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Recoil bietet schwere Elektro-Kost

16.04.2010 | 15:20 Uhr

Essen. Das erste Best-of-Album des ehemaligen Depeche Mode-Mitglieds Alan Wilder ist erschienen. Seit Mitte der 80er arbeitet Wilder an seinem Solo-Projekt „Recoil“. Mit „Selected“ präsentiert der Brite nun die Highlights seines Werks in einer Compilation.

Mit "Selected" veröffentlicht Alan Wilder das erste Best-of seines Solo-Projekts "Recoil". Dabei konzentriert sich Wilder auf den neueren Teil seines Werks und lässt zum Beispiel seinen Erstling "1+2" außen vor.

Alan Wilder

Seine ehemaligen Band-Kollegen Dave Gahan und Martin Gore sind ebenfalls bereits auf Solopfaden gewandert. Allerdings haben sich der Sänger und der Songwriter von Depeche Mode dabei nicht vom Elektro-Pop verabschiedet. Anders Alan Wilder, das eheamlige Sound-Genie der Elektro-Band. Mit Recoil frönt Wilder dem Experimentellen und lebt eine Seite aus, die er in einer Pop-Band nicht zeigen konnte. Recoil ist noch düsterer als es der finsterste Depeche-Song je hätte sein können. Das klassische Schema aus Strophe und Refrain fehlt den Stücken ebenso wie die feinen Melodien, die das Werk von Depeche Mode auszeichnen.

Schwere Kost

Recoil ist schwere Kost und den Fans leichten Elektro-Pops sei hier warnend vom Kauf abgeraten. Für sein Solo-Projekt arbeitet Wilder mit Sängern und Vokalisten zusammen, die den Songs Tiefe und Charakter verleihen. Sei es Douglas McCarthy, Sänger der Industrial-Band Nitzer Ebb, Carla Trevaskis, das Golden Gate Jubilee Quartet oder die beeindruckende Sprecherin Maggie Estep. Gerade Estep verleiht den von ihr gesprochenen Stücken mit ihrem amerikanischen Akzent eine äußerst dunkle Note. Die Songs klingen nach feuchter Hitze, nach dunklen Filmen, jeder Track von Wilder könnte der Soundtrack zu einem Film von David Lynch sein oder aus einer modernen TV-Serie wie „Bones“ stammen.

Der Recoil-Sound ist immer schwer, erreicht niemals auch nur den Hauch von elektronischer Leichtigkeit. Stattdessen zeichnen Bässe und Drums finstere Skizzen in Schwarz-Weiß, Streicher-Arrangements ziehen gespenstisch durch die Stücke. Einige Sounds klingen vertraut, scheinen bei den Aufnahmen zu Depeche Modes Album „Songs of Faith And Devotion“ liegen geblieben zu sein. Es war das letzte Album, an dem Wilder mitgewirkt hat. Einige Stellen erinnern an „Barrel of a Gun“, die erste Mode-Single ohne Wilder., insbesondere der Song „Strange Hours“ sei da genannt.

Beeindruckende gesprochene Texte

Recoil will vom Hörer hart erarbeitet sein. Bei Stücken wie „Lucious Apparatus“ oder „Want“ sei dringend empfohlen, auf den gesprochenen Text zu achten. Die Spannung, die in den Worten steckt, steht sinnbildlich für Recoils Musik. Die Texte haben Ecken und Kanten und führen in die Abgründe der Zwischenmenschlichkeit.

Wer „Selected“ hört, weiß, was Depeche Mode zumindest auf den letzten beiden Alben gefehlt hat: Der Hang zur Perfektion, aber auch zum Experiment. Das treibt Alan Wilder mit Recoil auf die Spitze.

Soundcheck mit Alan Wilder

DerWesten bat Alan Wilder zum Soundcheck. Wem die große Fassung über diesem Text zu lang ist, der kann sich das Interview auch in zwei kürzeren Teilen ansehen:

Stefan Reinke

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