Heavy-Metal-Drummer mit eigenem Tätowier-Studio
19.01.2009 | 11:54 Uhr 2009-01-19T11:54:00+0100
Essen. Tätowieren ist neben Musik die große Leidenschaft von Schlagzeuger Jürgen Reil alias "Ventor". Mit der Band Kreator hat er seit den 80ern die Heavy-Metal-Szene maßgeblich geprägt. Kurz vor Erscheinen des aktuellen Albums "Hordes of Chaos" hat Reil ein Tattoo-Studio in Essen-Karnap eröffnet.
Mit seiner Band Kreator trug Jürgen Reil unter dem Künstlernamen "Ventor" in den 80er Jahren zur Verbreitung der Stilrichtung Thrash Metal bei. Die Gruppe gelangte auch im Ausland zu großer Popularität innerhalb der Metalszene. Die Essener gelten als eine der bekanntesten und ältesten deutschen Bands in dem Genre. Das aktuelle Album Hordes of Chaos erscheint am 16. Januar 2009 über das Label Steamhammer (SPV). Am 23. Januar geht die Band auf Europa-Tournee. Im April steht Amerika auf dem Programm.
Power: On! Aus den HiFi-Boxen schallt laut das neue Kreator-Album "Hordes of Chaos". Zum Schlagzeug-Gewitter des Drummers Jürgen "Ventor" Reil gesellt sich das Rattern seiner Tätoowier-Nadel. Auf der Studioliege wartet Björn Gooses, Sänger der Heavy-Metal-Band The Very End, darauf, dass ihm "Ventor" den Brustkorb - frisch rasiert und desinfiziert - mit einem neuen Tattoo verziert.
Jürgen Reil eröffnete jüngst sein eigenes Tattoo-Studio, "Carnap Ink Corp", in Essen und macht so neben der Musik sein langjähriges Hobby zum Beruf. Für den Schritt zum eigenen Laden war etwas Anschub aus dem Kreis von Freunden und Familie nötig: "Alle haben mir immer wieder ins Gewissen geredet: 'Du musst nen Laden aufmachen!' Tja, und jetzt sitze ich hier und kann meine Kunst verteilen."
Der Stein des Anstoßes kommt aus Brasilien
Zum Tätowieren kam Reil über das Zeichnen. Anfangs lieferte er lediglich Vorlagen für Freunde, die er dann von seinem späteren Lehrer tätowieren ließ. Dieser Lehrer ist ein Brasilianer, den Reil schlicht "Junior" nennt. Kennengelernt haben sie sich während einer Südamerika-Tour mit Kreator. "Wir meinten, seine Kunst wäre im Dschungel verloren", witzelt Jürgen Reil. "Wir haben ihm gesagt, er sollte mal nach Deutschland kommen und in guten Gefilden seine Kunst verbreiten", erinnert er sich und lacht.
Die Band holte den Brasilianer nach Deutschland und ließ ihn im Kreator-Proberaum tätowieren. Später kam ein eigenes Studio und er gewann zahlreiche Conventions, berichtet Reil. Irgendwann habe „Junior“ zu ihm gesagt: „Ich habe keinen Bock mehr, deine Bilder zu tätowieren. Mach das selber.“ Reil wendete ein, er könne doch nicht einfach tätowieren. An die Antwort erinnert er sich noch genau: „Natürlich nicht! Aber du kannst das hier bei mir lernen.“
Das erste Tattoo war ein Selbstversuch
Im ersten Jahr beschäftigte sich Reil ausschließlich mit den zum Tätowieren notwendigen Hygienemaßnahmen. Vor dem ersten Versuch, selbst Hand an die Nadel zu legen, sei sein Lehrer mit den Worten an ihn herangetreten: "Du bist nicht tätowiert, du hast nie tätowiert - am Besten tätowierst du dich erstmal selber, dann weißt du direkt, wie das ist."
Gesagt, getan - heraus kam ein kleines Drachenmotiv auf dem Unterschenkel. Das ist bis heute die einzige Tätowierung des Musikers geblieben. Weitere Versuchsobjekte waren schnell gefunden: zuerst seine Frau, später auch Freunde und Bekannte. Bis zum eigenen Tattoo-Studio sollten aber noch fast zehn Jahre vergehen. Heute schmücken Reils Tattoos auch die Haut einiger Musiker aus der Metalszene. „Der Mille, der hat noch keins“, räumt Reil ein. Der Kreator-Sänger Mille Petrozza braucht noch Bedenkzeit.
Zurück im Studio: Inzwischen sind die Außenlinien von Björn Goosses Tätowierung fertig - Zeit für eine kurze Pause, bevor die Innenflächen ausgefüllt werden.
Die erste Resonanz auf den Laden stimmt Reil zufrieden: "Ich hätte gar nicht gedacht, dass so viel Laufkundschaft kommen würde." Natürlich hofft „Ventor“ für die Zukunft auch auf Kreator-Anhänger, die sich von ihm tätowieren lassen möchten. "Gerade bei Metal-Fans gibt es viele, die sich tätowieren lassen. Wir werden, wenn wir auf Europa-Tournee gehen, natürlich auch gut Werbung machen. Dann wollen wir mal sehen, was noch so passiert."
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