
von Nicole S | #11

ich war beim konzert in dortmund !!
es war mein allererstes konzert von green day und auch überhaupt mein erstes xD
es war echt der oberhammer!! xD
ich hatte stehplatz!! es war soooooooo hammer!! ich stand so vorne bis in der mitte ;) :D nächstes mal versuch ich in die erste reihe zu kommen !!! :D

23.10.2009
10:29
Zu jung für Green Day im Sitzen
von Heyhey | #10

Zuerst, das Konzert war super. Das konnte auch mein Platz im 1. Oberrang nicht ändern.
Ich hatte mir das schon so lange gewünscht (Die karten für den Innenraum waren ja SOFORT weg..)und endlich ist es wahr geworden.
Sicher, ich wäre lieber ganz unten, am liebsten erste Reihe gewesen.
Und sicher, mit meinem Sitzplatz war ich erst einmal nicht wirklich glücklich. Vor allem als das Licht noch an war und ich die umSITZENDEN Leute sehen konnte. Die meisten waren mindestens 20 Jahre älter als ich.
In meiner unmittelbaren nähe fand ich glücklicherweise gleichaltrige, ich hatte mir ja auch selbst unterstützung mitgebracht ;D
Bei den ersten Tönen und Billie Joes Aufforderung Stand up, stand up, put your hands up in the air war ich weg. ich befand mich komplett vorne, wenn auch nicht körperlich. Irgendwie fiel das nur leicht auf, weil bei mir wenigstens alle standen-in meinem Sichtfeld. Trotzdem, ich erntete einige verwirrte Blicke. Naja, was solls. Ich hab absolut alles mitgemacht was vorne lief, mitgesungen, mitgeklatscht, mitgesprungen und mitgeweint bei den traurigeren Stücken.
Ich habe ihre erfahrung schonmal gemacht. Linkin Park. Oberrang. Nichts. Niente. Null. Es war peinlich und das konzert war später eher mittelmäßig - weil absolut keine stimmung aufkam.
und diesesmal, bei meiner Lieblingsband, bei dem Traum, der endlich wahrwerden sollte, wollte ich nicht, dass es so endet. Also waren mir die anderen egal und meine eigene Erfahrung viel wichtiger.Hat gewirkt. War das beste Konzert meines Lebens (ist auch nicht wirklich lang, aber sicher eines der prägensten).
Nächstes mal bin ich wieder da und -das hab ich mir geschworen- dann im Innenraum und - wer weiß- vielleicht sogar auf der Bühne.. !

08.10.2009
11:16
Zu jung für Green Day im Sitzen
von Homerman | #9

Verstehe dich gut :)
Oben zu sitzen ist natürlich bitter und zu sehen wie der Pogo abgeht, auch wenn viele Leute nicht auf sowas stehen. Meiner Meinung nach sollte man sich im Innenraum 6. Reihe nicht über Pogo aufregen. Allerdings war es gar nicht so schwer mit einem Sitzplatzticket in den Innenraum zu kommen :O
Schade das du nicht unten drin warst, war echt ein tolles Konzert.
Kritiker gibt es immer, ich finde es war ein super Konzert. :)

07.10.2009
19:47
Zu jung für Green Day im Sitzen
von Hitparadenoma | #8

Spaß haben an so einem super Konzert hat doch mit dem Alter nichts zu tun. Außerdem jedem das seine. Wer sich mehr nach innen freut - lasst ihn doch. Sorgt dann doch selbst für Stimmung! Viele Fans sind auch bei uns im Oberrang gut abgegangen. Moshen und Pogen ist natürlich nur eingeschränkt möglich... ;) Auf jeden Fall haben Green Day eine perfekte Show hingelegt. Als Live-Band (fast) unschlagbar.

