Los Van Van verwandelte "domicil" in Hexenkessel
18.03.2010 | 14:43 Uhr 2010-03-18T14:43:00+0100Dortmund. Frühlingserwachen in Dortmund: Die kubanische Kult-Band Los Van Van taute bei einem Konzert in Dortmund mit einer siedendheißen Show die letzten emotionalen Schneereste eines allzu langen Winters weg. Der Jazzclub „domicil“ gerät binnen weniger Minuten zu einem brodelnden Hexenkessel.
Seit 1969 machen Los Van Van Musik. Die Band besteht aus Vielharmonikern und Polyrhythmikern. Die Truppe brachte Salsa und Timba auf Vordermann; so setzte sie erstmalig elektronisches Gerät wie Synthesizer ein.
Eine Art Big-Band
Die aktuelle Besetzung erinnert – zumindest von der Größe – an eine Big-Band: Yenisel Valdes Fuentes, Abdel Rosales Sotolongo, Mario Enrique Rivera Godinez und Roberto Hernandez Acea stehen als Vokalisten an der Rampe, singen in wechselnden Kombinationen, mal zusammen, mal allein.
Mindestens genauso wichtig: Die Sänger heizen dem Publikum ein, appellieren an Heimatgefühle der reichlich vertretenen südamerikanischen Exilanten, beschwören das Gemeinschaftsgefühl einer Salsa-Gemeinde, natürlich durchweg in Spanisch.
Der frenetische Gesang wird begleitet von Samuel Formell Alfonso, einem fantastischen Drummer, bei dem es kaum glaublich erscheint, dass er nur über zwei Arme und zwei Beine verfügt. Seine rhythmischen Gegenparts: Manuel Labarrera Hernandez an den Congas, Julio Eladio Norona Cruz am Guiro. Pavel Molina Ruiz lässt einen stoischen Bass pulsen.
Dazu kommen Musiker, die locker zwischen Solo und Begleitung hin- und herswitchen: Jorge Leliebre Sorzano (Piano, Querflöte), Roberto C. Rodriguez (Piano) und Boris Ernesto Luna Mendez (Tasten).
Das reine Posaunen-Gebläse besorgt weiche Klangfarben; es verzichtet auf Saxophone. Ins Horn stoßen Hugo Antonio Morejon Gomez, Alvaro Collado Martinez und Edmundo Carlos Pina Machin.
Geiger gingen verloren
Leider gingen die beiden Geiger Irving Roberto Frontela Rico und Pedro Cesar Fajardo Alzaga im unausgewogenen Gruppensound verloren.
Dass es mit dem Klang im ausverkauften „domicil“ nicht zum Besten stand, konnte den kollektiven Frohsinn nicht stoppen. Im Gegenteil: Los Van Van besorgte dem Publikum mit populärem Liedgut und ausgedehnten Arrangements einen Urlaub für die Ohren, und die bunt gemischten Fans tanzten ihren Winterfrust kurzerhand weg.
11:09
Liebe Su.Bomba,
hätte ich die Info gehabt, hätte ichs erwähnt (manche Ansagen kamen mir schlicht Spanisch vor *g). Danke für den Nachtrag.
Zum Sound: Ich habe auch Vollalarm schon besser gehört. Aber der Stimmung tat es ja keinen Abbruch.
23:37
Sehr geehrter Jürgen Overkott,
es dauerte nicht Minuten, sondern Sekunden, exakt vier Takte, bis der Saal zu einem brodelnden Salsakessel wurde.
Dieses Konzert war in der Tat das größte und beste Ereignis, das die Salsagemeinde in Dortmund jemals gesehen hat.
Tausend Dank dem Domicil, welches das Konzert ermöglicht und perfekt organisiert hat! Auch der Sound war für eine so fette Band im Vollalarm bestmöglich.
Nur leider wird der großartige, spontane Gastauftritt des Posaunisten Ardiles Ruiz (Elio Reve, Afro Cuban All Stars), international bekannter Posaunist mit Heimat in Westfalen, im Artikel nicht erwähnt.
Fotos des Konzertes und der nachfolgenden Party sind ab Mittwoch online unter www.SalsaBomba.de zu sehen.