Whitney Houston starb schon seit 15 Jahren
12.02.2012 | 12:55 Uhr 2012-02-12T12:55:38+0100
Washington/Los Angeles. Whitney Houston ist leblos in einer Hotel-Badewanne aufgefunden wurden. Mit 48. Ihr Sterben dauerte 15 Jahre. Niemandem, der sehen wollte, konnte das teuflische Pop-Muster von Aufstieg, Fall, Läuterung, Genesung und erneutem Absturz verborgen bleiben. Zu brutal war ihr freier Fall.
Als sie vor zwei Jahren in der O2-Arena von Berlin weder Ton noch Takt traf und dem Wahnsinn so nahe schien, als sei die Bühne eine geschlossene Anstalt, kam die Frage auf, vor deren Antwort sich viele beim Nachhausegehen fürchteten: Wie lange kann ein mit Übermaß an Talent gesegneter Mensch die in ihm arbeitende Selbstzerstörungskraft bändigen, bis für immer das Licht ausgeht?
Whitney Elizabeth Houston ist am Samstagnachmittag in Beverly Hills nach ausgiebigem Party-Marathon leblos in einer Hotel-Badewanne aufgefunden wurden. Mit 48. Die Todesursache bedarf noch der chemisch-medizinischen Bestätigung. Aber weil Fremdverschulden bisher ausgeschlossen wird, Medikamentenmissbrauch und Tod durch Ertrinken dagegen nicht, kann man sie sich bei aller Vorsicht denken.
Whitney Houston starb schon seit über 15 Jahren
Vor aller Augen. Jeden Tag ein bisschen mehr. Da war Amy Winehouse selig noch ein Gör. Niemandem, der sehen wollte, konnte das teuflische Pop-Muster von Aufstieg, Fall, Läuterung, Genesung und erneutem Absturz verborgen bleiben. Zu brutal war ihr freier Fall. Harte, ungesunde Drogen. Noch härtere, ungesündere Menschen. Dazwischen Abgründe im Dutzend. Und das live im Fernsehen. „Ich bin selbst mein schlimmster Feind“, hatte Whitney Houston 2002 in einem legendären Interview gesagt und allen Heissa-ich-bin-wieder-da-Comeback-Versprechungen, die da noch kommen sollten, die Pointe genommen.
Der Aufprall jetzt war eingepreist
Die Erschütterung darüber fällt über Tarif aus. Von Arrangeur-Papst Quincey Jones bis Talkshow-Göttin Oprah Winfrey reichen die Beileidsbekundungen. Präsident Obama wird sich voraussichtlich auch noch äußern. Whitney Houston war in den musikalisch zur Unbedeutsamkeit verdammten 80er Jahren mit einer der wirkungsmächtigsten Stimmen diesseits des Großen und des Kleinen Wagens gesegnet. 170 Millionen verkaufte Platten stehen zu Buche. Houston erst hat Beyonce Knowles, Rihanna, Mariah Carey oder Alicia Keys möglich gemacht.
Betörend klar strahlende Stimme
Keiner Sängerin ihrer Zeit und danach ist es gelungen, ein einziges Lied weltweit gleichermaßen zur bevorzugten Hochzeitsmelodie wie zur Tränen rührenden Beerdigungshymne werden zu lassen. „I Will Always Love You“, das makellose unverfängliche Lied von Dolly Parton aus dem Film „Bodyguard“, bei dem Kevin Costner heute noch das Wasser in den Augen steht, ist ein musikgenetischer Fingerabdruck, wie man ihn selten vorfindet.
Eine betörend klar strahlende Stimme, die wie bei dem fast noch schöneren „I Have Nothing“ jeden Oktaven-Sprung übersteht, nimmt es mühelos auf mit bereits an Baptisten-Gospelgesang geschulten Balladen wie „Saving All My Love For You“ und „Greatest Love of All“. Gänsehaut-Faktor XXL. 400 Millionen Dollar hat allein der „Leibwächter“ eingespielt. Sieben Nr.1-Hits kamen im Schlepptau. Weltrekord. Ihre Version der amerikanischen National-Hymne ließ 1991 beim Super Bowl-Finale erwachsene Football-Spieler weinen. „One Moment in Time“ wurde drei Jahre zuvor zum offiziellen Lied der Olympischen Spiele.
Houston, wo, bitteschön, ist das Problem?
Ihrer Begabung, bis dahin von ihrem Entdecker Clive Davis zwar durch einen engen, kommerziellen Kanal geführt, stand die ganze Welt offen. Dann kam er. Die einst gertenschlanke Frau mit dem hinreißenden Lächeln und der ungezähmten Afrofrisur aus Newark verguckte sich in den völlig falschen Kerl. Bobby Brown. Bis heute ein Synonym für Missbrauch, häusliche Gewalt, Kokain, Crack-Junkie, Knast und Elend auf zwei Beinen.