07.10.2009
13:31
Zu jung für Green Day im Sitzen
von SW. | #7

Wir hatten Plätze im Oberrang und bei uns war auf jeden Fall eine super Stimmung. Vielleicht lag es ja nicht nur an den anderen?
Zu behaupten nur die Leute die Stehplätze hatten wären wahre Fans find ich echt ne Frechheit.
Kann mir nämlich nicht vorstellen, das Leute Geld für ein Konzert ausgeben, wenn ihnen die Musik nicht gefällt oder hat vielleicht nur der Innenraum bei den Songs mitgesungen?
Ich war auf jeden Fall sehr froh über meinen Platz, hatte nämlich die perfekte Übersicht und musste keine Sorge haben im Innernraum unter die Räder zu kommen.
Vielleicht bin ich aber mit 30 auch nur schon im richtigen Alter für Sitzplätze bei einem Green Day Konzert.

07.10.2009
11:19
Zu jung für Green Day im Sitzen
von Frank Schmidt | #6

Stimme GeierJohn zu! Den Beitrag hätte man sich schenken und durch eine qualifizierte Konzert-Berichterstattung ersetzen sollen. SCHADE

Das Konzert selber war erste Sahne. Habe zwar leider auch keine Innenraumtickets mehr bekommen, dafür aber hervorragende Sitzplätze im Unterrang auf Höhe der Bühne.

Unglaublich, was die Jungs da in gut 150 Minuten für ein Spektakel vollzogen haben. Das war genau die Green Day Power, die ich mir vor der Veranstaltung gewünscht habe.

Mal sehen, ob ich noch irgendwo Karten für Dortmund ergattern kann.

07.10.2009
09:24
Zu jung für Green Day im Sitzen
von Jens G. | #5

Ich hätte der Mittdreißiger sein können, der das Konzert mit seinen Kindern besucht hat. Leider bin ich Mitvierziger und hatte kein Krokodil- Pulover ( Lacrosse ?) an. Es war jedenfalls das Beste Konzert was ich seit Jahren gesehen habe!!!! Der Sound und die Stimme von Billie Joe war einfach perfekt, als wäre es von CD. Die Stimmung auf den Rängen war (fand ich) sehr gut. Die Abfahrt aus dem Parkhaus in Köln ist übrigens eine Katastrohe! Einen Wermutstropfen hatte das Konzert dann doch für mich, ich hatte einen Mitfahrer auf der Rückfahrt nach Frankfurt, der im Innenraum beim Kontert war. Dem hatte man auf sein T-Shirt gekotzt. Da wa ich richtig froh, dass ich den richtige Sitz- Platz hatte!

06.10.2009
22:45
Zu jung für Green Day im Sitzen
von meandmy | #4

Woran merkt man dass man alt wird?....

Man sitzt bei einem Green Day Konzert.
Mir ging es leider ähnlich und ich habe trotz Ticketalarm keine Karten mehr für den Innenraum bekommen. Da blutet das Herz insbesondere ohne Fernglas oder Videowand.

Zumindest von dem was man erkennen konnte ein für mich unvergessliches Erlebnis.

06.10.2009
22:33
Zu jung für Green Day im Sitzen
von Der Kritiker | #3

Naja, vielleicht mal vorher informieren.
Der Song den der Fan gesungen hat heißt nicht Paradise, sondern Longview.
Ansonsten gefällt der Text.

06.10.2009
20:46
Zu jung für Green Day im Sitzen
von bahlenelfe | #2

Eines der besten Konzerte, die ich je gesehen habe!!!
Klar wäre ich auch lieber im Innenraum - aber bei knapp 1 1/2 Metern Körperhöhe wäre das rausgeschmissenes Geld. Da gehe ich lieber auf nen Sitzplatz. Wer zum Konzert kommt, muss eben damit rechnen, dass Leute abrocken wollen - was interessiert mich da ein bekloppter Blick von wem-auch-immer!
Wir hatten Supergeileplätze im Unterrang - erste Reihe, also gerade mal knapp 2 Meter über den Köpfen vom Innenraum. Bei uns hat ab dem ersten Takt KEINER mehr gesessen.
Und wenn Sie schon die Ärzte da mitreinziehen: Wieviele Konzerte haben Sie denn von den Ärzten besucht? Bei allen 2008 und 2009er Konzerten gabs folgenden O-Ton seitens Farin Urlaub: Es gibt keine Schießtribühne, weil die eben auch (oder auch mehr) Geld bringt und ausserdem wären die sicher auch gerne alle unten

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