Lana del Rey - Femme fatale aus hübschem Plastik
27.01.2012 | 17:38 Uhr 2012-01-27T17:38:00+0100
Essen. Sie wird als neue Diva gehandelt, doch Lana del Reys Debütalbum „Born To Die“ ist so durchkalkuliert, dass man die Freude am Retrosound schnell verliert. Zudem bedient sie ein Frauenbild, das aus den 60er-Jahren stammt und jede Frau von heute auf die Barrikaden treiben sollte.
An der schönen These, dass Pop heute nur noch als Zitat oder gar als Zitat von Zitaten funktioniert, ist viel Wahres. Wenn man sich die letzten 15 Jahre noch einmal durch die Ohren gehen lässt, stellt man fest, dass wir uns nach Techno (vielleicht auch Grunge) nur noch in einem Hamsterrad der immer wiederkehrenden Retrotrends bewegen. Insofern ist der Erfolg von Lana del Reys „Video Games“, dieser dermaßen aus der Gegenwart gerissenen, melancholischen Ballade, in der Zeit nach Amy Winehouse alles andere als eine Überraschung.
Man muss eben nur die richtigen Knöpfe drücken, um Gefühle sanfter Sixties-Seligkeit auszulösen: Rauchig-melancholischer Gesang, Streicher im Cinemascope, ordentlich verhallte Gitarren, eine Orgel, schon ist die Atmosphäre gezaubert. So funktioniert auch „Born To Die“, das jetzt erschienene Debüt der 25-Jährigen Lana del Rey, das als winziges Zugeständnis an die Gegenwart Texte auch mal sanft rappen lässt.
Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn da eine Künstlerin mit eigenen Ideen tief in Papas Plattenkiste gebuddelt hätte. Doch Lana del Rey ist keinen Deut authentischer als Lady Gaga, sie ist eben nur dezenter, inszeniert sich mal als Mädchen aus dem Trailerpark, mal als Femme fatale mit deutlich aufgespritzten Lippen, mit manikürten Nägeln und einem Blick, den sie sehr lange von der Bardot abgeschaut haben muss.
Wer da im Hintergrund die Knöpfe drückt, ist Guy Chambers, der maßgeblich für den Erfolg von Robbie Williams verantwortlich zeichnet, und Eg White, der mit Duffy eine blütenreine Version von Amy Winehouse schuf und auch bei Adele die Finger im Spiel hat.
„Born To Die“ schöpft das genannte Repertoire voll aus, allerdings hat keiner der anderen Songs die Intensität von „Video Games“. Das gilt für die ebenfalls mit angezogener Handbremse losfahrende Nachfolgesingle „Born To Die“. An manchen Stellen hellt sich die Stimmung sogar so auf, dass man das Album heterogen nennen darf. Die Streicher im munter gerappten „National Anthem“ sind von „The Last Time“ der Rolling Stones entlehnt. Allzu oft offenbart sich, dass auch del Reys Frauenbild aus den 60ern stammt, als der starke Kerl das Geld heranschaffen, die schmucke Frau zu ihm aufschauen musste. Und das ist ein Retrotrend, den keine Frau – ungeachtet aller großen Gefühle – heute gutheißen kann.
- Lana del Rey: Born To Die (Vertigo/Universal)
14:28
Georg Howahl bringt es in seinem Artikel auf den Punkt! Und ich könnte jetzt auch den kompletten Kommentar von #8 foxtrott nochmal zitieren und jeden Satz unterstreichen !
12:26
Video Games ist nach meinem Geschmack ein schönes Lied.
Alles andere ist großkopferter Schw...sinn von selbsternannten Experten, die selbst nur mit Mühe den Schalter des MP3-Players bedienen können.
Kastraten wissen auch, wie es geht, es nützt ihnen aber nichts.
11:06
Treffsicherer Kommentar von Georg Howahl, welcher natürlich nicht von jedem Pop-Lover verstanden wird. Wer die Anfänge von Lana del Rey verfolgt hat, kann sich an die wirklich poppigen, etwas naiven, aber sehr originellen Songs von ihr erinnern. dagegen sieht sie nun aus wie eine geliftete Vierzigjährige mit Schlauchbootmund, und der Pop ist extrem langweilig.Fliessbandmusik.