Der ebenso schmierlappige wie untalentierte Rap-Musiker war für Whitney Houston das, was ein Prellbock im Bahnhof für einen heranrasenden Zug ist. Vorbote des nahenden Crashs. Nicht lange und dem Wunderwesen von einst, inzwischen Mutter einer wohlgeratenen Tochter geworden, entglitten nach den regelmäßigen gemeinschaftlichen Drogen-Exzessen die ebenen Gesichtszüge. Und dann Schritt für Schritt das ganze Leben.
Ein Rätsel bis heute, warum die Familie ihr keine wirkliche Hilfe sein konnte. Mutter Cissy, ein Gospel-Star, sang schon für Elvis und Mahalia Jackson. Cousine Dionne Warwick und Paten-Tante Aretha Franklin gehören selbst der amerikanischen Aristokratie der Soul- und Popsängerinnen an. Die mussten’s doch wissen. Ihr dünner Kommentar: Fassungslosigkeit.
Die Musikbranche ist längst weiter
Der Grammy-Verleihung am Sonntagabend in Los Angeles wurde ein musikalischer Trauergottesdienst angegliedert. Mit Jennifer Hudson am Mikrofon-Altar. Und im Sommer erscheint „Sparkle“, ein von Whitney Houston mitproduzierter Film über die Karriere der schwarze Frauen-Gesangstruppe „Supremes“. Deren Galionsfigur, Diana Ross, soll übrigens auch einen Grammy bekommen. Für ihr Lebenswerk.
Das Erste zeigt am Sonntag um 23.35 Uhr „Bodyguard" mit Whitney Houston und Kevin Costner.
17:32
Es mag vielen Lesern unverständlich sein, aus welchem Grund Herr Hautkapp die 80er Jahre für musikalisch unbedeutend hält, aber was qualifiziert die Kommentatoren, dass sie gleich den gesamten Nachruf so verreißen und derart persönlich werden?
01:33
Guter Kommentar - mit unübersehbaren Tiefen, aber auch Höhen! Wer nur auf die Fehler schaut und darüber geifert tut sich selbst keinen Gefallen.
Lieber Sternschnuppen sehen als die Nacht anbeten!
20:44
Ich stimme den Vorrednern zu. Ganz, ganz amateurhafter Kommentar: Zu Herbert K.: das geht nicht, denn dann gibts nix worüber er und viele seiner WAZ Kollegen noch schreiben sollten.
19:02
Dirk Hautkapp, bitte schreiben Sie nur noch über Dinge, von denen Sie wenigstens ansatzweise etwas verstehen.
Tun Sie uns alle den Gefallen ...
18:13
"Whitney Houston war in den musikalisch zur Unbedeutsamkeit verdammten 80er Jahren[...]"
In den was bitte? So wie der Name Hauptkapp zu einem gelockten Redakteur passt, waren die 80er musikalisch bedeutungslos. Warum haben Schreiberlinge es heute in den Nebensätzen eigentlich nicht mehr kleiner, warum muss immer gleich alles was drumherum zum Thema erwähnt wird hochgejubelt oder niedergeschrieben werden?
Eine große Sängerin ist tot! Das ist sicher ein Grund ihr zu gedenken. Aber es ist kein Grund die bis heute phantastische Musik der 1980er mit einem Schmähruf zu versehen. Sender wie VH1 oder auch RTL Radio spielen nicht zum Großteil 1980er Musik weil diese niemandem etwas bedeutet. Abgesehen davon schmälert das Talent und Erfolg Houstons unnötig, klingt es ja gerade so, als wäre in den 1980ern selbst Daniel Küblbock im vermeintlich musikalischen Vakuum ganz easy Megastar geworden.
17:22
Der Tod eines so talentierten und vor allem noch so jungen Menschen ist natürlich sehr traurig und tragisch, allerdings war sie an ihrem Niedergang ja tatkräftig beteiligt.
Nur warum lässt man den Nachruf auf eine so grandiose Künstlerin von jemanden verfassen der von Musik offensichtlich absolut keine Ahnung hat.Nur so ist zu erklären das jemand die 80er Jahre als "musikalisch bedeutungslos" bezeichnet, ein Jahrzehnt das wie kein anderes davor und danach Musik und Künstler hervorgebracht die bis heute unverändert als Superstars vereehrt werden (U2 , Madonna , Prince , Metallica , Michael Jackson uvm.)
das tut weh!
".....ein Jahrzehnt das wie kein anderes davor und danach Musik und Künstler hervorgebracht die bis heute unverändert als Superstars vereehrt werden..."
Elvis, Rolling Stones, Beatles usw. scheinen ihnen unbekannt zu sein.
Die 80ger sind das Jahrzehnt der Kopierer und Nachmacher, aber mit viel Kajal und lustigen Frisuren. :-)