Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Pop

Mark Knopflers Karriere begann an der Tennisschläger-Gitarre

18.02.2010 | 13:21 Uhr
Mark Knopflers Karriere begann an der Tennisschläger-Gitarre

Essen. Mark Knopfler geht demnächst wieder auf Tour. Im Gepäck hat er jede Menge Hits - und sein aktuelles Album "Get Lucky". Jürgen Overkott sprach mit der lebenden Rock-Legende über Glück, Zocken und Tennisschläger.

Du hast alles erreicht, was Du erreichen wolltest. Ist es nicht langweilig geworden, ins Studio zu gehen, um eine neue Platte aufzunehmen, und dann noch auf Tournee?

Mark Knopfler: Nee, überhaupt nicht. Für mich ist es das Schönste, was es gibt: neue Lieder zu schreiben. Ich habe jetzt ein neues Studio mit allermodernster Technik. Ich bin gerne da. Nein, Musik ist mein Leben.

Du gehörst zu den Musikern mit den größten Umsätzen überhaupt. Hast Du manchmal Lust, ein Geld-Bad zu nehmen wie Onkel Dagobert?

Mark Knopfler: (lacht) Was, Onkel Dagobert? Nein, nein, Geld bedeutet mir überhaupt nichts.

Also nicht "Money For Nothing", sondern eher "Nothing For Money".

Mark Knopfler: Nein, ernsthaft. Geld spielt natürlich schon eine Rolle, aber nur als Mittel, um Ziele zu erreichen, die mich wirklich interessieren - zum Beispiel eine tolle Gitarre zu kaufen.

Sammelst Du Gitarren?

Mark Knopfler: Oh ja. Ich glaube, ich habe an die 80 Gitarren.

Hast Du eine Lieblingsgitarre?

Mark Knopfler: Ja, die von Monteleone, John Monteleone.

Eine Spezialanfertigung?

Mark Knopfler: Ja, die hat er extra für mich gemacht. Die Gitarre finde ich derart toll, dass ihm, John Monteleone, sogar ein Lied gewidmet habe auf dem neuen Album.

Dein neuestes Album heißt "Get Lucky". Bist Du glücklich?

Mark Knopfler: (im Brustton der Überzeugung) Ja. (Pause) Ja, ich bin wirklich ein Glückspilz. Und Du?

Ich habe einen Beruf, den ich immer ausüben wollte.

Mark Knopfler: Und das ist Dein Leben?

Genauso ist es.

Mark Knopfler: Es ist fantastisch, genau das machen zu können, was man am besten kann.

Das Cover-Foto zeigt den Eingang eines Casinos. Bist Du ein Zocker?

Mark Knopfler: Nee, mit Spielen kann ich überhaupt nichts anfangen.

Nicht mal mit Karten?

Mark Knopfler: Na gut, ja, beim Pokern sehe ich gerne mal zu. Aber ich betonen: Ich sehe zu, ich spiele es nicht. Findest Du das nicht auch ziemlich langweilig?

Na, damit kann man bestenfalls die Zeit tot schlagen.

Mark Knopfler in der Arena Oberhausen. Foto. Rottmann

Mark Knopfler: Es gibt so viele andere Dinge, die man in dieser Zeit tun kann. Ich bitte Dich: Poker. Das ist ein Ding, das Dich überhaupt nicht fordert. Da passiert doch im Kopf gar nichts.

Pokern scheint aber, wenn ich an die Wirtschaftskrise denke, eine beliebte Form zu sein, Unternehmen zu führen, vor allem Banken. Muss man als Unternehmer heute ein Zocker sein?

Mark Knopfler: Ich glaube, in mancher Hinsicht ist das so. Aber es sollte nicht so sein. Mit der unternehmerischen Freiheit wird Missbrauch getrieben. Das ist das Schlimme an der jetzigen Situation.

Wie können wir unsere Wirtschaft reparieren?

Mark Knopfler: Also, ich sage ganz deutlich: Wir brauchen mehr öffentliche Kontrolle, mehr Aufsicht über die Wirtschaft. Vor einiger Zeit sind die Spielregeln, die Auflagen für die Wirtschaft gelockert worden, und genau das macht uns heute Probleme.

Lass uns mal von Banknoten zu Gitarrennoten gehen. Auf Deiner neuen Scheibe schlägst Du keltische Töne an. Wie stark sind Deine schottischen Wurzeln?

