Gorny für Internetsperren bei Urheberrechts-Verletzungen
03.07.2009 | 08:08 Uhr 2009-07-03T08:08:00+0200
Essen. Die Absage der Popkomm soll auch ein politisches Signal der Industrie gegen die illegale Verbreitung von Musik im Internet sein. Popkomm-Gründer Dieter Gorny erklärt im Interview mit DerWesten, warum er das französische Modell für sinnvoll hält: Internetsperren bei Urheberrechtsverletzungen.
Die Musikbranche steckt in der Krise: Die Umsätze brechen international auf breiter Front ein – Und Schuld daran ist nach Ansicht der großen Labels die illegale Verbreitung von Musik im Internet. Die Absage der Popkomm, die mit der Erwartung zu geringer Fachbesucherzahlen begründet wurde, ist daher auch als politisches Signal der Musikindustrie gegen Urheberrechtsverletzungen im Onlinebereich zu verstehen.
Die Politik, so der Vorsitzende des Bundesverbands der Musikindustrie und Popkomm-Gründer, Dieter Gorny, müsse dafür sorgen, dass das Urheberrecht auch im Netz geschützt wird. Doch in dieser Debatte geht es um Grundsätzlichkeiten: Auf der einen Seite stehen in dem politischen Streit diejenigen, die sich für die Freiheit im Internet einsetzen und an dessen Selbstregulierung glauben. Auf der anderen Seite fordern viele Künstler und die Industrie eine Verschärfung der Kontrollen und juristische Konsequenzen bei wiederholten Urheberrechtsverletzungen. In Frankreich steht derzeit ein Gesetz zur Debatte, nach dem Raubkopierern bei wiederholten Verstößen die Sperrung des Anschlusses für bis zu einem Jahr drohen würde; die Internet-Gebühren würden dabei weitergezahlt. Dieter Gorny sieht darin auch ein Vorbild für Deutschland, wie er im Interview mit DerWesten erläutert.
Die Grünen und Teile der SPD fordern demgegenüber in Deutschland eine Kultur-Flatrate, die eine Art Pauschalvergütung im Internet vorsehen würde, ähnlich der GEZ-Gebühren. Die Idee fußt auf den Ansätzen der Piratenpartei, die in Schweden innerhalb weniger Wochen zur drittgrößten Partei aufgestiegen ist und weniger Kontrollen im Netz fordert.
Beide Lager beschäftigen sich mit der selben Frage: Wie können Urheberrechte auch im Internet geschützt und entlohnt werden.
Herr Gorny, Sie haben im Zusammenhang mit der Popkomm einmal gesagt, dass man sich über andere Formen der Messe Gedanken machen müsse. Wie kann man sich so etwas vorstellen in Zeiten des Internets?
Gorny: Der Musikindustrie wird immer vorgeworfen, die Digitalisierung verschlafen und keine vernünftige Musik veröffentlicht zu haben. Das sei der eigentliche Grund der Krise. Wenn aber so viel schlechte Musik auf dem Markt wäre, würde sie auch keiner klauen. Wir haben ein Strukturproblem, wir haben ein Vertriebsproblem aber wir haben kein Musikproblem. Dem muss eine solche Veranstaltung Rechnung tragen. Es geht darum, spannende, zukunftsfähige und damit auch umsatzfähige neue Musik vorzustellen und erlebbar zu machen. Ob das dann noch eine Messe sein wird, muss man sehen. Im Grunde muss man nicht viel neu erfinden. Deshalb wird man sich jetzt zusammensetzen und überlegen, wie man dem gerecht werden kann.
Urheberrecht im Internet durchsetzen
Sie haben in der Vergangenheit mehrfach die Politik aufgefordert, im Bereich des Urheberrechts zu handeln. Was heißt das konkret?
Gorny: Es geht nicht darum, das Urheberrecht zu verschärfen. Es geht darum, es auch im digitalen Bereich durchzusetzen. Ich stelle mich da ganz hinter den Kulturstaatsminister. Bernd Neumann hat sehr deutlich gesagt, dass Dinge in Frankreich gehen, die hier vielleicht nicht gehen. Aber es kann nicht sein, dass hier gar nichts geht.
Sie sagen also, die Politik hierzulande sollte sich zumindest an einem Modell wie in Frankreich orientieren?
