Klavier-Festival Ruhr : Die Zeit der flinken Finger
31.01.2009 | 09:08 Uhr 2009-01-31T09:08:00+0100Ruhrgebiet. Am 8. Mai beginnt das Klavier-Festival Ruhr 2009. Bis zum 17. Juli geben 82 Pianisten aus 18 Ländern 77 Konzerte in 15 Revier-Städten. Zum ersten Mal gibt es Cembalos zu hören, schließlich wird Händel gespielt. Aber nicht nur.
Die Jubiläen der Altmeister spielen beim Klavier-Festival Ruhr nicht immer eine Rolle. Zuletzt hatten von 2004 an gleich drei Spielzeiten Mozarts 250. Geburtstag im Fokus. Danach wurde der Blick auf Beethoven (2007) und Schubert (2008) gerichtet. Nun sind wir wieder bei runden Daten: Gleich drei Komponisten gilt es zu feiern: Händel (250. Todestag), Haydn (200. Todestag) und Mendelssohn Bartholdy (200. Geburtstag). Nächstes Jahr kommt's noch toller. Im Kulturhauptstadtjahr nullen die Granden romantischer Klaviermusik, Schumann und Chopin (200. Geburtstag). Eine große Chance für das Festival.
„Brendel, Händel, Haydn & Mendelssohn” – so lautet das launige Motto in diesem Jahr. Alfred Brendel? Der 78-Jährige hat 2008 seinen Abschied vom Konzertpodium bekannt gegeben. Dass in Mülheim ein regelrechtes Brendel-Festival veranstaltet wird, verwundert dennoch nicht sehr.
Der Nestor der Klaviermusik hat schon damals angedeutet, er höre ja nicht auf zu leben, und dabei Werkstattkonzerte und ähnliche Formate angekündigt. In Mülheim geht's um die Themen „Charakter in der Musik”, „Licht- und Schattenseiten der Interpretetion” und „Das umgekehrt Erhabene – über den Humor in der Musik”. Diese „Lectures” kann man als „Meisterklasse für das Publikum” begreifen. Hinzu kommen Konzerte von Brendel-Zöglingen wie Paul Lewis, Till Fellner oder dem 16-jährigen Kit Armstrong. Oder Tim Horton, der mit Brendels Sohn Adrian (Violoncello) musiziert.
Die Auseinandersetzung mit Händel bringt es mit sich, dass erstmals auch Cembalisten eingeladen wurden. So kann man Pascal Dubreuil und Léon Berben mit Soloprogrammen erleben. Durch den Kosmos von Haydns Klaviersonaten führt der große Ungar András Schiff, der am 30. Juni im Konzerthaus Dortmund den Preis des Klavier-Festivals entgegegnnimmt.
Mendelssohn wird mit Klavierkonzerten und Klaviertrios gewürdigt (André Previn, Anne-Sophie Mutter und Lynn Harrell sowie Jean-Yves Thibaudet, David Garrett und Gautier Capuçon).
Zu den fünf exklusiven Angeboten der „JazzLine” zählt auch das Eröffnungskonzert in der Bochumer Jahrhunderthalle mit dem amerikanischen Shootingstar Gerald Clayton und der SWR Big Band. Michel Camilo ist wieder dabei (u. a. mit einem Kinderkonzert), Chick Corea ist wieder vertreten, ein ganz besonderes Schmankerl ist jedoch das Zusammenspiel von Lang Lang und Herbie Hancock.
Jüngster Debütant ist in diesem Jahr der 12-jährige Chinese Niu Niu, der bereits bei EMI unter Vertrag ist und unter anderem Mozarts Jeunehomme-Konzert spielen wird.
Auch für Kuriositäten ist wieder Platz: So spielen Maki Namekawa und Dennis Russell Davies aus Zemlinskys Bearbeitungen der Haydn-Oratorien „Die Schöpfung” und „Die Jahreszeiten” für Klavier zu vier Händen. Auch bei der „Extraschicht” ist das Klavier-Festival wieder in der Jahrhunderthalle vertreten. Wenig Verständnis zeigte Franz Xaver Ohnesorg, dass der Spielort diesmal nicht mehr als Drehscheibe des revierweiten Angebots ausgewiesen ist. „Ich hoffe nicht, dass wir damit drohen müssen, nicht mehr mitzumachen”, so der Intendant des Klavier-Festivals.
Kartenvorverkauf: Tel. 0180 / 5001812
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