"Uptown Special" - Das Comeback von Funkmaster Mark Ronson

Den Funk-Sound der 60er- und 70er Jahre hat Mark Ronson wiederbelebt – das zeigt er auch auf seinem neuen Album „Uptown Special“.
Den Funk-Sound der 60er- und 70er Jahre hat Mark Ronson wiederbelebt – das zeigt er auch auf seinem neuen Album „Uptown Special“.
Foto: Sony Music
Was wir bereits wissen
Vier Jahre nach dem Tod von Amy Winehouse, deren Bestseller „Back To Black“ er mit zu verantworten hat, wagt Mark Ronson ein musikalisches Comeback.

Essen.. Als Funkmaster, der den Sound der 60er und 70er wiederbelebt, aber auch als Soundtrackkomponist für Hollywood-Blockbuster hat Mark Ronson zwei ehrgeizige Projekte gestartet, mit denen er seine Nachhaltigkeit unterstreichen will. Im Interview spricht er auch über sein neues Album „Uptown Special“.

Sie haben Anfang der 90er als DJ in Hip-Hop-Clubs in Downtown New York begonnen. Jetzt, mit Ihrem vierten Album, servieren Sie ein „Uptown Special“. Zeigt das, wo Sie heute stehen?

Mark Ronson: Für mich steht „Uptown“ eher für Harlem und die Bronx – für die beiden besten Orte, was HipHop betrifft. Und selbst, wenn ich auf der anderen Seite der Stadt angefangen habe, ging es mir immer um diese Musik. Eben, weil der Uptown-Kram aufregend und cool klingt. Und das ist meine Basis – es ist das, was ich tue.

Wobei „Feel Right“, die Single mit Mystikal, ganz ungeniert an James Brown erinnert.

Ronson: Und deshalb wäre es auch toll, das Album im legendären Apollo-Theater vorzustellen. Das wäre die perfekte Location dafür.

Demnach handelt es sich um ein lupenreines Funk-Album, um eine Hommage an die schwarze Musik der 60er und 70er?

Ronson: Da ist definitiv eine Menge Funk im Spiel. Dabei wollte ich ursprünglich ein rein Spanisches Album aufnehmen – damit hatte ich auch mit Jeff Bhasker in Los Angeles begonnen. Aber dann entschieden wir uns, nach Memphis zu fliegen. Und wenn du erst einmal dort bist, kannst du dich dem Einfluss dieser tollen Musik aus dem Süden der USA nicht mehr entziehen. Eben dem Funk und Soul.

Prince Wobei ich als DJ aber auch immer ein Element in meiner Musik habe, das sehr Dancefloor-tauglich ist. Was in diesem Fall ein toller Beat und ein starker Groove sind. Nur: Da ist noch jede Menge anderer Kram. Wie diese Texte, die Michael Chabon geschrieben hat – mein Lieblingsautor, der für ein paar wunderbare Geschichten sorgt. Darüber hinaus sind da HipHop-Elemente und einige psychedelische Momente mit Kevin von Tame Impala. Der Funk ist also nur eine Sache unter vielen.

Wie viele Flugmeilen haben Sie zwischen London, LA und Memphis gesammelt?

Ronson: Eine Menge. Schließlich lebe ich in London und hatte eigentlich gehofft, das Album dort aufzunehmen. Schließlich habe ich vor kurzem dieses tolle Studio am Kings Cross bezogen, auf das ich wahnsinnig stolz bin. Doch wie so oft: Letztlich habe ich den Großteil des Albums in Amerika aufgenommen, weil die Musiker, mit denen ich arbeiten wollte, von dort kommen. Was aber auch nicht schlimm ist, denn auf diese Weise hat das Ganze etwas von einer Reise, was ein Album ja auch sein sollte.

Und ich hatte keine Ahnung, dass es sich zu einem Trip durch die Südstaaten entwickeln würde. Ich dachte eher daran, nach LA zu fliegen und dort aufzunehmen. Aber dann hatte Jeff diese irre Idee: Wir sollten durch den Süden fahren und eine tolle, junge Soul-Sängerin finden, statt irgendjemand Bekannten zu engagieren. Was etwas von einer Mission hatte – und von einer dieser selten dämlichen Ideen, die man nur gegen zwei Uhr morgens haben kann, wenn man ziemlich betrunken ist.

Gleichzeitig ist das auch einer der Gründe, warum dieses Album so lange gedauert hat – eben weil ich nicht wusste, was daraus werden würde, in welche Richtung es sich entwickelt und wer daran beteiligt sein würde. Ich habe einfach nach etwas gesucht, das sich gut anfühlt.

Wie steht es mit dem Singen? Haben Sie auf dem letzten Album, bei dem Sie erstmals zum Mikro gegriffen haben, Blut geleckt?

