Das aktuelle Wetter NRW 28°C
Benefiz-Konzert

Weltstars rocken für die Opfer von Hurrikan „Sandy“

13.12.2012 | 14:16 Uhr
Bruce Springsteen und Jon Bon Jovi - zwei Weltstars aus New Jersey: Mit Kollegen wie den Rolling Stones, Billy Joel und Alicia Keys sammelten die Musiker Spenden für die Opfer von Hurrikan „Sandy“.Foto: Getty

New York.  Weltstars wie Bruce Springsteen, Jon Bon Jovi, Paul McCartney und die Rolling Stones haben in New York für die Opfer des Wirbelsturms „Sandy“ gesungen. Rund zwei Milliarden Menschen konnten das Benefizkonzert weltweit mitverfolgen.

Als am frühen Donnerstagmorgen im New Yorker Madison Square Garden nach sechsstündigem Marathon das vorläufig größte Benefiz-Konzert der Popmusikgeschichte ausklang, wurden einer kleinen Frau in Toms River/New Jersey die Augen feucht. Pam Rose hat bei der Sturm- und Flutkatastrophe, die „Sandy“ vor sechs Wochen an der amerikanischen Ostküste anrichtete, alles verloren.

Aus einem nahe gelegenen Kino verfolgte die 43-Jährige bis zur letzten Minute mit anderen Leidensgenossen die Show, die von gut 250 Fernseh- und Radiostationen weltweit übertragen und schätzungsweise von bis zu zwei Milliarden Menschen verfolgt wurde. „Wow, ich bin sprachlos. Vielleicht können wir doch noch halbwegs anständig Weihnachten feiern“, sagte sie dem Reporter einer Lokalzeitung.

Weltstars für "Sandy"-Opfer

Pam Rose wie Zigtausenden anderen Hurrikan-Opfern sollen ab sofort die Einnahmen zufließen, die ein selten erlesenes Staraufgebot von den Rolling Stones über The Who und Eric Clapton bis hin zu Bruce Springsteen, Billy Joel und Paul McCartney in die Kasse der Robin Hood-Stiftung spielte. Jener renommierten Hilfsorganisation, die nach den Terror-Anschlägen 2001 in New York ins Leben gerufen worden war. Wie Davis Saltzmann, Chef der Stiftung, sagte, traten alle Künstler ohne Gage auf. Für die aufwändige Produktion stand eine Groß-Bank ein. Durch den Verkauf der 13.500 Karten (regulär zwischen 150 und 2500 Dollar, auf dem Schwarzmarkt bis zu 36.000 Dollar) und Sponsoren waren bereits 32 Millionen Dollar zusammengekommen, bevor in der berühmten Arena in Manhattan der erste Akkord erklang.

Fast jeder Song eine Ode an den Überlebenswillen

Springsteen gab ideell den Takt mit „Land Of Hope And Dreams“ vor. Nahezu jedes Lied geriet in der Interpretation zur Ode an den Überlebenswillen der Menschen. "Wir kommen zurück, größer und stärker als je zuvor", sagten die Moderatoren Billy Crystal, Jimmy Fallon und Jon Stewart - und dann zieht euch warm an.

Paul McCartney mit Feuerwehrleuten, die während des Hurrikans im Einsatz waren. Foto: ap

Vergleiche mit wahrlich weltumspannenden Charity-Konzerten wie „Live Aid“ hinken trotz der XXL-Dimension des im Internet in Echtzeit debattierten Abends. „12-12-12“, benannt nach dem Veranstaltungstag, war ein regionales Konzert, dass die Reichen, Schönen und Berühmten für die Toten, Beladenen und vom Schicksal gebeutelten Menschen ausrichteten, denen der Sturm die Existenz weggeweht hat. Wohlgemerkt: denen in den USA. Von Sturmopfern in Haiti oder auf Kuba war waren nirgends die Rede.

Gleichwohl hielt sich die zynische Betroffenheit, mit der Stars gelegentlich ihre Stimmen guten Zwecken zur Verfügung stellen, in engen Grenzen. Für viele Künstler, ob Bruce Springsteen, Jon Bon Jovi, Billy Joel oder Alice Keys, ist die Region um New York, in der „Sandy“ am heftigsten gewütet hat, Heimat und Inspiration. Wer als Kind über die nicht mehr vorhandene Strandpromenade von New Jersey gestolpert ist, verspürt mehr als nur Phantomschmerz.

