Musik für die Seele - Entspannung kann man hören
16.11.2009 | 09:11 Uhr 2009-11-16T09:11:00+0100
Essen. Musik ist Nervennahrung – dazu muss sie wohldosiert sein und klug ausgewählt.
Von den zahlreichen Zusammenstellungen der Sorte „Musik zur Ruhe” sind zwei uneingeschränkt denen zu empfehlen, die beim Einschalten abschalten wollen. Vier Stunden klassischer Tiefenentspannung vermag „Meditation Classics” (4 CDs, Berlin Classics) auch ohne Wellness-Guru zu vermitteln. Neben Klassikern (also Schumanns Träumerei oder berühmte langsame Sätze wie die aus Griegs Klavierkonzert und Mozarts kleiner Nachtmusik) gibt es von Spohr bis Poulenc (Ent-)Spannendes zu entdecken.
Noch zwei Stunden Musik mehr für gestresste Wesen legt die CD-Kassette „100 Best Adagios” (6 CDs, EMI) drauf. Erstklassig klassisch sind die Interpreten von Berlins Philharmonikern bis zur Sopranistin Arleen Augér. Die Auswahl versammelt unumstrittene Seelenstreichler von Bach bis zum melancholischen Cello-Schwan aus dem „Karneval der Tiere”. Wer da nicht zur Ruhe kommt, sollte um ärztlichen Rat bitten.
"Wandelt sich rasch auch die Welt ..."
Freilich kann nicht jeder bei klassischer Musik entspannen – doch man muss stattdessen nicht zu Walgesängen greifen. Lieber schon zu Keith Jarretts „Spirits” (2 CDs, ECM/Universal) einer Reihe von 26 brillant reduzierten Aufnahmen, die mit Piano und Flöte auskommen und die etwas ganz Urtümliches ausstrahlen. Ihnen hat Jarrett die tröstenden Verse aus Rilkes Orpheus-Sonetten zur Seite gestellt sind: „Wandelt sich rasch auch die Welt/Wie die Wolkengestalten/Alles Vollendete fällt/heim zum Uralten”.
Immer noch zu esoterisch? Dann müssen wohl die Chef-Einschmeichler des französischen Easy-Listening ran: Wer sich zu „Moon Safari” von Air (Virgin) nicht zurücklehnen kann, um sich von sanften elektronischen Loops gepaart mit hingetupften Piano- und Gitarrenminiaturen umwallen zu lassen, dem wird auch die sanfte Stimme von Beth Hirsch nicht das Herz öffnen. Höhepunkte musikalischer Tiefenentspannung: Das verträumte „All I Need” und das sehnende „You Make It Easy”.
Wer dennoch den Wal wählen würde, dem sei allerdings Lisa Gerrards Soundtrack „Whalerider” (4AD/Beggars) wärmstens empfohlen.
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