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Interview

Ronan Keating: "Ich war immer ein lieber Junge"

10.05.2009 | 10:25 Uhr
Ronan Keating: "Ich war immer ein lieber Junge"

Essen. Dass er Mamas Liebling war, glauben wir Ronan Keating sofort. Warum der Muttertag für den irischen Boygroup-Star ein besonderer ist, und wie er ganz ohne das übliche Kalkül der Popbranche einen Überraschungshit landete verrät er im Interview

Ronan Keating. (c) Ray Burmiston / Universal Music

Selbst im Leben eines Sonnyboys wie Ronan Keating gibt es dunkle Tage. Einen von ihnen erlebte er vor elf Jahren, als seine Mutter an Krebs starb. Ihr zu Ehren hat er nun ein Album mit ihren Lieblingsliedern eingesungen – ohne das Kalkül, das der Boygroup-Star sonst an den Tag legt. Der Erfolg war durchschlagend: Nummer 1 am Muttertag in England, Australien und Neuseeland, wo schon im März gefeiert wird. Nun kommt „Songs For My Mother” (Universal) auch in Deutschland heraus, diesmal pünktlich zum deutschen Muttertag.

Georg Howahl sprach mit Ronan Keating über die Kostbarkeit schöner Momente, die Harmonie in seiner Familie und sein Engagement für die Krebsvorsorge.

Herr Keating, wo waren Sie am Muttertag?

Ronan Keating: Naja, ich habe ja selbst mittlerweile drei Kinder – und die haben natürlich auch eine Mutter. Also habe ich dafür gesorgt, dass meine Familie einen schönen Tag hatte.

Sie waren nicht am Grab?

Ronan Keating: Es gibt ja viele Wege, sich an jemanden zu erinnern, der fortgegangen ist. Deshalb habe ich dieses Album aufgenommen. Es soll mich stets an meine Mutter erinnern. Aber darauf sind nicht nur die Songs, die meine Mutter mir gegeben hat. Es sind auch die Songs, mit denen ich aufgewachsen bin. Und einige, die mir durch die Trauer geholfen haben. Dieses Projekt war für mich so wichtig, wie sonst kaum eines.

Ist der Muttertag für Sie heute ein trauriger Tag?

Ronan Keating: Ein wenig schon. Andererseits finde ich Trost bei meiner Familie. Ich habe meiner Mutter damals immer ein paar Blumen gekauft, so wie jeder Sohn das tut. Gern würde ich das heute noch einmal tun.

Welcher war der Lieblingssong Ihrer Mutter?

Ronan Keating: Das war R. Kellys „I Believe I Can Fly”.

Ausgerechnet eine R'n'B-Schmonzette?

Ronan Keating: Ich liebe alle möglichen Arten von Musik, meine Mutter tat es ebenso. Dieses Album ist eine Wundertüte, eine gewagte Sammlung von Songs. Von Carrickfergus über Joni Mitchell bis hin zu Elvis.

Wie schwierig war es, die Songs auszuwählen?

Ronan Keating: Ich musste mich nur daran erinnern, welche Songs meine Ma bei der Arbeit im Haus gesungen hat – oder woanders. Zu vielen von ihnen hat sie auch getanzt. Und bei „Time After Time” hat sie das einmal so heftig getan, dass sie sich auf den Hintern gelegt hat.

Sie sind doch so bekannt heute, dass Sie „Time After Time” auch im Duett mit Cindy Lauper hätten singen können, oder?

Ronan Keating: Das wäre wundervoll gewesen, hätte aber nicht zu diesem Album gepasst. Dieses Album sollte etwas sein, das ich ganz persönlich für meine Mutter mache, egal, ob es sich verkauft oder nicht. Und es hat ganz klein angefangen, ein winziges Projekt. Es wurde erst groß durch den Erfolg, den es hatte. Es ist manchmal furchteinflößend, wie schnell so etwas gehen kann, wenn man nicht damit rechnet.

Hatten Sie eigentlich auch in der Pubertät ein gutes Verhältnis zu Ihren Eltern?

Ronan Keating: Ich bin immer ein lieber Junge gewesen. Und ich hoffe, dass meine Kinder auch brav sein werden.

War ein braver Junge: Sänger Ronan Keating. (c) imago

Im CD-Booklet sind ja unzählige Botschaften Ihrer Fans an deren Mütter. Wo kommen die her?

Ronan Keating: Wir haben die Fans per Internet wissen lassen, dass sie eine Botschaft an ihre Mütter auf dem Album hinterlassen konnten. Im Gegenzug mussten sie Geld für die wohltätige Stiftung spenden . . .

. . . die den Namen ihrer Mutter Marie Keating trägt.

Ronan Keating: Wir wollen die Menschen über Krebs aufklären, über Vorsorge und Heilungschancen. Wir fahren mit großen Trucks durchs Land und die Leute können kostenlos reinkommen. Jeder sollte zur Vorsorge gehen.

Wäre Ihre Mutter gerettet worden, hätte man den Krebs eher festgestellt?

Ronan Keating: Das glaube ich ganz bestimmt, deshalb engagiere ich mich für die Früherkennung.

Gehen Sie selbst regelmäßig zur Vorsorge?

Ronan Keating: Ja, ich gehe zum Arzt, wann immer es wieder an der Zeit ist.

Wie gesund leben Sie?

Ronan Keating: Ich versuche, mich gesund zu ernähren und gehe regelmäßig ins Fitnessstudio. Ich führe ein sehr gesundes Leben.

War das damals bei Boyzone auch schon so?

Ronan Keating: Wenn man jung ist, sollte es darum gehen, dass man eine Menge Spaß hat. Heute habe ich den auch, aber mir ist heute vieles bewusster.

Fühlen Sie sich als Vater stark in der Verantwortung?

Ronan Keating: Natürlich, jeder Vater hat die Verantwortung, seine Kinder anständig aufzuziehen und sie in dieser Welt zu beschützen. Ich versuche mein Bestes, das zu erreichen.

Bleibt Ihnen für die Erziehung denn genug Zeit? Oder muss Ihre Frau das übernehmen?

Ronan Keating: Ich verbringe all meine Freizeit mit meiner Familie. Im Moment ist das leider nicht genug. Zwischendurch schaffe ich es aber mich loszueisen und nach Hause zu kommen.

Eigentlich könnten Frau und Kinder doch immer mit Ihnen reisen, oder?

Ronan Keating: Wenn wir im Mai und Juni in England und Irland unterwegs sind, kommt meine Familie an den Wochenenden vorbei. Aber auch wenn ich in einer Boygroup singe: Meine Kinder sind teilweise schon in der Schule, da geht das nicht mal eben mitten in der Woche.

Mögen Ihre Kinder Ihre Songs?

Ronan Keating: Ja, Gott sei Dank. Sie lieben auch Boyzone. Ich würde sagen: Da hab ich Glück gehabt.

Georg Howahl

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