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Janosch Moldau - Sanfte Klänge für düstere Tage

13.07.2009 | 23:16 Uhr
Janosch Moldau - Sanfte Klänge für düstere Tage

Essen. Der Elektro-Popper Janosch Moldau ist nur einer relativ kleinen Fan-Gemeinde bekannt. Zu Unrecht, denn der Musiker überzeugt mit fein ausgetüftelten Sounds in wohligem Moll. Seine Songs sind nicht schnell, aber nie langweilig.

"Motel Songs" heißt der aktuelle Longplayer des Ulmer Musikers Janosch Moldau. Auf der Scheibe befinden sich elf starke Elektro-Songs, die bei aller Abwechslung eines gemeinsam haben: Melancholie.

Hoffnung auf mehr Geschwindigkeit

Janosch Moldau mit Gitarre.

Warme Klänge, angenehme Harmonien, ein paar treibende Beats, ausgetüftelte Sounds, wohldosierte Geitarren-Riffs - Janosch Moldau macht auf "Motel Songs" fast alles richtig. Fast, weil zart besaitete Hörer beim Genuss des Albums auf Gedanken kommen könnten, die so düster sind, wie die Grundstimmung in Moldaus Songs. Zwar wird das Album nie langweilig, dennoch wartet der Zuhörer zwangsläufig auf etwas Abwechslung, auf mehr Tempo - einfach auf den Moment, an dem Moldau zur Sache kommt und endlich zeigt, was er kann. "Mehr Tempo!", will man ihm zurufen.

Manche Lieder wecken Hoffnung, gleich komme der Moment, an dem die Post abgeht. Die aktuelle Single "Clear" ist so ein Stück. Der Song ist das sechseinhalbminütige Versprechen, anspruchsvolle Elektro-Musik tanzbar zu machen. Moldau hält es nicht. Kann er auch nicht. "Ich mache meine Musik aus dem Bauch heraus und kann das gar nicht steuern", erklärt er. "Ich bin mit meiner Musik zufrieden, ich höre auch gerne melancholische Musik."

Poppigeres Album in Arbeit

Dennoch arbeitet Moldau zurzeit an poppigeren Stücken, die auf seinem im kommenden Jahr erscheinenden Album zu finden sein werden - falls er sich doch noch überlegt und wieder die Fahrt rausnimmt.

Janosch Moldaus Musik ist ein gelungener Gegenentwurf zu den immer perfekt klingenden Pet Shop Boys oder zu allzu synthetischem Synth-Pop. Bei dem Ulmer darf es gerne auch mal Lo-Fi sein, dann kratzt der Sound, die Gitarre schrammelt. Oder er macht es gleich ganz akkustisch, wie in der "Almost Bare"-Version von "One with the Sinner" auf der aktuellen Doppel-Single "Clear / One with the Sinner".

Insofern muss man "Motel Songs" als perfekt gelungenes Album betrachten. Aus neutraler Sicht allerdings fehlt über die gesamte Strecke doch der Drive und die Frage: "Wann legt der Kerl endlich los?"

Stefan Reinke

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