Heino bringt "Die Ärzte" ins Schlager-Programm von WDR 4

Daumen hoch! Heino scheint mit seinem Rock-Ausflug "Mit freundlichen Grüßen" kurz vor einer "Goldenen Schallplatte" zu stehen.
Daumen hoch! Heino scheint mit seinem Rock-Ausflug "Mit freundlichen Grüßen" kurz vor einer "Goldenen Schallplatte" zu stehen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Seine jüngste CD „Mit freundlichen Grüßen“ hat Heino jüngst eine "Goldene Schallplatte" beschert. Auch seine Präsenz im Radio hat sich deutlich gesteigert. Von Heino gecovert, schafft es da sogar ein „Ärzte“-Hit in die Schlager-Welle WDR 4. Aber nicht alle Stationen finden, dass Heino nun sendbar ist.

Essen/Oberhausen.. Das hätten sich „Die Ärzte“ sicher auch nie erträumt. Dass „Junge“, ihr Hasslied auf Spießer-Eltern, mal in der gutbürgerlichen Umgebung eines Schlager-Senders gespielt werden würde. Seit Anfang Februar ist ihr Song auf WDR 4 im Programm, genau 47-mal lief das Lied bis dato über den Äther, haben die Marktforscher von Nielsen Music beobachtet. Gemeint ist nicht die Original-Version, sondern das, was Heino aus „Junge“ gemacht hat.

Die Verwandlung des 74-jährigen Volkslied-Barden Heino zum Rockmusiker mit Totenkopfring an der Hand hat sich zu einem wahren Schlager entwickelt – bei CD-Verkäufen und Musik-Downloads. Heinos Platte, süffisant „Mit freundlichen Grüßen“ getauft und mit dem konspirativen Untertitel „das verbotene Album“ in den Handel gebracht, hält sich auch fünf Wochen nach Erscheinen an der Spitze der deutschen CD-Charts. Mittlerweile gab es dafür eine "Goldene Schallplatte" - für 100.000 erreichte Album-Verkäufe. In den Handel gegangen war das Album am 1. Februar mit 40.000 Exemplaren, sagt Heinos Manager Jan Mewes. Und für einen Echo-Musikpreis 2013 ist Heino auch nominiert, was allerdings hinter den Kulissen für Verärgerung sorgt.

Heino im Programm könnte Radio-Hörer verschrecken

Auch bei den Rundfunkstationen hat Heino Fuß gefasst. Auch in solchen, für die der blonde Barde aus Bad Münstereifel bis dato Tabu war, freut sich sein Manager. Auf Bayern3 etwa, dem „Pop-Kanal“ des Bayerischen Rundfunks, habe Mewes Heinos „Junge“-Version erst kürzlich im normalen Programm gehört, „ohne Ankündigung durch den Moderator“, hebt Mewes hervor, also in der normalen Musik-‚Rotation’.

Bei der Jugendwelle 1Live in NRW hingegen hat Heino keine Chance, gespielt zu werden. Auch auf WDR 2 hat es Heino bisher nicht in die „Rotation“ geschafft, sagt eine WDR-Sprecherin; also in den Rang eines Titels, der bis zu viermal täglich im Programm gespielt wird. Die WDR-Sprecherin klingt nicht so, als dass die Musikverantwortlichen erwarten würden, Heino künftig noch ins 1Live- oder WDR 2-Repertoir nehmen zu müssen. Musik

Heino hat es unter die Top-100 der „Airplay-Charts“ geschafft

„Man darf Verkaufszahlen nicht mit Beliebtheit gleichsetzen“, sagt Axel Barton, Musikchef beim Dach-Sender NRW-Radio in Oberhausen, der für die Musikauswahl der 45 Lokalradios zwischen Aachen und Ost-Westfalen verantwortlich ist. Der Charts-Erfolg von Heino „hat uns überrascht“, gesteht Barton ein. Für die regelmäßige Musikberieselung tauge Heino dennoch nicht. Das sei auch eine Frage der Zielgruppe: „Wir machen ein Programm für Erwachsene“, erläutert Barton: „Bei unseren Hörern wird Heino als Gag gesehen“. Auch unterscheide sich „der Einschaltimpuls“ zwischen CD und Radio, sagt Barton: „Wenn wir zu oft einen bestimmten Titel spielen würden, verschrecken wir mitunter Hörer“. Heino zu spielen, wäre für die Ausrichtung der Lokalsender ein Risiko, glaubt Barton: "Heino polarisiert sehr stark".

In den bundesweiten „Airplay-Charts“ gehörte Heino in den vergangenen Wochen bereits zweimal zu den 100 meist gespielten Hörfunktiteln, sagt Dirk Hartmann, Leiter der Musikbeobachtung beim Marktforschungsinstitut Nielsen. Bis auf Platz 86 hatte Heino es in den ersten drei Wochen nach Erscheinen seines Cover-Albums geschafft. Zum Vergleich: An der Spitze rangieren aktuelle Titel von Stars wie Rihanna und Bands wie OneRepublic oder Passenger. Für den blonden Bariton mit der Sonnenbrille als Markenzeichen sei es dennoch „ein sehr großer Erfolg“ mit seinem neuen Album im Radio gespielt zu werden, erklärt Hartmann. Der Schlager- und Volksliedsänger Heino habe damit "seine Genre-Grenzen übersprungen“ und deutlich mehr Sender erreicht, als üblich. Da es bundesweit nur noch zehn bis 15 Volksmusik- und Schlager-Sender gebe, die über Antenne zu empfangen sind, „ist die Chance in die Hörfunk-Charts zu kommen für Künstler aus dem Schlager- und Volksmusik-Bereich kaum noch gegeben“. Popcharts

Heino singt „Junge“ viel zu ernst um zum ‚Klassiker’ zu werden

Beim Schlager-Sender WDR 4 geht Musik-Chef Hans-Holger Knocke davon aus, dass Heinos Schwenk zum Rock sich nicht dauerhaft in der Musikauswahl des Senders halten wird. „Das funktioniert nur eine Weile“, glaubt Knocke. Auch, weil Heino den so ironiereichen Text der Ärzte vom Lamento der Eltern gegenüber ihrem vor der Enterbung stehenden Sohn „viel zu ernst 'rüberbringt“. Knockes Einschätzung: „Das läuft sich tot“. Ein-‚Klassiker’ wie „Karamba, Karacho ein Whisky“ habe eine deutlich längere Haltbarkeit im WDR4-Musikprogramm, wo neben Gitte und Rex Gildo auch die Metalkombo Scorpions auf der "Playlist" steht ("Winds of Change“) oder die kanadische Rockband Bachman-Turner Overdrive.

Als bisher einzigen Titel des jüngsten Heino-Albums hat WDR 4 „Junge“ im Programm. „Das ganze Album 'runterzuspielen, wäre nicht so geschickt“, meint Musikchef Knocke . Wie lange Heinos Rock-Ausflug noch im Programm von WDR 4 bleibt, hängt auch von den regelmäßigen Hörertests ab. „Spätestens nach zwei Monaten wird getestet, ob unsere Hörer den Heino-Titel noch hören wollen“, sagt Knocke. „Wenn er dann durchfällt, ist er rasch aus dem Programm“. Und dass WDR 4 sich den von Heino gecoverten Originalen zuwendet? Knocke ist da deutlich: „Die sind grundsätzlich keine Thema für uns“.