Warten aufs Konzerthaus - Bochums unendliche Geschichte
17.05.2011 | 19:01 Uhr 2011-05-17T19:01:00+0200
Bochum. Seit Jahren wird um eine eigene Spielstätte für die Bochumer Symphoniker gerungen - ein Ende ist nicht in Sicht. Michael Grandjean vom Symphoniker-Vorstand über die Sehnsucht nach einem Zuhause: "Natürlich leiden wir unter der Situation".
Seit Jahren warten Orchester und Publikum in Bochum auf ein eigenes Haus, ein Ende des Hin und Hers ist immer noch nicht absehbar. Was macht die zähe Zeit eigentlich mit Musikern? Lars von der Gönna befragte dazu Michael Grandjean, Violinist der Bochumer Symphoniker und Mitglied des Orchestervorstandes.
Sie warten schon lange...
Dass das eine lange Bank sein würde, war uns klar. Ich bin sicher, dass das Musikzentrum jetzt kommt. Aber es gibt auch Kollegen, die sagen: Ich glaub’s erst, wenn das Ding steht. Man muss das teilweise ausblenden. Sonst zermürbt es einen. Natürlich leiden wir unter der Situation.
Das Orchester hat sich selbst stark für ein eigenes Haus engagiert.
Wir haben viel an Spenden akquiriert, uns selbst finanziell beteiligt. Ich weiß von einigen Kollegen, dass sie monatliche Daueraufträge haben, durchaus im dreistelligen Bereich.
Zeichen für eine große Sehnsucht nach einem neuen Zuhause.
Wir haben ja gar kein Zuhause.
Ketzer könnten sagen, dass das seit 1920 so ist und es dennoch immer wieder gute Konzerte in Bochum gibt.
Sicher kann man das sagen. Aber beide zentrale Spielorte sind unglücklich: Das Schauspielhaus ist für Sprechtheater gebaut. Große Werke, die wir viel öfter spielen als früher, gehen da kaum. Sachen mit Schlagwerk kommen von der Lautstärke her an die Grenze des Unspielbaren. Das Audimax der Ruhr Universität ist der andere – eine Notlösung. Es klingt einfach nicht. Sie können spielen wie ein Teufel, es springt der Funke nicht über aufs Publikum. Wir sind viel auf Tournee – es ist nicht schön zu erleben, dass die Bedingungen fast überall besser sind als in der eigenen Stadt.
Ergreifen Musiker inzwischen aus Frust die Flucht?
Wir erleben das bei tollen jungen Kollegen. Die verlassen uns wieder, obwohl sie sich in diesem Orchester sehr wohl fühlen. Die sagen: Wir haben hier keine richtige Perspektive. Die sind auch unter Zeitdruck. In unserem Beruf muss man spätestens bis 30, 31 sein, wo man sein möchte.
Ganz Schlaue favorisieren angesichts des Bochumer Problems die mobile Kulturgesellschaft. Die sagen: Setzt Eure treuen Hörer doch in Busse und spielt in den Konzerthäusern von Essen oder Dortmund.
Unser Problem wäre das nicht. Wir reisen als Orchester ständig. Nein, fürs Publikum ist es ein Problem. Das normale klassische Publikum jedweden Alters macht das nicht. Das weisen Studien nach.
21:44
Genau, Konzerte finden meist zur Rush-Hour auf der A40 statt. Da kann die Fahrt von Bochum nach Dortmund oder Essen schon mal ne Stunde dauern.
Mit der gleichen Argumentation fordere ich Konzerthäuser für die Außenbezirke von Hamburg, München und Berlin. Die Anfahrt in die Innenstädte ist unzumutbar!
Im Ernst: Vom geplanten Standort in Bochum bin ich in fünf Minuten zu Fuß am HBF, in weiteren zehn Minuten am Dortmunder HBF, in nochmal gut 5 Minuten am Dortmunder Konzerthaus. Unzumutbar!
18:07
@8 von Nordstaedtler
Klar, Bochumer können ja mal eben ne Stunde Fahrt in Kauf nehmen, wenn sie ein Konzert besuchen wollen.
Aber dann sollte man auch mal richtig sparen.