Mark Knopfler: Na ja, ich bin in Glasgow geboren, und schottische Folk-Songs war das erste Zeug, was ich als Kind gehört habe. Es war also nicht schwer für mich, diese Erinnerungen wieder hervor zu kramen. Aber ich habe meine eigene Version dieser Songs gemacht. Ich wollte einfach Neues schöpfen.

Du hast einen deutschen Nachnamen, und oft heißt es, die Briten mögen Deutsches nicht übermäßig. Hattest Du je Probleme wegen Deines Nachnamens?

Mark Knopfler: ...bestenfalls mit der Aussprache. Es gibt da viele Möglichkeiten, meinen Namen falsch auszusprechen. Aber ich komme damit zurecht.

"Meine erste Gitarre war ein Tennisschläger"

Unsere Welt verändert sich so schnell wie nie zuvor. Wie wichtig sind da Traditionen?

Mark Knopfler: Na, gegen den technologischen Fortschritt habe ich nichts. Ich habe ja ganz offensichtlich einen Beruf gefunden, der krisensicher ist. Umgekehrt versuche ich, das Modernste vom Modernen zu kaufen, wenn ich an mein Studio denke. Ich versuche aber, das Beste vom Neuen mit dem Besten vom Alten zu verbinden.

Veränderungen sehen wir auch in der Musikindustrie. LP und CD waren gestern. Heute sind Computer-Programme wie "Guitar Hero" angesagt. Hat das Zukunft?

Mark Knopfler: Na, die Zukunft im eigentlichen Sinn sicher nicht. Aber: Ich sehe auch was Gutes in derartigen Programmen. Für Kinder bedeuten sie, dass sie schon mal so etwas Ähnliches wie eine Gitarre in der Hand haben. Es vermittelt ihnen ein Grundgefühl für Musik. Weißt Du, wie ich anfangen habe? Ich habe einen Tennisschläger wie eine Gitarre gehalten. Tennis spiele ich übrigens heute noch gern.

Jürgen Overkott

Facebook
 
Kommentare
18.02.2010
21:55
Mark Knopflers Karriere begann an der Tennisschläger-Gitarre
von Musiksammler | #3

Nachtrag zu #2

für alle , die ihn noch nie Live erlebt haben:

guck´s du hier... ;-)

http://www.youtube.com/watch?gl=DE&feature=related&v=gjJzlIedCuo

18.02.2010
15:29
Mark Knopflers Karriere begann an der Tennisschläger-Gitarre
von Musiksammler | #2

Mark Knopfler - einer der ganz großen Gitarristen unserer Zeit! Ich bin seit über 30 Jahren Fan der Dire Straits und werde sein Gitarrenspiel nie leid! Das ist noch echte handgemachte Musik, die man in hundert Jahren zur Klassik zählen wird, im Gegensatz den meisten Produkten, mit denen heute sogenannte Musiker ihr Geld machen. Mark Knopfler ist ein Künstler, der seine Banknoten wirklich verdient hat.

PS zu #1 von Pepemusic:
soweit ich weiß, lässt man das K weg, also demnach: Nopfler

18.02.2010
15:02
Mark Knopflers Karriere begann an der Tennisschläger-Gitarre
von PepeMusic | #1

Wow! Der Kerl klingt ja äußerst sympathisch! Get Lucky habe ich jetzt seit Monaten im Regal stehen... ich hoffe, ich finde irgendwann Zeit, das Album zu hören!

Wie spricht man seinen Nachnamen denn nun richtig aus? :o)

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2601973/create

Aktuelle Fotos und Videos
Das 10. Rock Hard
Bildgalerie
Festival
Tanzhommage an Queen
Bildgalerie
Kultur Pur 2012
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Großartig, irre - einfach Gaga
Bildgalerie
Lady Gaga
Aus dem Ressort
"Die Ärzte" lassen sich in Oberhausen von "Kiss" inspirieren
Beste Band der Welt
"Die Ärzte" in Oberhausen - das ist seit langem eine Liebesgeschichte. Die beste Band der Welt schmeichelte ihrem Publikum mit Sprüchen und musikalisch - auch wenn manche Fans die alten Hits vermissten. Einen Kniff hat sich die Band bei "Kiss" abgeguckt.
Foto 4 Kommentare 4
Türkischem Pianisten Fazil Say droht Haftstrafe
Regierungskritiker
Dem bekanntem türkischen Pianisten Fazil Say drohen eineinhalb Jahre Haft. Say soll auf Twitter den Islam beleidigt haben. Die türkische Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Say hat auch eine Verbindung nach NRW.