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Moderne Musik

Nahrung für hungrige Seelen

04.03.2009 | 08:36 Uhr

Dortmund. Für den Komponisten Hans Werner Henze ist moderne Musik mit Sinnlichkeit verbunden. Eine Reihe seiner Werke werden in Dortmund vorgestellt.

Jac van Steen, Chef der Dortmunder Philharmoniker, blickt nicht ohne Begeisterung auf die musikalische Moderne. „Wir sind ein Orchester des 21. Jahrhunderts“, sagt er, und das heißt für ihn, Tradition und Neues miteinander in Beziehung zu setzen. Ein Prototyp dieses Denkens scheint Hans Werner Henze zu sein, „der bedeutendste noch lebende Komponist Deutschlands, wenn nicht gar Europas“, wie es Jac van Steen ausdrückt.

Mutter kam aus Witten

Hans Werner Henze. Foto: ddp

Und so hat sich das Dortmunder Orchester das Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren sämtliche Sinfonien Henzes im Konzerthaus aufzuführen, ja sogar, das Gespielte auf CD zu dokumentieren. Henze, dessen Mutter aus Witten stammt, wurde 1926 in Gütersloh geboren, studierte zunächst bei Wolfgang Fortner, später bei René Leibowitz, dem Lehrer für die Zwölftonmusik. Henze indes sah in Strawinsky und Hindemith viel eher seine Vorbilder als in Arnold Schönberg. Mehr und mehr ging der Westfale festem Regelwerk aus dem Weg. Musik war Nahrung für die hungrige Seele, nicht bloß ein raffiniert durchdachtes Konstrukt.

Dieser Anspruch auf Sinnlichkeit schimmert schon in seiner 1. Sinfonie durch, ursprünglich viersätzig für Orchester komponiert (1947), später indes auf eine konzen-triertere, dreisätzige kammermusikalische Fassung reduziert (1963/91). Selbstkritisch sah er sein Original als wenig durchdacht, ja infantil an.

Im Rahmen eines Philharmonischen Konzertes haben nun das Dortmunder Orchester und Jac van Steen diese revidierte 1. Sinfonie einem Publikum vorgestellt, das mit großem Beifall reagierte.

Vorgeschmack auf 2010

Ein Grund mag sein, dass die Moderne hier im klassizistischen Gewand erklingt, sehr durchsichtig, mal spielerisch, mal von großer Emotionalität geprägt. Stets ist das Ringen des Komponisten mit der geschichtsträchtigen Gattung Sinfonie zu spüren, gleichwohl verstehen es die Philharmoniker, einen roten Faden im Labyrinth der Klänge und Rhythmen zu verankern.

Ein gelungener Auftakt, dem im Mai die 8. Sinfonie und dann, in der Oper, „Der junge Lord“ folgen sollen. Dortmund entpuppt sich damit im Übrigen als Vorreiter der Kulturhauptstadt 2010, die Henzes Werk in großem Stil zu Gehör bringen will.

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Martin Schrahn

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