Zum Fußball nach Dortmund, zum Schwimmen nach Duisburg, zur Stadtbibliothek nach Oberhausen etc.
Gehört ja alles zur Ruhrstadt.
Und so ein paar Autois mehr verkraftet die A 40 auch noch.
17:25
Alle freuen sich immer über die Ruhrstadt, aber bei solch imageträchtigen Projekten möchte doch jede Stadt sein eigenes Süppchen kochen.
Wir haben nicht voll ausgelastete Konzerthäuser in Dortmund und Essen. Es besteht überhaupt kein Bedarf eines zusätzlichen Hauses.
14:44
#6 dann möchte ich aber auch keine Sozialknete für die nichtarbeitenden Mannies mehr mitfinazieren müssen. Ihr könnt schließlich auch früh aufstehen und malochen. Da ich dann weniger Steuern zahlen muß kann ich dann den Kulturschaffenden soviel Geld zahlen, das keine Subventionen mehr nötig sind.
14:20
Wenn ich das Sagen hätte, würde ich klar entscheiden, dass die, die gern Musik machen oder gern Musik hören, sich selbst etwas aufbauen sollten und dann über die Eintrittsgelder ihre Musik finanzieren. So wie z.B. das Kino, oder der Fußball, oder wie jeder Verein auch. So ein Konzertsaal kostet viel Geld in der Anschafung und natürlich sind auch die Unterhaltskosten horrend. Also, liebe Musiker, wenn ihr spielen wollt, baut euch eine Halle und nehmt Eintrittsgelder. Aber bitte nicht aus Steuergeldern.
13:47
Ich hoffe, die BoSys bekommen bald ein Konzerthaus. In Kultur ist jeder Euro besser angelegt als im Straßenbau.
13:09
Was hat die Kultur in der Menschheitsgeschichte bewirkt? Wie hat sie die Menschen geistig vorangebracht?
Wer das nicht weiß, der plädiert gelassen dafür, das Geld dieser Gesellschaft allein für den Konsum rauszuwerfen.
#2 lassen sie ihr Auto einfach mal warten, dann brauchen sie auch keine Angst vor Defekten zu haben.
10:42
Ja so ist das, wofür gibt man sein Geld aus.
Bochum hat wahrhaftig größere Probleme als ein Konzerthaus oder Musik Zentrum zubauen. Obwohl das bauen ja nun nicht das große Problem ist sondern die Folgekosten die auf die Stadt zukommen.
Und irgendwo muss das Geld dafür herkommen um ein Musik Zentrum zu Finanzieren. Nachlesen wo für ein Musik Zentrum eingespart werden soll kann man im Haushaltsplan der Stadt.
09:26
Es muß kein neues Konzerthaus sein, denn wir haben soviele Musikstätten in Bochum zu denen man ohne weiteres ausweichen kann!!!
Z.B. die Jahrhunderthalle, die Marienkirche, etwas umgebaut und schon hat man mit wenig Aufwand eine klangmäßig guten Raum für Konzerte.
Es wäre viel sinnvoller, wenn endlich mal Gelder für einige marode Straßen in Bochum locker gemacht werden, so das die Autofahrer keine Angst mehr um ihre Autos haben müßen.
Ein Beispiel, der Hustadtring!!
Dort kann man schon seit Jahren nicht mehr gefahrlos fahren ohne Angst haben zu müßen, sich Defekte am Auto einzufangen.
Die letzten beiden Winter haben die Situation noch mehr verschlimmert, so das viele Autofahrer mit Ortskenntnissen schon auf Seitenstraßen ausweichen.
Aber dafür ist natürlich nie Geld da, aber für unnütze Dinge, die schon in hoher Anzahl vorhanden sind, ja, dafür soll wieder Geld vorhanden sein!!!
Und das auch noch, wo nicht jeder ein Konzertfan ist aber ein jeder die Straßen benutzen muß!!
Da stellt sich ja wohl nicht mehr die Frage, was wohl wichtiger ist, oder??
05:23
Macht dem Leiden ein Ende und hört endlich auf weiter von einem Konzerthaus zu träumen. Die Stadt hat wahrhaftig andere wichtigere Probleme.