Neue Musik: Nach-Fragen zu unserer Existenz
28.03.2009 | 10:41 Uhr 2009-03-28T10:41:00+0100Dortmund. Neue Musik hat es schwer im Konzertbetrieb. Die Avantgarde wird oft in spezielle Reihen oder Festivals abgedrängt, wo Liebhaber unter sich sind - eine Ur- und zwei Erstaufführungen im Konzerthaus Dortmund.
Es ist etwas Besonderes, dass in Dortmund jetzt eine Uraufführung und zwei Deutsche Erstaufführungen in einer Woche im Programm waren. Doch das Neue war weit weg von der Experimentierfreude der Avantgarde. In Fabian Müllers Orchesterstück „Taranis“, geschrieben für den Dirigenten Andrey Boreyko, wurde das besonders deutlich.
Der Schweizer Komponist zieht seine Inspiration aus der heimatlichen Bergwelt, huldigt dem keltischen Wettergott Taranis. Die Musik klingt entsprechend monströs, aufgeregt dramatisch, bisweilen mit Naturlauten verziert. Müller verfremdet die Spätromantik, lässt aber keine Distanz erkennen. Tapfer wühlte sich das Berner Symphonieorchester durchs Tongeflecht.
Famose Annette Dasch
Von anderem Kaliber ist Richard Beaudoins Liedzyklus „Nach-Fragen”, geschrieben für die famose Sopranistin Annette Dasch, auf der Grundlage von Christa Wolfs Roman „Nachdenken über Christa T.“. Der amerikanische Komponist lässt das expressionistische Melodram mit solcher Raffinesse und Konsequenz aufleben, dass das Werk zum spannenden Hörerlebnis wird.
Kongenial die Interpretation von Dasch und dem Pianisten Wolfram Rieger, die das Nach-Fragen nach den Grundlagen unserer Existenz ohne Larmoyanz oder erhobenen Zeigefinger zelebrieren.
Schließlich John Adams' neues Streichquartett, vom Widmungsträger St. Lauwrence String Quartet gespielt. Der amerikanische Minimalist gibt sich als Walter der großen Form. Er vermeidet das Geräuschhafte, liebt überbordendes Tempo und rhythmische Delikatesse. Die bohrende Intensität der Interpretation verweist auf Beethoven. Dessen späte Quartette galten einst übrigens als ziemlich wirr.
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