EDM Ronson: Nein, auf diesem Album singe ich nicht. Einfach, weil mir das nicht leicht fällt. Ich meine, es war lustig, sich mal daran zu versuchen, was aber nur daran lag, weil Johnny von den Drums, für den ich einen Song geschrieben hatte, sich in letzter Minute entschied, da nicht in Erscheinung zu treten. Von daher hatte ich quasi keine andere Wahl als selbst aktiv zu werden. Aber dieses Album brauchte schlichtweg umwerfende Sänger. Weshalb ich mich auch nicht daran beteiligt habe, sondern es Experten wie Bruno Mars überlassen habe – oder Keyone Starr, dieses Mädchen, das wir in Jackson, Mississippi, entdeckt haben. Und Stevie Wonder spielt darauf Harmonika. Es sind ausschließlich großartige R&B-Talente am Werk. Und ich dachte, es wäre besser, wenn ich mich darauf beschränke, die Songs zu schreiben und darauf zu spielen. Den Rest überlasse ich qualifizierteren Leuten.

Wobei Stevie Wonder Ihr persönlicher Held ist?

Ronson: Oh ja, keine Frage. Für mich ist er Gott. Also mein absoluter Lieblingssänger, Songwriter und Musiker aller Zeiten. Ich kann nur sagen, dass seine Stimme oder der Gesang auf einigen seiner Stücke dafür sorgt, meine Stimmung komplett zu verändern. Im Sinne von: Sie löst ein unbeschreibliches Glücksgefühl aus, einfach weil sie etwas Besonderes hat. Und da geht es dem Großteil der Menschheit nicht anders – im Sinne von: Es hat einen Grund, warum ihn so viele Leute lieben.

Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?

Ronson: Ich habe ihm einfach einen Song geschickt, und ihn gefragt, ob er sich vorstellen könnte, darauf Harmonika zu spielen. Eben weil mich die Melodie sehr an ihn erinnerte. Allerdings habe ich dann vier Monate nichts von ihm oder seinem Manager gehört, weshalb ich schon dachte, dass da nichts mehr kommen würde. Doch wenige Tage vor Abschluss der Aufnahmen, als ich das längst abgehakt hatte, war da plötzlich diese E-Mail in meinem Online-Account. Sie trug den Titel „Session mit Stevie Wonder“ und stammt von seinem Tontechniker. Was wahrscheinlich der größte Moment in meinem musikalischen Leben war. Eben, dass die Person, die so einen großen Einfluss auf mich hat, also mehr als jeder andere, tatsächlich auf diesem Stück mitwirkt, das ich geschrieben habe. Das ist fast zu schön, um wahr zu sein

Und wie war der gemeinsame Frisörbesuch mit Bruno Mars, der im Video zu „Uptown Funk“ zu bewundern ist? Haben Sie sich mit den Lockenwicklern wohl gefühlt?

Ronson: Das war ein ziemlicher Spaß. Und die Lockenwickler waren seine Idee, die ich so witzig fand, dass ich nur zu gerne mitgespielt habe. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich die Dinger im Haar hatte – und eine sehr positive Erfahrung. (lacht)

Wie halten Sie es sonst? Wie entscheidest Sie, mit welchen Künstlern Sie arbeiten und mit welchen nicht?

SoundCloud Ronson: Ich denke, da muss man sich auf seine innere Stimme verlassen. Was allerdings gar nicht so einfach ist, wenn dich jemand fragt, den du sehr magst oder der ganz aufgeregt ist, wenn er dich darauf anspricht. In solchen Situationen musst du dich halt selbst hinterfragen: „Bin ich wirklich in der Lage, ihm dabei zu helfen, das bestmögliche Album zu machen?“ Denn man sollte das nicht tun, nur weil jemand angesagt oder wichtig ist und insofern ein gewisses Maß an Erfolg verspricht. Sondern das Entscheidende ist: „Können wir ein großartiges Album machen?“ Wobei du allerdings nie die richtige Entscheidung triffst. Im Ernst: Du liegst immer irgendwie daneben.

Und ich habe festgestellt, dass ich definitiv besser darin bin, bestimmte Arten von Musik zu produzieren als andere. Egal, wie sehr ich Rock und irgendwelche Indie-Sachen mag, so sind das doch nie die besten Alben ihrer Art. Und das ist etwas, das man lernt und realisiert. Eben, wo deine individuellen Stärken liegen, auf die du dich konzentrieren solltest. Und dass du dich auf dein Gefühl und deinen Instinkt verlassen musst, und nicht darauf spekulierst, was erfolgreich sein könnte. Du solltest nur tun, worauf du später wirklich stolz sein kannst.

Wenn Sie es so formulieren: Gibt es etwas, das Sie bedauern?

Ronson: Eine Menge. Jedes Mal, wenn ich etwas höre, das ich produziert habe, denke ich: „Mist, hätte ich die Gitarre doch etwas zurückgenommen, hätte ich den Gesang ein bisschen mehr in den Vordergrund gestellt oder hätte ich das Arrangement anders angelegt.“ Nur: Wenn man Musik veröffentlicht, muss man halt akzeptieren, dass sich da irgendwann nichts mehr ändern lässt – dass sie für immer da draußen ist.

Sie zählen zu den bestvernetzten Menschen auf diesem Planeten – als jemand, der Gott und die Welt kennt. Was macht Sie zu einem solchen Promimagneten?