Gorny: Das ist zumindest besser, als Leute zu verklagen. Wichtig ist dabei nicht, wie hoch Sie Verstöße gegen das Urheberrecht bestrafen, es reicht schon, wenn Sie die Leute verwarnen. Es geht darum, dass die Auffassung, illegales Kopieren sei doch nicht so schlimm, aus den Köpfen verschwinden muss. Dabei hat das Modell in Frankreich einen besonderen Charme. Das ist die Präambel. Was dort geschrieben steht, ist nach meiner Auffassung der Zukunftsweg – in einer digitalen Welt gehören Hochtechnologie und Kultur zusammen und bedingen einander. Technologiebetreiber müssen lernen, dass sie ohne die entsprechenden Inhalte ihre Technologien nicht vermarkten können. Und die Content-Anbieter müssen lernen, dass sie die Technologien brauchen, um ihre Angebote optimal zu verbreiten. Diese Bedingtheit muss konstruktiv diskutiert werden. Hier sehe ich die wichtige Rolle der Politik: die Kontrahenten an einen Tisch zu holen.
Was ist mit der Generation, die sich noch nie eine CD gekauft hat, für die es selbstverständlich ist, sich Sachen aus dem Internet herunter zu laden, sei es legal oder illegal? Meinen Sie, Sie kriegen diese Generation je wieder?
Gorny: Diese nicht, aber die nächste. Ich muss an die Schulen gehen und zeige den jungen Leuten Bibliotheken, zeige ihnen Filme und Musik und sage ihnen dann: Das gibt es in Zukunft alles nicht mehr, wenn die Raubkopiererei nicht aufhört. Wir können sehr wohl Einstellungen verändern, die heute noch als selbstverständlich gelten. Das geht nur nicht sofort, indem Sie alle Ampeln auf rot stellen – es ist ein Prozess. Und man muss dabei deutlich machen, dass es dabei nicht um ein Kavaliersdelikt geht. Es geht viel tiefer. Alle reden beispielsweise von den Zukunftschancen und der wachsenden Zahl von Jobs in der Kreativindustrie. Sie sind aber zunehmend gefährdet durch illegales Kopieren. Wir können mit diesen Ressourcen nicht so umgehen, als wäre das alles folgenlos.
Wie könnte ein sinnvolles Zusammenspiel zwischen Musikindustrie und Internet aussehen?
Gorny: Alle Content-Anbieter müssen erkennen, dass der Vertrieb über das Internet eine enorm wachsende Rolle spielt. Also muss man gemeinsame Geschäftsideen entwickeln. Diese gemeinsamen Geschäftsideen nutzen aber nichts, wenn beim Anbieter nebenan alles umsonst ist. Also brauchen wir auch gemeinsame Regeln. Die könnten so aussehen: Konsens ist, im Internet gibt es spezielle Warenhäuser, und wir sorgen dafür, dass der Anbieter da vernünftig verkaufen und der Kunde vernünftig kaufen kann. Das heißt nicht, dass man die Piraterie auf Null kriegt. Aber letztlich geht es um ein Produkt, in das jemand harte Arbeit investiert hat, und irgendjemand muss für diese Arbeit auch bezahlen, sonst macht sie niemand mehr. Das Geschäftsmodell ist ganz simpel: Ich biete etwas an im Internet und dafür wird etwas bezahlt. Der Marktpreis richtet sich nach dem Bedürfnis, und wenn jemand etwas klaut, kriegt er eins auf die Nase.
Die Leute wollen Musik
Das genau ist die Frage, wie möchten Sie das schaffen?
Gorny: Indem Sie die Warenhäuser regulieren und schützen. Man muss bei der Debatte über die Musikindustrie immer bedenken, dass ihr Produkt ja gewollt ist. Das heißt, die Leute wollen Musik. Die Nachfrage ist da, es gibt aber noch keinen Konsens, wie man Angebot und Nachfrage in ein ökonomisches Gleichgewicht bringt. Und was mir bei der Debatte die größten Sorgen bereitet, ist, dass die Vermarktungskrise derzeit nicht nur die großen Künstler trifft - die können ihre Einnahmequellen verlegen und etwa höhere Preise für Konzert-Tickets verlangen. Es trifft vor allem Musiker, die gerade ihre Karriere starten oder die eine spannende Nische abdecken - und genau die brauchen wir, um unsere kulturelle Vielfalt zu erhalten.
Was würden Sie einem jungen Künstler, der in Zukunft Geld verdienen möchte, raten?
Gorny: Er muss sich erstmal rechtlich absichern. Im Zweifelsfall sollte er zusehen, dass er alle Rechte möglichst gebündelt hat. Er muss sich darauf einstellen, dass alles länger dauert, weil er Einkommen aus Liveauftritten erst dann in nennenswerten Größen erzielen kann, wenn er entsprechend prominent ist. Die Möglichkeiten des Record-Vertriebs sind limitiert. Es geht aber immer noch. Das Internet ist inzwischen eine ganz normale Promotion-Maschine, er muss sich also noch mehr anstrengen, um mit allen Möglichkeiten viraler Technologien auf sich aufmerksam zu machen. Richtig wohlhabend wird er aber nur, wenn das Internet auf Dauer qualitativ geschäftsfähig wird.
