Spaß-Rapper K.I.Z. provozieren mit gewalttätigem Musikvideo

Die Rapgruppe K.I.Z. macht sich für Flüchtlinge stark.
Die Rapgruppe K.I.Z. macht sich für Flüchtlinge stark.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Im Video zu ihrem neuen Lied "Boom Boom Boom" baut die Rap-Gruppe K.I.Z. Bomben und schießt auf Anzugträger. Dabei verfolgt sie ein ernstes Anliegen.

Essen.. Die Berliner Rapgruppe K.I.Z. kannte man bisher vor allem wegen spaßiger Lieder wie "Urlaub fürs Gehirn". Grenzen hat das Quartett schon immer ausgetestet; im Video zum Lied "Ich bin Adolf Hitler" läuft dieser als saufender Hartz-IV-Empfänger im Unterhemd durch Berlin. Aber auch Gesellschaftskritik findet sich in den Liedern der "Kannibalen in Zivil" wieder, meist in ironische Zeilen verpackt.

Mit ihrem neuesten Musikvideo "Boom Boom Boom" aus dem kommenden Album "Hurra die Welt geht unter" proben die Rapper nun den Aufstand.

Bis an die Zähne bewaffnet

Das Video startet in einem spärlich beleuchteten Bunker, in dem die vier K.I.Z.-Mitglieder Nico, Maxim, Tarek und DJ Craft Bomben bauen und auf Landkarten mögliche Ziele aussuchen. Später fahren die vier in Tarnanzügen und bis an die Zähne bewaffnet in einem Geländewagen in den Wald. Dort schießen sie mit Pistolen, Sturmgewehren und einer Panzerfaust auf einen flüchtenden Anzugträger.

"Die Welt" schreibt angesichts dieser Bilder von einer Ästhetik des Terrors wie man sie beim "Islamischen Staat" findet. Gewalt aus purer Lust an der Provokation? Ist es der Spaß am Exzess? Nein, dieses Mal haben K.I.Z. ein ernstes Anliegen.

Im Fadenkreuz der Rapper stehen nicht in erster Linie Großkapitalisten, die der gejagte Anzugträger symbolisieren könnte. Es geht viel mehr gegen die breite arbeitende Masse, die sich lieber von dumpfen TV-Formaten berieseln lässt, anstatt etwas gegen Missstände zu unternehmen.

Spenden für das eigene Gewissen

Ganz besonders haben es die "Kannibalen" auf Menschen abgesehen, die vor Asylbewerberheimen gegen Flüchtlinge demonstrieren. Aber die Kritik zielt nicht nur auf Pegida-Anhänger, die Gruppe stellt die Doppelmoral der Deutschen an den Pranger, die sich denken: Den armen Flüchtlingen muss geholfen werden, nur bitte nicht bei uns. "Für's Gewissen zehn Euro spenden, dann kommen die hoffentlich nicht über die Grenzen", heißt es in der ersten Strophe.

Es ist nicht zu überhören, dass den Berlinern die Einstellung vieler ihrer Mitbürger nicht passt. Der Refrain "Boom, boom, boom" erinnert zunächst an einen sinnlosen Partyhit der "Vengaboys" aus den 90er-Jahren, zu dem auch die mit dem Computer hochgepitchten Stimmen passen, doch das zweite Element des Refrains steht im krassen Gegensatz dazu: "Ich bring' euch alle um." Begleitet wird das alles von Gewehrsalven und Feuerstürmen. Popmusik

K.I.Z. bekannten schon bei "Circus Halligalli" Farbe

Wie K.I.Z. zum Thema Flüchtlinge stehen, wurde schon deutlich, als die Musiker vor Kurzem in der Sendung "Circus Halligalli" mit Joko und Klaas auftraten. Während sie an einem spontanen, nächtlichen Konzert in der Wohnung eines Fans teilnahmen, trug Bandmitglied Maxim einen Pullover mit der Aufschrift "Refugees welcome" (Flüchtlinge willkommen).

In seiner Strophe findet er deutliche Worte für die Anhänger von Pegida & Co. die nur die Konsequenz von Neonazis unterscheide: "Die geh'n halt noch selber ein paar Ausländer töten, anstatt jemand' zu bezahlen, um sie vom Schlauchboot zu treten." Maxim spielt damit auf die Grenzschutzorganisation "Frontex" an, die in der Vergangenheit Flüchtlingsboote abgefangen und zurückgeschickt haben soll. Pop

Zum Ende des Liedes fantasieren die Rapper darüber, die Demo in die Luft zu sprengen, bevor ein letztes Mal der ohrwurmverdächtige Refrain erklingt. Ein klareres Statement kann man zum Themenkomplex Pegida und Flüchtlinge nicht abgeben. Ja, K.I.Z. wollen provozieren. Zum Nachdenken.