Ronson: Ich hoffe, dass es meine Fähigkeiten und mein Talent sind. Aber ich fürchte, dass da noch andere Sachen reinspielen. Es hat mir mal jemand gesteckt, dass es mein englischer Akzent und meine guten Manieren wären, auf die gerade Amerikaner stehen. Keine Ahnung, ob das stimmt.

Und was ist das für ein Gefühl, als einer der stilvollsten Männer Großbritanniens zu gelten?

Ronson: Das ist schon einige Jahre her. Mittlerweile dürfte ich ein paar Plätze auf dieser Liste eingebüßt haben. Was nicht heißen soll, dass ich etwas dagegen hätte, wenn man mich so bezeichnet. Das ist sogar sehr nett – aber eben nichts, mit dem ich mich länger befasse oder über das ich mir größere Gedanken mache. Denn für mich ist das Wichtigste ganz klar die Musik. Das ist es, worauf ich mich konzentriere – selbst, wenn es schön ist, ab und zu auszugehen und sich gut zu kleiden.

Wobei Sie auf fast allen Fotos, die von Ihnen kursieren, einen Anzug tragen. Also scheinen Sie schon Wert auf Etikette zu legen?

Ronson: Ach, die sind alle ein bisschen älter. Ich fürchte, aktuell wärest du ziemlich enttäuscht von mir.

Inwiefern?

Ronson: (lacht) Weil ich im Studio vor allem bequeme Sachen trage. Also Jeans, Sneaker, Schlabberpulli. Kram, in dem ich mich wohlfühle und nicht so sehr auf jede Falte achten muss.

Lassen Sie nach oder geht es Ihnen darum, Ihr Image zu zerstören?

Ronson: Nun, ich bin verheiratet. Sprich: Ich kann jetzt tragen, was ich will und muss niemanden mehr beeindrucken. Schon gar keine Frauen.

Was sagt Ihre Gattin dazu?

Ronson: Bislang hat sie sich noch nicht beschwert. Aber: Wenn sie möchte, dass ich einen Anzug trage, würde sie mir das sagen – und ich würde ihr den Gefallen tun.

Die Liste Ihrer Ex-Freundinnen ist beeindruckend: Daisy Lowe, Rashida Jones oder Frankie Ryder - was haben all diese Frauen an Ihnen geliebt?

Ronson: (lacht) Das müssten sie beantworten. Ich weiß nur, dass ich immer versucht habe, sie mit Anstand und Respekt zu behandeln. Und ich bin ziemlich gut darin, sie zum Lachen zu bringen und mit netten Kleinigkeiten zu überraschen. Keine Ahnung, ob mich das als Womanizer qualifiziert. Ich denke eher, so sollte jeder Mann in einer Beziehung sein.

Sie werden dieses Jahr 40 – ein beängstigender Gedanke oder ein Grund, es richtig krachen zu lassen?

Ronson: Ich weiß es noch nicht. Ich meine, als ich 25 wurde, kam mir das unglaublich alt vor. Ich dachte, das Leben wäre vorbei. Und 30 zu werden, war sogar noch schlimmer. Nach dem Motto: „Mein Gott, was mache ich jetzt?“ Von daher, kann ich noch nicht sagen, wie ich mit dieser Zahl umgehen werde bzw. ob ich das feiere oder nicht. Aber ich glaube insgeheim, dass es nicht so schlimm wird. Schließlich haben etliche meiner Lieblingskünstler ihre besten Songs erst aufgenommen als sie 40 oder 50 waren. Von daher mache ich mir da keine Sorgen.

Legen Sie eigentlich noch auf? Ist der DJ in Ihnen weiterhin aktiv?

Ronson: Ich habe schon eine Weile nicht mehr aufgelegt. Einfach, weil ich so beschäftigt damit war, dieses Album aufzunehmen. Und weil ich so lange keins mehr veröffentlicht habe. Da hatte ich kein wirkliches Interesse daran, weiter altes Material zu spielen. Aber vor einigen Tagen bin ich zum ersten Mal mit dem neuen Zeug aufgetreten, was großartig war. Es war vor 2500 englischen Kids, die Stimmung war toll, und es hat einen Riesenspaß gemacht. Und sei es nur, weil ihnen die neuen Stücke offensichtlich gefallen haben – was man nie weiß, bis man sie vorstellt und sieht, wie die Reaktion ausfällt. Denn selbst wenn es ein Hit auf Youtube oder sonst wo ist, so besteht der echte Test darin, sich vor einem Haufen Kids zu behaupten. Nach dem Motto: Funktioniert es? Steigen sie darauf ein?

Als Pendler zwischen London, Paris und den USA: Wo bewahren Sie Ihre zahlreichen Auszeichnungen und Preise auf?

Ronson: So viel habe ich gar nicht. Es sind nur ein paar, die bei mir Zuhause rumstehen, aber nicht wirklich viele. Und ich fürchte, einen habe ich sogar zerbrochen.

Im Ernst?

Ronson: Ja, insofern sind es vielleicht drei oder vier. Das war es auch schon. Sie stehen bei mir auf dem Kamin. Aber ich weiß nicht, wo der Rest abgeblieben ist. Kann sein, dass ich einen meiner Mutter geschenkt habe.