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Jazz Inbetween: immer mit Überraschungen

09.01.2008 | 07:41 Uhr

In Münster begeisterte das spannende Zwischenspiel zum Biennale-Jazzfestival. Hier können traditionell auch ambitionierte Vielhörer neue Klänge entdecken und interessante Musiker erleben

Münster. Wenn man den angeblich so sturen Westfalen eines attestieren kann, dann eine gesunde Neugier. Obwohl am Dreikönigstag kein Stern den Weg zu den Städtischen Bühnen Münster wies, war "Jazz Inbetween" - das immer wieder spannende Interludium zwischen dem als Biennale stattfindenden Jazzfestival - traditionsgemäß Wochen vorher ausverkauft.

Und wie gewohnt verwöhnte Fritz Schmücker seine Gäste mit einem klug strukturierten Abend, der vom intimen Solo bis zur knackigen Großformation, von modernen Jazz-Klängen bis zu opulenten Rock-Reminiszenzen reichte und dazu einen Blick auf die aktuelle europäische Szene warf. Auch das gehört in Münster zur Tradition: selbst ambitionierte Vielhörer mit neuen, interessanten Klängen und entdeckungswürdigen Musikern zu überraschen.

Der belgische Pianist Jef Neve ist so ein Fall: exzellent ausgebildet, unverkrampft neugierig und von spritziger Musikalität, die begeistert und trotz gelegentlicher Anklänge an bekanntere Kollegen einfach Spaß macht. Fabelhaft, wie sich der 30-Jährige in die Tasten krallte, mal träumerische Romantizismen ziselierte, mal melodiöse Ohrwürmer drechselte, um dann wieder in freien Gefilden zu schwelgen. Punktgenau und erfrischend unkonventionell begleitet von Piet Verbist (Bass) und Teun Verbruggen (Drums), die zusammen einen wunderbaren, intellektuell aufregenden, musikalisch aber eher unkomplizierten Ausklang von "Jazz Inbetween" boten.

Bernard Struber und sein Z' Tett hatte den Abend mit Zappa-Arrangements eröffnet - einst hatte der Bürgerschreck postuliert, der Jazz sei nicht tot, er rieche nur streng . . . Mit gallischem Witz versprühten der Elsässer Gitarrist und seine neunköpfige Band ein amüsantes "Parfum de Récidive" - so der Titel der neuen CD. In den munteren Klängen fanden sich Avantgarde, folkloristische und Rock-Elemente zu einem bunten "bitches brew", in dem lustvoll Klischees abgekocht und zu neuen Köstlichkeiten verbastelt wurden. Tosender Applaus für ein lautstarkes Vergnügen, dem Fritz Schmücker ein außerordentlich leises folgen ließ.

Was Luciano Biondini aus seinem Knopf-Akkordeon zauberte, war himmlisch. In irrisierender Pracht entwarf der Italiener grandiose Klanglandschaften. Intensiv, farbenreich, atemberaubend, hypnotisierte Biondini sein Publikum: ein rauschhaftes Hörabenteuer, wie es examplarisch ist für das "Jazzfestival Münster". Vom 9. bis 11. Januar 2009 wird es seinen 30. Geburtstag feiern.

Von Sven Thielmann

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