Sabine Meyer und der kubanische Kick
10.06.2009 | 10:36 Uhr 2009-06-10T10:36:00+0200Essen. Klarinettistin Sabine Meyer gilt als unkonventionell. Klassik machte sie zum Star, aber gelegentlich spielt sie mit Jazzern. Jetzt legt sie zusammen mit dem kubanischen Musiker Paquito D'Rivera ein gemeinsames Album mit Latin-Feeling vor: "JazzClazz". Jürgen Overkott sprach mit Sabine Meyer.
Musiker gelten als Nachtmenschen. Wir aber haben uns für neun Uhr morgens verabredet. Sind Sie Frühaufsteherin?
Sabine Meyer: Ja, gewohnheitsmäßig schon. Das hat mit unseren beiden Kindern zu tun. Wir haben uns angewöhnt, ab morgens halb neun zu unterrichten, aber heute bügele ich gerade. Ja, es stimmt schon - ich stehe gern früh auf. Das habe ich morgens schon was geschafft, und das gibt mir ein gutes Gefühl.
Sie sind musikalisch sehr vielseitig, was klassische Komponisten anlangt. Aber jetzt haben Sie ein Album mit dem kubanischen Jazz-Klarinettisten Paquito D'Rivera gemacht. Wie sind Sie auf Kuba gekommen?
Meyer: Paquito D'Rivera hat unheimlich viele von unseren CD und war begeistert, und da hat er uns einfach angesprochen, ob wir nicht Lust haben, ein Projekt mit ihm zu machen. Wir haben uns sehr darüber gefreut. Er ist ein fantastischer Musiker, ein fantastischer Klarinettist. Und, ganz nebenbei, wir sind schon öfter solche Wege gegangen, mit Jazzern wie Eddie Daniels beispielsweise oder mit Michael Riessler.
Worin besteht der Reiz, sich auf diesem für Sie doch eher ungewohnten Terrain zu bewegen?
Meyer: Auch wenn die Kollegen aus anderen Richtungen kommen, findet man doch immer Gemeinsamkeiten und kreiert etwas Neues. Man muss als Musiker offen sein, aber zugleich muss man sich natürlich treu bleiben.
Es heißt, Sie setzen auf langfristige Zusammenarbeit. Gilt das auch für Paquito D'Rivera?
Meyer: Ich mache im klassischen Bereich kein Pianisten-Hop-ping und bleibe auch einem Streichquartett treu. Na, bei Paquito ist das etwas Anderes. Das zählt für mich doch eher zu Projekten, die man mal macht, eher einmalige Sachen, wobei ich hoffe, dass der CD mit Paquito auch Konzerte folgen.
"Die Musiker meines Ensembles sind auch gute Freunde"
Wie wichtig ist Ihnen die menschliche Chemie bei der Arbeit?
Meyer: Ganz, ganz wichtig. Die Musiker meines Ensembles sind auch gute Freunde. Wir verstehen uns sehr, sehr gut. Das ist heute ganz selten. Oft ist es so, dass sich Musiker zusammenfinden, man spielt ein Konzert zusammen und geht wieder auseinander. Und genau das wollte ich bei meinem Ensemble nicht. Wir wollten auch Zeit haben, zusammenzusitzen, zu reden, zu kochen. Ich glaube, dass merkt man auch, dass man sich musikalisch sehr gut versteht, sich aber zugleich auch sehr schätzt.
Sind Sie mit Paquito D'Rivera auch erst mal essen gegangen?
Meyer: Hm, ja, wir haben uns auf Gran Canaria getroffen. Wir haben damals Urlaub gemacht, und Paquito war auch gerade da. Bei der Gelegenheit haben wir die Stücke der CD mal durchgeprobt. Paquito ist ein unkomplizierter Mensch. Wissen Sie, wir unterscheiden bei uns nach Musiker und Musikant. Ein Musikant hat etwas Ursprüngliches, und das hat Paquito. Es strömt von innen heraus, er hat ein natürliches musikalisches Empfinden.
Er lebt Musik.
Meyer: Ja, genau. Das tun wir natürlich auch – aber doch auf eine andere Art. Wir haben von seinen Rhythmen viel gelernt.
Stichwort Rhythmus. Haben Sie für das Projekt einen Tanzkurs belegt?
Meyer: (beinahe entrüstet) Nein, das braucht man wohl nicht.
Ist Tanzen denn überhaupt ein Thema für Sie?
"Ich tanze gern"
Meyer: (lacht) Ich tanze gern. Aber Musikern sagt man ja nach, sie seien zu blöd zum Tanzen.
Sie lassen andere Leute lieber tanzen.
Meyer: Na ja, wir tanzen schon gern, aber eben nicht professionell.
Ein anderes Merkmal kubanischer Musik ist die Freiheit zu improvisieren. Ist das eine Herausforderung für Sie?
Meyer: Wir machen den Jazzern keine Konkurrenz. Unsere Arrangements waren ausgeschrieben. Es ist nicht so, dass man ein Glas Rotwein trinkt, locker wird und dann improvisiert. Auch das Improvisieren muss man lernen, man muss die Skalen kennen, die Harmonien. Aber wir haben schon anders gespielt als sonst, allein vom Feeling her.
Bei diesem Projekt kamen viele Leute zusammen, die einen tollen Namen haben. Wer hat denn den Ton angegeben?
Meyer: Na, wir alle. Da gab es keinen, der den Ton angegeben hat. Klar, Paquito hat einen tollen Namen…
…Sie auch.
Meyer: Nee, bei uns war jeder gleichberechtigt. Da gab's keinen Chef.
Interview: Jürgen Overkott
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