Selig sorgen für heißen Start beim Zeltfestival Ruhr

Foto: imago stock&people

Bochum. Nicht warm, sondern sehr heiß ging dieser Sommertag zu Ende. Mit einem extrem rockigen Konzert der Band „Selig“ im aufgeheizten Zelt. Ein erster Höhepunkt beim Zeltfestival Ruhr am Kemnader Stausee.

Die untergehende Sonne lässt einen heißen Sommertag zu Ende gehen – Liegestühle, Sonnenbrillen, kalte Getränke und Sand unter den Füßen. Dieser Montagabend klingt nach Urlaub, zumindest für die Besucher des Zeltfestivals Ruhr am Kemnader Stausee. Denn das steuert auf den ersten Höhepunkt zu. Die Band Selig ist zu Gast. Im Zelt. Im sehr warmen Sommerzelt.

Um Punkt acht Uhr gehen die blauen Scheinwerfer an, schwarze Silhouetten hinter den Mikrofonen erscheinen, die ersten Gitarrenklänge und Schlagzeugsounds erklingen – und das Publikum tobt. „Sag mir, ist es wichtig?“, singt Jan Plewka mit seiner unverkennbar tiefen heiseren Stimme. Dann reckt er beide Arme in die Luft, klatscht – und alle sind dabei. Jan Plewka hat seine Fans im Griff, ist mit seiner Begeisterung auf der Bühne so ansteckend, dass sich keiner entziehen kann oder will. Es scheint, als wäre Selig nie weg gewesen.

Sie funktionieren wieder

Und das, obwohl die Band Mitte der Neunziger mit den Alben „Selig“, „Hier“ und „Blender“ erfolgreich waren, dann aber von der musikalischen Bildfläche verschwanden. Anfang dieses Jahres haben sich Jan Plewka, Christian Neander (E-Gitarre), Leo Schmidthals (Bass), Malte Neumann (Keyboard) und Stephan "Stoppel" Eggert (Schlagzeug) in alter Besetzung wieder zusammen gefunden, werden im Radio rauf und runter gespielt, funktionieren wieder als Band. Und das nicht zu knapp.

„Das ist unser letztes Konzert diesen Sommer. Seid ihr bereit?“, ruft Jan Plewka. Und seine Gäste sind bereit mit ihm zu feiern, auch bei gefühlten 50 Grad unter dem schwarzen Zeltdach weiter zu tanzen. Zu den neuen Hits „Schau, schau“ und „Wir werden uns wiedersehen“, aber vor allem auch zu den alten Songs „Glaub mir“, „Wenn ich wollte“ oder „Ist es wichtig?“. Dabei klingen Schlagzeug und Gitarre extrem rockig, extrem laut, extrem gut.

Besoffen-sentimentale Lyrik

Doch auch wenn die fünf Hamburger Jungs so sehr Party auf der Bühne machen, die sentimentale Note, typisch für Selig, bleibt. „Bruderlos“ als Lied über die Einsamkeit, „Wir werden uns wiedersehen“ als Gedanke über eine schmerzhafte Trennung, „Ohne Dich“ als besoffen-sentimentales Liebeslied. Dann ruft Jan Plewka die freie Liebe aus: „Auch wenn es pathetisch klingt: Ich finde es besser, wenn es mehr Liebe gibt als weniger.“ Mit dieser Weisheit stimmt er „Ich fall in deine Arme“ an. Seine Fans scheinen das auch so zu sehen, liegen sich in den Armen, in den verschwitzten.

Denn bei mittlerweile vielleicht 60 Grad hilft auch das Wasser nicht, das die Musiker aus Flaschen ins Publikum schleudern. Dennoch will keiner Jan Plewka und Co. nach eineinhalb Stunden von der Bühne gehen lassen. „Wir werden uns wiedersehen“ lässt die Menge ganz einfach nicht ausklingen. Der Boden bebt, die Luft flirrt umso mehr. Sichtlich überwältigt kommen die Musiker zurück. Drei Zugaben müssen sie geben, Jan Plewka tanzt noch einmal in bester Go-go-Manier auf der Box. Dann verabschieden sie sich.

Während die Menge aus dem Zelt an die frische Luft drängt, tropft der Schweiß in kleinen Bächen von der Zeltdecke. Unangenehm. Doch ist das wichtig? Nein, so richtig wichtig ist das nicht.

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