Ein goldener Moment: die umwerfende Paul-McCartney/Nirvana-Mixtur

Musikalisch gibt es von Nummernrevueshows dieser Gattung normalerweise nie besonders viel zu berichten. Superstars singen Superhits. Wenn es besonders gut läuft, entsteht die überraschende Dynamik eines goldenen Moments. Die „Sandy“-Show hielt mehrere solcher Augenblicke bereit. Wobei Springsteens beseeltes Duo mit Jon Bon Jovi („Born To Run“) den Anfang machte und eine umwerfende Paul-McCartney/Nirvana-Mixtur den Schlusspunkt setzte. Mittendrin bar jeder Vollständigkeit: ein lecker rauhbeiniger Ober-Stone Mick Jagger („Jumpin’ Jack Flash“, kraftvolle The Who („Pinball Wizard“ und „Baba O’Riley“) und das sehr gelungene „Losing My Religion“-Gemeinschaftwerk von Chris Martin (Coldplay) und dem inzwischen bärtigen R.E.M.-Rentner Michael Stipe.

Sandy: Szenen der Verwüstung

Über weite Strecken glich die Veranstaltung einem Veteranen-Treffen etablierter Wohltäter. Dienstältester: Eric Clapton. Der Meister der „Crossroads“ bekam bereits an gleicher Stelle vor 41 Jahren für die notleidenden Menschen in Bangladesch den Blues. Was die Frage aufwirft: Wo war eigentlich die jüngere Generation? Jay-Z, Taylor Swift, Rihanna, Adele, Frank Ocean, Eminem, David Guetta, Cee Lo oder Bruno Mars – alle keine Zeit gehabt? Abseits der Musik hatte der Abend seine stärksten Szenen in den Verbeugungen der Promis vor den Polizisten, den Feuerwehrleuten, den Notärzten und Katastrophenhelfern, die in den ersten Stunden nach dem Sturm mit anpackten. Pam Rose in Toms River hat ihnen ihr Leben zu verdanken.

 

Dirk Hautkapp

Kommentare
Funktionen
Aus dem Ressort
Heißer Start für Bochum Total - großer Start dank Luxuslärm
Festival
Zehntausende trotzen Hitze. Ersatz wird Höhepunkt: Weil Twin Atlantic absagten, wurde kurzerhand Luxuslärm verpflichtet. Stromausfall am Abend.
Midge Ure fühlt sich
Konzert
Der schottische Rockmusiker Midge Ure kommt im November nach Duisburg. In der Rheinhauser Erlöserkirche spielt er mit seiner Band India Electric Co..
Lou Bega und Hermes House Band bei Beach-Party in Duisburg
Sommer & Musik
Der „Mambo No 5“-Sänger steht am 11. Juli mit der Hermes House Band auf der Bühne des Strandbades Wedau. Viel Schlagermusik auf Bühne zwei.
Day of Song: Alternativen sind in Oberhausen denkbar
Freizeit
Nach dem Ende des ruhrgebietsweiten "Day of Song" könnte vor Ort weitergesungen werden. Dezernent Tsalastras will Gespräche mit dem Kulturbüro führen.
Bochum Total - ab Donnerstag spielt die Innenstadt verrückt
Festival
Die Vorfreude wächst: Am Donnerstag, 2. Juli, startet Bochum Total. Bis Sonntag werden über eine halbe Million Musikfans aus ganz Europa erwartet.
Fotos und Videos
Luxuslärm auf der 1Live-Bühne
Bildgalerie
Bochum Total
Bochum Total - Fans an Tag 1
Bildgalerie
Festival
Traumzeit-Festival in Duisburg
Bildgalerie
Traumzeit
article
7389987
Weltstars rocken für die Opfer von Hurrikan „Sandy“
Weltstars rocken für die Opfer von Hurrikan „Sandy“
$description$
http://www.derwesten.de/kultur/musik/weltstars-rocken-fuer-die-opfer-von-hurrikan-sandy-id7389987.html
2012-12-13 14:16
Sandy Relief,Bruce Springsteen,Konzert
Musik