Im Zelt mit Amy Macdonald
06.09.2009 | 23:43 Uhr 2009-09-06T23:43:00+0200
Bochum. Wenige Lieder, starkes Flair: Die schottische Sängerin und Songschreiberin Amy Macdonald setzte mit ihrem Konzert den Schlussakkord beim Zeltfestival Ruhr.
Nachts nach drei Uhr aufgewacht, im Kopf tanzt der „Poison Prince”, „the night away”. In den Ohren hallen volle Akkorde nach und die lebendigen kleinen Akzente, mit der die Band immer wieder die Melodien überraschte - kann ein Konzert seinen Zuhörern mehr (mit)geben als Musik bis in den Morgen?
Dabei reicht das Repertoire von Amy Macdonald tatsächlich für kaum mehr als eine Stunde. Eine einzige Platte hat die Schottin bislang gemacht, sie tourt jetzt drei Jahre lang damit und findet ja selbst: Die Konzerte sind immer anders, aber die Lieder immer dieselben, es muss was passieren. Und deshalb war dieser Auftritt in Bochum nicht nur für das Zeltfestival Ruhr, sondern auch für Amy selbst ein krachender Schlussakkord: „Das Ende des ersten Kapitels."
Wenn sie singt ist sie eine Göre mit Röhre
Die eigentlich brünette Sängerin begeht es blond, trägt artige Spangen in den Strähnen, dazu ein rotgestreiftes Kleidchen. Schüchtern sieht sie aus, und so spricht sie auch (wenn man denn Schottisch verstünde). Aber als die 21-Jährige singt, ist sie kein kleines Mädchen, dann ist sie Göre mit Röhre. Die klingt, als hätte sie diese Stimme er-lebt; andere züchten solche Klänge in der Kneipe. Amy Macdonald aber röhrt nicht aus der Tiefe, sie kann variieren und ist sehr konzentriert dabei - man sieht sie spät das erste Mal lächeln.
Und doch ist da Spaß auf der Bühne, man kann die Spielfreude hören und sehen, anders als bei der Vorgruppe „The Good Morning Diary” aus Hamburg, die im Publikum leicht depressive (Ver-)Stimmungen hinterließ. Dem guten Morgen folgt also ein besserer Abend, „and the songs they get louder, each one better than before”, wie im Titelsong „This is the life”. So wenig sind die Lieder, aber doch so gut, „Mr Rock & Roll” und „Run” sind Hits, der eröffnende „Poison Prince” ist noch am frischesten in den Ohren - und bleibt es dort offenbar am längsten.
Als Geschenk eine Springsteen-Zugabe
Es wird nicht viel gesungen im gemischten Publikum. Junge Leute mit Handykameras hören ebenso atemlos zu wie ältere, die mit verschränkten Armen auf den Zehenspitzen wippen. Es ist ein besonderer Abend, so konzentriert wie Amy selbst vor dem schlichten Hintergrund aus Licht und gerafften Vorhängen. Es ist, als fürchte man, auch nur einen einzigen Ton, nur eine einzige Farbe dieser Musik zu verpassen. Der intimste Moment allerdings ist einer, den die Sängerin sich leiht: Als Zugabe gibt sie Springsteens „Dancing In The Dark” - es ist ein Geschenk, das man mitnimmt ins Dunkle.
11:09
Hallo liebe Nachtkatze,
vielen, vielen Dank nochmal, dass Ihr uns Euer Stadtgebiet zur Verfügung gestellt habt. Was wäre Euer Stadtgebiet ohne die hervorragenden Bochumer Veranstaltungen??? Ein langweiliges Nest, wo nix passiert!
14:02
Warum, bitteschön, wird das Zeltfestival in WAZ und Co. eigentlich immer als Bochumer Veranstaltung verlauft??? Schaut mal auf den Stadtplan, ihr Schreiber: Kein einziges Zelt steht auf Bochumer Gebiet - ist alles Witten, genauer gesagt: Witten-Heven.
09:41
Eine Stunde Musik (zugegeben gute) für 37 Euro ist gelinde gesagt unverschämt. Man hätte wenigstens 90 Minuten Spielzeit der Hauptakteurin erwarten können. Schade.
07:47
Nachtrag (nach dem Studium der Morgenzeitung in Papierform): Es gibt doch noch gute Journalisten wie in der WR. Sehr guter Artikel. Schade, dass im Online-Bereich meist Volontäre rumexperimentieren dürfen. Nicht nur hier, auch bei der SZ zum Beispiel.
06:07
Schade, leider wurde die schöne Stimme und die Aktustikgitarre von Amy MacDonald fast vollständig von ihrer wieder selbstdarstellungssüchtigen Band erdrückt.
23:48
Na, wenn Du Dich als Sau betrachtest, möchte ich dem nicht im Wege stehen ... *KICHER* Und Mitsingen und -klatschen ist wohl nicht exklusiv der Volksmusi vorbehalten - zum Glück. Möge doch jeder seine Liebe zu bestimmten Songs ausleben wie er mag und kann, gell? Aber Du bist ja zum Glück bald wieder bei Deinen üblichen Favoriten und musst begeisterte Mitsingprolls nicht ständig ertragen! :-P
23:37
@1: Die Vorband war zum Einschlafen - die Umbaupause war lang genug zum Wieder-Wachwerden. Immerhin...
Das Publikum war - sagen wir mal - ungewöhnlich. Ich habe zum ersten Mal ein Konzert besucht, in dessen Mittelpunkt Musik stand, die im Radio rauf- und runtergedudelt wird - von meinen üblichen Favoriten läuft selten was im Radio. Aber die Musik von Amy Macdonald ist großartig, also geht man natürlich hin. Daß man um sich herum ein auf Kommando - erlassen von Bassist und/oder Keyboarder - klatschendes Musikantenstadl-Publikum ertragen darf, das jeden Song., der als Single herausgekommen ist, mitsummt/mitnölt/mitgrölt und ansonsten stumm stillschweigt, ist eine neue Erfahrung für einen alten Sack wie mich. Arme Amy - Perlen vor die Säue geworfen...
Höchst erfreulich: Die Getränkepreise (im Zelt: 0,3 l für 2,80 €). Man mußte am Bierstand nie warten!
23:03
Ein Artikel mit gutem Beginn, schwachem Mittelteil und unsäglichem Schluss. Die Vorgruppe war ERSTKLASSIG - ich freue mich jetzt schon auf das erste Album! Und mit verschränkten Armen stand in meiner erweiterten Umgebung sicher niemand, sondern alles tanzte, hüpfte und sang ausgelassen mit. Wo hat denn Fräulein Fischer den Abend verbracht??? Und Dancing in the Dark war mitnichten eine, schon gar nicht die letzte, zuschauerentlassende Zugabe. Ist die Dame von der Journaille da gegangen vielleicht? ;-) Es war ein toller, unvergesslicher Abend - dank Amy, dank der Vorband und dank diesem großartigen Zeltfestival. Mehr davon!