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Interview

Posaunist Nils Landgren mit der Lizenz zum Funk

28.05.2009 | 08:27 Uhr
Posaunist Nils Landgren mit der Lizenz zum Funk

Hagen-Hohenlimburg. Alter Schwede! Wenn Nils Landgren mit seiner "Funk Unit" aufkreuzt wie jetzt am 30. Mai in Hohenlimburg beim Festival am Schloss, ist eines garantiert: Das Ergebnis fährt mächtig in die Beine. Christoph Forsthoff sprach mit dem Ausnahme-Musiker.

Nur zu gern demonstriert der polyglotte Musiker, warum gerade er die „Licence to Funk” hat - Christoph Forsthoff sprach mit Nils Landgren.

Stilistisch haben Sie sich eigentlich nie festlegen wollen - doch angesichts Ihrer letzten Alben scheint es, als ließe Sie der Funk nicht mehr los.

Nils Landgren: Das stimmt. Ich bin nun mal mit dieser Art von Musik aufgewachsen. Das mag komisch klingen, ein Schwede, der sich seit jeher mit Funk beschäftigt, aber es ist wirklich so: Ich wollte schon immer diese Musik spielen. Als ich erstmals Funk bewusst wahrgenommen habe, war ich 15 und machte mit meinem Bruder in Paris Urlaub: Wir liefen an einem Plattengeschäft im Viertel Montparnasse vorbei und aus dem Land tönte Musik heraus.

Sie sind bis heute der einzige Posaunist, der ein rot gefärbtes Horn spielt.

Nils Landgren: Seit 1985! Damals sahen alle Instrumente gleich aus, und ich wollte einfach eine andersfarbige Posaune haben. So lange ich meine Posaune gut beherrsche, finde ich es okay, dass ich auch vom Äußeren her eine eigene Farbe habe.

Nun erhält der Jazz ja auch musikalisch aus Schweden, Norwegen und Finnland reichlich neue Farben - woher rührt es, dass ausgerechnet aus Skandinavien so viel Innovatives kommt?

Nils Landgren: Abgesehen davon, dass wir vor allem puren Old-School-Funk spielen, gibt es in der Tat eine wahnsinnig große Menge neuer und spannender Musik aus Skandinavien. Vor allem die Norweger sind da sehr eigensinnig und mutig, versuchen alles zu mischen und mit allem zu spielen, egal ob nun Free Jazz oder Techno - man trifft sich und macht gemeinsam Musik. Und da dies immer auch vor dem Hintergrund der norwegischen Volksmusik-Tradition geschieht, gewinnt diese Musik einfach einen Tonfall, der anders klingt als etwa in Deutschland oder Frankreich.

Aber worin liegt dieser eigene Ton?

Nils Landgren: Skandinavische Volksmusik hat seit jeher von der Improvisation gelebt. Es war Musik zum Arbeiten, zum Feiern oder zum Tanzen - die Musik hatte immer einen Zweck. Und da die Musiker oft ziemlich lang aufspielten, mussten sie zwangsläufig lernen zu improvisieren, sonst hätten sie sich allzu rasch wiederholt.

Hängt dies auch damit zusammen, dass in Skandinavien die Ohren des Publikums offener sind für Neues?

Nils Landgren: Ich hatte das Glück, mir mein Publikum seit 1997 mit immer neuen Projekten kontinuierlich aufbauen zu können. Und wie viele andere Kollegen auch, habe ich für Jazz-Verhältnisse wahnsinnig viele Alben verkauft. Eigentlich unglaublich angesichts der insgesamt eher negativen Entwicklung in der Musikindustrie, doch zeigt dies eben auch: Es gibt ein zunehmendes Interesse von Menschen, sich unsere Musik anzuhören. Ich habe immer meine musikalischen Visionen ausdrücken wollen - und für alle, die so denken, sehe ich auch künftig ein großes Potenzial, ihr Publikum zu erweitern.

Samstag, 30. Mai, Schloss Hohenlimburg, 18.30 Uhr. Karten (21 Euro): 02331/9170

Christoph Forsthoff

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