21:02
Nach Jahrzehnten des Gender-Mainstreaming, wo keiner mehr weiß was er eigentlich ist tun männerfreundliche Lieder gut. Es gibt Männer- und Frauenrollen, mit denen beide gut leben können.
ebent! ging früher ja auch ;-)
20:33
ich möchte wissen was herr howahl eigendlich für musik hört!!
diesem mist der in 1nem monat eh keiner mehr hört oder sachen die doch schon 20-30 jahre alt sind.
und wären diese sachen dann nicht auch retro????
ach nee geht ja nicht.
die sind ja von damals.
und komisch ist doch das die alten sachen immernoch sehr gerne gehört und gekauft werden.
aber das neue heute????
mist alla dsds und co.
17:03
Wie schon bemerkt kommt PopMusik von populärer, also von volksnaher Musik. Und diese Musik ist es, welche die erste Single von LdR so besonders macht.
Das der Autor offensichtlich der englischen Sprache mächtig ist freut mich für Ihn, aber mal ehrlich, den Rest der deutschen Zuhörer interessiert der englische Text überhaupt nicht, da er sich doch gar nicht die Arbeit einer Übersetzung macht.
Da würden wir aber bei Prüfung der momentan populären Songs die eine oder andere Überraschung erleben.
"Dass der Autor offensichtlich der englischen Sprache mächtig ist freut mich für Ihn, aber mal ehrlich, den Rest der deutschen Zuhörer interessiert der englische Text überhaupt nicht,..."
Sie haben es auf den Punkt gebracht. Der Zuhörer hat natürlich die Tendenz, fremdsprachliche Texte, zumal sie schwer verständlich sein mögen, gar nicht der Mühe der Übersetzung zu unterziehen, sondern sie schlicht und einfach als eine Bereicherung der Musik wahrzunehmen. Es ist aber Pflicht des Musikkritikers, sich in seiner Kritik nicht nur der Musik anzunehmen, sondern auch des Textes, wenn er vorhanden ist. Und das ist hier der Fall.
"...da er sich doch gar nicht die Arbeit einer Übersetzung macht. "
Braucht er auch nicht. Es gehört nicht zur Aufgabe des Kritikers, in seinen Artikel den geneigten Lesern Übersetzungen zu liefern. Die finden Sie im Internet, z.B. für "Video Games" unter
http://www.songtexte.com/uebersetzung/lana-del-rey/video-games-deutsch-53d6871d.html
Lesen Sie sich den Text zum Song durch, und Sie werden feststellen, daß die Kritik Georg Howahls bezüglich des Textinhalts durchaus berechtigt ist.
16:15
wow Georg, jetzt haste es ihr aber gegeben, du Frauenversteher. Ob Lana das auch nur peripher tangiert?
16:09
Mangelnde Authentizität in der Pop-Musik zu beklagen ist für meinen Geschmack zwar irgendwie nachvollziehbar, aber auch ungefähr so, als würde man sich darüber ärgern, dass man im Freien auch mal nass werden kann. Heisst ja nicht von ungefähr Pop(ularitäts)-Musik - was die Kunden wollen, bekommen sie eben auch. Einfach mal mehr Metal hören, da gibt es weniger Trends und Anbiedereien : ) Authentisch ist der Artikel als solcher in meinen Augen auch kein Stück (viel zu theoretischer Ansatz). Der Hinweis auf das vermeintlich überkommene Frauenbild von Mrs. Del Rey ist sogar ärgerlich: Trauen Sie es den (erfreulicherweise) heute sehr viel selbstbewussteren Damen nicht zu, damit richtig umgehen zu können? Sie wollten mit Ihrem Hinweis wohl "p. c." sein, hat aber nicht so ganz funktioniert.
16:05
Ein ziemlich überflüsiger Kommentar, denn er ignoriert, dass es hier um Pop- Musik geht, nicht um ein frauenfeindliches Weltbild oder ähnliches. Soweit ich weiß, ist es ihr erstes Album, warum muss das gleich perfekt sein?
Video Games ist zunächst mal einfach ein gutes Lied, das positiv aus der Girl- Band- und Gaga- Gleichförmigkeit hervorsticht, eins, für das es sich lohnt, das Autoradio mal ein bisschen lauter zu drehen. Vielleicht nur solange, bis mans nicht mehr hören mag.
Denn das ist fließend: nicht umsonst könnten viele bekannte Pop- Songs sowohl ind den "100 erfolgreichsten..." als auch in den "100 nervigsten..." auftauchen.
Ich tendiere eher dazu, neue Talente erst nach ihrer Lerhzeit zu beurteilen; die hat mit dem 1. Album gerade mal angefangen, ich wünsche ihr, dass sie ihre Lehre durchsteht und sich musikalisch erweitert.
17:56
[Spam]
Nee. Eher ein Ring Fleischwurst. Im Gesicht.