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Zeltfestival Ruhr

Milow - ein Singer-Songwriter auf Deutschland-Reise

03.09.2009 | 06:00 Uhr
Sänger Milow während seines Auftritts am 2. September 2009 beim Zeltfestival Ruhr. Foto: Marc Wolko
Sänger Milow während seines Auftritts am 2. September 2009 beim Zeltfestival Ruhr. Foto: Marc Wolko

Bochum. Mit der flammenden Hymne gegen virtuellen Sex „Ayo Technology“ in Singer-Songwriter-Manier wurde Milow in Deutschland berühmt und radiotauglich. Mit diesem und anderen Cover-Songs, aber auch eigenen Stücken stand der belgische Musiker beim Zeltfestival Ruhr auf der Bühne.

Nur wenig bekleidet räkeln die Frauen sich in dunklen Bars, schmiegen sich in schnelle Autos. Dazu posen Justin Timberlake und 50 Cent in gewohnt cooler Art, im feinen schwarzen Anzügen. So sieht „Ayo Technology“ im Video aus. Das ist das Original.

Milow ist "born in the eighties"

Aber eine andere Version ist besser. Milow hat sich den Text über virtuellen Sex geschnappt und in Reinform gebracht. Mit seiner klaren Stimme, dem leicht verruchten Timbre und der puren Gitarrenbegleitung hat er „Ayo Technology“ zumindest in Europa groß, hörbar und radiotauglich gemacht. Und das ist auch genau der Song, den die Besucher des Zeltfestivals Ruhr am Mittwoch hören wollen.

Spätestens mit diesem Hit hat Milow seine Fans ganz bei sich. Und er schenkt ihnen das Stück in der längsten Länge, die es vertragen kann. Mit E-Gitarrensolo, einer wunderbaren weiblichen Co-Sängerin und einem gekonnte Sprung vom Schlagzeuger-Podest. Doch so richtig pur war die Band-Version eben nicht mehr.

Kein Problem für die Fans, die begeistert ihre leuchtenden Handys und Kameras zücken und schwenken (Milow will es so). Feuerzeuge? Nicht bei dem Musiker, der „Born in the Eighties“ ist, der sich erfolgreich auf Facebook, MySpace und YouTube verkauft, der seit neuestem auch twittert.

Erstes Headliner-Konzert in Deutschland

Tatsächlich ist der Belgier Jonathan Vandenbroeck Anfang der Achtziger geboren, wohl auch ein Grund, den gleichnamigen Titel von Bruce Springsteen, seinem Idol, zu covern. „You don’t know“ dagegen ist einer der Songs, die der junge Singer-Songwriter selbst geschrieben hat. Und der zweite, der zurzeit in deutschen Radios gespielt wird. Sein Auftritt in Bochum feiert er als erstes „Headliner“-Konzert in Deutschland.

Beim Zeltfestival gibt Milow seine Hits mit der vollen Band-Besetzung. Und mit vollem, glaubwürdigem Elan. E-Bass und Kontrabaß werden abgewechselt, doch Schlagzeug, E-Gitarre und Keyboards gehören zu jedem Song, lassen das Repertoire poppig erklingen. Ein bisschen weniger Scheinwerfer auf der Bühne und Hall auf dieser klaren Stimme hätten Milow wohl gut getan.

Dennoch: In dem halb gefüllten Zelt wird der belgische Musiker gefeiert. Doch Milow hat noch Einiges vor: Noch in der Nacht geht es für den Deutschland-Neuling weiter nach Hamburg. Berlin und Oschersleben (Milows Lieblingswort auf Deutsch) warten. Und als er – nach einem knapp eineinhalb Stunden währenden Programm in Bochum – dann doch nur mit Akustik-Gitarre vor seinem Publikum steht, zückt doch noch jemand eine Wunderkerze.

Vera Kämper

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