Virtuoser Wandler zwischen Mozart und Morricone
27.11.2007 | 09:15 Uhr 2007-11-27T09:15:00+0100
Der gebürtige Aachener und Wahl-New-Yorker David Garrett hat sich zu einer Art Popstar der Geige entwickelt. In vielen asiatischen Ländern rangiert sein neues Crossover-Album "Virtuoso" ganz oben in den Charts.
Mit der WR sprach der 25-Jährige über Möglichkeiten der Klassik zwischen Mozart und Morriocone. Sie kommen gerade von einer Promotion-Tour in Asien zurück - dort sind Sie die Nummer eins in den Charts. Wie fühlt man sich als Superstar?
(lacht) Gar nicht. Ich habe nicht viel vom Hype mitbekommen, der in China oder Japan abging. Meistens wurde ich erst erfolgreich, nachdem ich die Konzerte gespielt hatte. Der ganze Boom kam, als ich weitergezogen war. Wobei es mich natürlich schon ein bisschen stolz macht.
Ihnen werden immer wieder außergewöhnliche Leistungen bescheinigt. Wie wichtig war dafür die hochkarätige Ausbildung bei Itzhak Pearlman an der Juillard-Schule?
Schwer zu sagen. Ich habe sehr früh angefangen, in der Musikschule. Das war natürlich nicht sehr substanziell. Ich wollte aber Musik lesen lernen. In New York habe ich die Regeln gelernt, die Musikgeschichte, das Komponieren und Dirigieren. Was vorher intuitiv funktionieren musste, wurde theorethisch gefüllt. Dafür lohnten sich die vier Jahre Ausbildung.
Auf ihrem neuen Album "Virtuoso" mischen Sie die Stile. Ist das ihre Wendung zum Pop?
Nein, ich versuche weiterhin, jeden Komponisten so gut wie möglich zu vertreten. Auch wenn der James Hetfield heißt ("Metallica"-Frontmann, d. Red.). Das ist schließlich die Aufgabe eines Interpreten. Aber Crossover gibt mir die Möglichkeit, auch eigene Sachen zu spielen, zu experimentieren. Trotzdem bleiben aber 90 % meiner Konzerte klassisch.
Darf ein klassischer Musiker bei Stefan Raab spielen?
Ich hoffe. Und ich freue mich, dass ich das durfte. Ich versuche, der klassischen Musik jede Möglichkeit zur öffentlichen Darstellung zu eröffnen. Sie hat es verdient.
Ihre Plattenfirma bezeichnet Sie als "David Beckham der Violine", andere sehen eine Art männliche Vanessa Mae. Was trifft eher zu ?
Wenn ich aussuchen muss, nehme ich Beckham. Der überzeugt ja auch durch Leistung, nicht nur durch hübsches Aussehen. Mit Vanessa möchte ich mich ungern vergleichen. Die hat die klassische Musik hinter sich gelassen. Das könnte ich nicht.
Was erwartet die Hörer auf ihrer nächsten Tour?
Meine Zuschauer brauchen zwar keinen Dresscode, aber ich bin der Tradition nicht abgeneigt. Beethoven und Mozart werden bei mir nicht komisch, auch wenn ich sie nicht im Anzug spiele. Ich möchte ihnen nur neue Aspekte abverlangen.
Mozart trifft Morricone?
Genau, so könnte man es sagen. Das gefällt mir.
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