Viele ungelöste Fragen
Was halten Sie von dem Modell der so genannten Kultur-Flatrate?
Gorny: Das hört sich für den Konsumenten ja erst einmal klasse an, bis dann die Debatte los geht: "Warum soll ich 20 Euro zahlen? Ich nutze das doch nie." Und es gibt etliche ungelöste Fragen, die da dran hängen. Erstens: Wie hoch soll diese Flatrate sein, damit sie in Zukunft auch Buch und Film mit abbildet? Zweitens: Was heißt das eigentlich für den haptischen Handel - gibt es den dann nicht mehr? Verkauft dann Media Markt keine DVDs, die Meyer'sche keine Bücher mehr? Drittens: Was ist das für eine Behörde, die das Klicken der Bundesbürger überwachen wird, damit es eine Verteilgerechtigkeit gibt? Gegner des französischen Modells beklagen immer, dass ein Teil der User überwacht werden müsste. Bei der Kultur-Flatrate müssen Sie alle überwachen. Sonst können Sie nicht sicherstellen, dass der Künstler bekommt, was ihm zusteht. Ich persönlich halte das für die Kapitulation vor den Illegalen und den Piraten. Da wird die kulturelle Vielfalt und die Kultur auf dem Altar der digitalen Coolness geopfert, ohne zu ahnen, was das für gesellschaftliche und kulturelle Konsequenzen hat.
Herr Gorny, vielen Dank für das Gespräch.
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18:49
Leute, produziert lieber erstmal Qualität und nicht diesen lieblos abgemischten Akustikschrott(egal ob Wildecker Herzbuben oder Arctic Monkeys)ohne Dynamik, nur noch laut. An dieser Tragödie sind Gorny und Konsorten Schuld und lenken jetzt ab. Erst Formatradio-jetzt loudness war. Die Hoffnung dass es der Hörer nicht bemerkt erfüllt sich, denn der hat zu Hause keine hochwertige Elektronik , sondern eher den Billigmist vom mediamarkt für 999 Euro in 300 Raten. Jetzt aber stöhnen, dass der Kunde für diesen Quatsch nicht (genug) bezahlen will.
17:38
und da ist scho der erste der versucht die kinderpornografie sperrung für andere dinge zu nutzen...
bald kommen dann killerspiele oder andere dinge von denen die entscheidungsträger keine ahnung haben dran weil,was man als entscheidingsträger nicht versteht das kann nix sein,also gehört es verboten.....
und am ende werden dann politisch abweichenden meinungen gesperrt...
schöne neue welt....
12:02
# 4 Hansi56:
Herr Gorny labert! Da ist die Phrase wieder: Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.
Sollen wir da mal mitmachen?:
Der Mischwald darf kein spechtfreier Raum sein.
Das Theater darf kein Brecht-freier Raum sein u.s.w.
Diese Phrasen werfen Nebelkerzen und helfen uns bei der aktuellen Diskussion nicht weiter.
Nur zur Erinnerung:
1. Das Internet ist kein Raum
2. und es war nie rechtsfrei!
Hier geht es bestimmten Interessengruppen darum, den Fuß in die Tür der schleichenden Internetzensur zu bekommen. Nicht mehr und nicht weniger.
21:47
Netzsperren sind Verfassungswiedrig und Verstoßen gegen die Menschenrechte.
