Martin Gores Instrumental-Album "MG" - Im Rausch der Sinne

Multitalent Martin Gore bei der „Delta Machine“-Tour  in Erfurt 2013.
Multitalent Martin Gore bei der „Delta Machine“-Tour in Erfurt 2013.
Foto: TA
Was wir bereits wissen
Die Zeit zwischen zwei Depeche-Mode-Alben nutzt Martin Gore für Soloprojekte. Im Interview erzählt er, wie rational er vorgeht – und sich trotzdem manchmal fast in der Musik verliert.

Santa Barbara.. Dave Gahan arbeitet gerade mit den Soulsavers und auch Martin Gore ist keineswegs untätig: Nur ein Jahr nach der „Delta Machine“-Tournee seiner Stammformation legt das Mastermind von Depeche Mode das ehrgeizige Solo-Album „MG“ vor, mit dem der 53-Jährige stilistisches Neuland betritt. Warum, verrät er beim Interview in seiner kalifornischen Wahlheimat Santa Barbara.

„MG“ erinnert vom Titel her an „VCMG“. Dabei ist es kein Techno, sondern Instrumentalmusik. Wie kommt’s?

Martin Gore: Nach „Delta Machine“ hatte ich noch vier oder fünf Instrumentalstücke übrig, für die kein Platz da war. Ich hatte die Wahl, sie zu entsorgen oder ein anderes Zuhause für sie zu finden. Christoffer Berg, der mit uns auf Tour war, meinte: „Hast du mal darüber nachgedacht, ein Instrumental-Album aufzunehmen?“ Das fand ich interessant. Einfach, weil es etwas ganz anderes war. Etwas, das ich in der Form noch nie probiert habe, weil es ohne Texte auskommt, dafür aber sehr cineastisch ist.

Sie verbringen so viel Zeit im Studio. Ist Ihr Archiv nicht randvoll?

Gore: Wenn ich an etwas wie diesen Instrumental-Geschichten arbeite, dann verbringe ich schon mal ein paar Wochen mit einem einzigen Track. Sollte ich ihn dann nicht mögen oder merken, dass ich da nicht weiterkomme, lösche ich ihn einfach. Ich hebe ihn nicht auf, sondern trenne mich davon – und zwar bewusst. Ich versuche, da sehr rational zu sein.

Wie viele Tracks haben Sie für „MG“ geschrieben? Was ist da übrig geblieben?

Gore: Im Grunde nichts. Da sind 16 Tracks auf dem Album und dann noch ein paar Bonus-Tracks. Deshalb habe ich irgendwann gesagt: „Okay, jetzt ist es Zeit, aufzuhören.“ Denn diese Instrumentals zu schreiben, war ein solcher Spaß, dass ich ewig damit hätte weitermachen können. Im Ernst: Ich lief wirklich Gefahr, mich darin zu verlieren. Nur: Irgendwann muss ich halt wieder zu richtigen Songs zurückkehren.

Mussten Sie noch bildlichere Klänge komponieren, um die fehlenden Worte zu kompensieren?

Gore: Es ist definitiv etwas anderes als das, was ich sonst mache. Denn wenn du Songs mit Texten schreibst, sind die Worte und die Gesangsmelodie ganz klar das Wichtigste. Und wenn du darauf verzichtest, hat die Musik einen anderen Charakter. Nun ist da eine Leere, die du ausfüllen musst. Und das auf eine Art und Weise, die den Hörer genauso fesseln sollte.

Geht es Ihnen um ein möglichst breites emotionales Spektrum?

Gore: Ja, es sollte so abwechslungsreich und spannend sein, wie eben möglich. Deshalb die unterschiedlichen Stile, die ja auch im Instrumental-Bereich möglich sind und hoffentlich für ein möglichst spannendes Kopfkino sorgen.

Hatten Sie bei „Elk“ wirklich einen Elch im Sinn? Und: War der Titel zuerst da oder hat Sie die fertige Musik inspiriert?

Gore: Ich habe meine Gründe, warum ich bestimmte Namen für die Stücke gewählt habe. Aber für Außenstehende sind sie nicht ganz so offensichtlich – und das ist auch gut so. Denn das Tolle ist: Du hörst die Musik, du siehst den Titel und du lässt dich von deiner Vorstellungskraft und deiner Fantasie treiben.

Wann beginnen Sie mit den Aufnahmen zum neuen Depeche-Mode-Album?

Gore: Eigentlich schon in den nächsten Wochen. Wobei das ein sehr aufwendiger Prozess ist. Ich werde damit bestimmt über ein Jahr beschäftigt sein. Und ich habe noch kein Konzept und keine Idee, was ich da technisch benutzen werde. Ich lasse das auf mich zukommen.