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Howard Carpendale: Charmante Lügen

04.05.2008 | 20:27 Uhr
Howard Carpendale: Charmante Lügen

Oberhausen. Schlagermessias Howard Carpendale heilt zum Tourneeausklang in der Köpi-Arena Fußlahme – mit Altem, Neuem und Geborgtem.

„Wir haben in München gespielt, in Berlin und in Köln – aber das waren alles nur Proben für diesen Auftritt in Oberhausen.” Meine Güte, kann dieser Mann charmant lügen! Und: Schlagermessias Carpendale wirkt wahre Wunder, heilt zum Tourneeausklang in der Köpi-Arena sogar Fußlahme. Denn so schwerfällig, wie sich die mitunter betagte Anhängerschaft vor Konzertbeginn in die Sitzschalen hatte fallen lassen, so impulsiv reißt es sie bereits bei den ersten Takten wieder von denselben.

"Das schöne Mädchen von Seite eins"

„20 Uhr 10” ist's da. Keine platte Zeitangabe, sondern Titel von Howies Comeback-Album. Mit dem hatte sich der südafrikanische Süßholzziselierer im letzten Jahr zurückgemeldet, wenngleich er 2003 den unwiderruflichen Abschied von der Bühne verkündet hatte. „Na und?”, so heißt dann auch lakonisch die erste Single. Entsprechend lässig auf einem weißen Hocker thronend gibt der wohlfühlgewichtige 62-Jährige Einblick in seine Gefühlslage: „Man kann seinen Beruf zwar an den Nagel hängen, nicht aber seine Berufung”. Und um bangende Fans zu beruhigen, die Howies erneuten Rückzug so panisch fürchten wie die SPD die nächsten Umfragewerte, fügt er hinzu: „Schluss? Das werde ich nie wieder auf der Bühne sagen.” Stattdessen sagt er „Hello again” und „Hi”, zelebriert die „Samstag Nacht” wie die „Nacht in New York City”, schickt eine Verflossene in die Wüste („Dann geh' doch”) und wünscht sich als Ersatz „Das schöne Mädchen von Seite eins” herbei. Zu vorgerückter Stunde klappt's auch wieder mit der Nachbarin („Tür an Tür mit Alice”).

Doch als hätte er nicht genug eigene Hits im Halfter, bedient sich Howie überraschend häufig beim Liedgut der Konkurrenz: Von Kollege Jürgens borgt er sich „Ich war noch niemals in New York”, von Bonnie Tyler „It's A Heartache”, vom seligen King „Suspicious Minds”. Das Fremdgefildwildern sei ihm verziehen, wenngleich sich mancher Gast die mittelgroße Verwunderung (hat die Band wirklich gerade Robbie Williams' „Let Me Entertain You” angestimmt?) beherzt von der Fanseele klatschen muss. Sei's drum. Zum Gänsehautfinale findet Meister Carpendale zurück in die Spur, stimmt „Ti amo” an – und singt dabei unnachahmlich leger am schwenkenden Mikro vorbei. So lieben wir ihn. Der Mann darf wiederkommen.

Carsten Dilly (Text) Gerd Wallhorn (Fotos)

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