Mehr dazu auf:
http://opencast.de/?p=1642
21:45
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19:05
Am Montag hätte Herr Gorny in Düsseldorf die Gelegenheit gehabt, mit einem Mann zu reden, der kapiet hat, wie sich Musik als Broterwerb und Internet ziemlich gut zusammen bringen lassen: Zwei Alben hat Trent Reznor zusammen mit seiner Band Nine Inch Nails über das Internet veröffentlicht: Die Doppel-CD Ghosts 1-4, deren erster Teil völlig umsonst zur Verfügung gestellt wurde, während die anderen Teile auf CD zu einem Spottpreis erschienen (Teil 1&2 für 5 Dollar, Teil 1-4 für 10 Dollar) und das Album The Slip, dass zunächst als kostenloser Download samt Artwork und später als Pressung für Daheim erschien. Reznor ging damit einen Weg, der schon vorher bei Radiohead funktioniert hatte und der auch bei seinem zeitweiligen Band-Kollegen Josh Freese ziemlich gut klappte: Trotz Veröffentlichung via internet machten all diese Künstler hohe Umsätze. Reznor - der den Plattenfirmen wegen derer unfairen Preis- und Beteiligungspolitik recht deutlich den Mittelfinger zeigte und auch gelegentlich mal bei PirateBay höchstpersönlich die ein oder andere Rarität zur Verfügung stellt - verdiente gar Millionen mit seinem Konzept. Zusätzlich nutzt er die Möglichkeiten des Filesharing als Methode des viralen Marketings und sorgte so ohne großen PR-Aufwand für volle Konzerthallen. Wenn sich also nun ein Herr Gorny über das böse Internet echauffiert, dann ist das nichts anderes als die Angst angesichts der antiquierten Geschäftsmethoden endgültig unterzugehen. Herrn Gornys Forderungen sind so etwas wie ein Gesetz zum Erhalt der Dampfmaschine als Antrieb aller Motorn in Zeiten des solarbetriebenen Elektromotors. Die Plattenindustrie in ihrer jetzigen Form hat sich überlebt. Wer das nicht erkennt, der wird untergehen - und so eine Gier nach Aufmerksamkeit, wie sie Gorny derzeit an den Tag legt, wird da auch nichts nützen. Im Gegenteil: Die absurd-verrückte Weltsicht eines Dieter G. wird den Untergang schneller herbeiführen als ihm lieb sein kann..
16:39
@58:
wollen sie mir erzählen, unter den deutsche single-top-ten befindet sich seit jahren hauptsächlich gute musik, bzw. musik?
was alben angeht, haben sie recht, allerdings gebe ich auch zu bedenken, das viele leute sich irgendwas aus dem netz ziehen, weil sie es bekommen. sie würden aber niemals diese sachen kaufen. umsonst - ok, kaufen nein. durch diese klientel geht ja auch kein geld verloren. ich sehe natürlich, z.b. im hiphop, das ziemlich viel aus dem netz gezogen wird, ohne zu zahlen. aber auch da trifft es zu, das ein überangebot vorhanden ist, welches die klientel, die dadurch angesprochen wird, nicht in dem maße bezahlen kann, wie die plattenindustrie das gerne hätte. wenn bei einem 18-jährigen schüler schon 20 euro im monat für klingeltöne drauf gehen (und da verdient die industrie ja reichlich mit), dann sind eben nur noch maximal 2-3 cds im onlineshop drin. der rest muss sich eben anderweitig besorgt werden. natürlich ist der verbreitungsgrad durch das internet heute ein ganz anderer, aber wenn ich an früher denke, da hat sich einer aus unserer truppe die neue cure-lp gekauft und danach wurde die 20 mal auf Cassette aufgenommen. wurde damals auch nicht als weltbewegend wahrgenommen. ich denke einfach, das geld, welches für die produktion dieser ganzen plastikmusik zum fenster rausgeschmissen wird, wäre in die förderung echter bands besser investiert.
ein beispiel ist doch z.b. techno in den 90ern. neue musik, innovativ und anders, damals haben unmengen von leuten geld zusammengekratzt, um schallplatten zu kaufen (keine cds). und viele kleinere labels boten schon ihre musik zum kostenpflichtigen download an, da hat von den großen major-labeln keiner auch nur annähernd daran gedacht. die fehler hat die industrie begangen (und begeht sie weiterhin, ist aber durch die aufhebung der kopierschutze etc. auf einem guten weg) und muss heute intelligent dagegensteuern. strafen nützen da nicht viel. möchte mal wissen, was passiert, wenn man einem familienvater das internet sperrt, weil der 14jährige sohn mal ohne aufischt mp3s runtergeladen hat. ist doch mumpitz. auch in frankreich wird das gesetz nicht bestehen bleiben.
16:38
Frank2 natürlich gibt es andere Künstler, nur die brauchen keine Verlage und profitieren auch wenig von den unterschiedlichen Abgaben.
Haben sie sich mal an die Gema verkauft, kann es Kleinkünstlern sogar neuerdings passieren, das sie bei Auftritten mit ihren eigenen Stücken wegen Gema und Co Minus machen.
15:08
Kultur-Flatrate ist in Ordnung, müsste sich nach den GB richten, die runtergeladen werden. Wer E-Mails runterlädt, wäre natürlich nicht betroffen.
Nebenbei zum Titelfoto: Napster betreibt ein legales Portal, also das genaue Gegenteil von Urheberrechtsverletzungen.
Ein wenig sorgfältiger sollte man schon arbeiten.