Ein Festival der Liebe - und des Friedens
15.08.2009 | 23:42 Uhr 2009-08-15T23:42:00+0200
Hagen. Auf den Tag genau heute vor 40 Jahren trafen sich 500 000 Menschen auf der Wiese des Farmes Max Yasgur im US-Staat New York, um mit Musik-Größen wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Joe Cocker, The Grateful Dead, Canned Heat und The Who ein dreitägiges „Hochamt” für Love & Peace zu feiern.
Bis heute gilt die Veranstaltung als Höhepunkt der Hippie-Bewegung, als Ausdruck für das Lebensgefühl einer ganzen Generation und als wichtigstes Musikfestival des Jahrhunderts. Grund genug für ganz persönliche Betrachtungen zum Jubiläum
Harald Ries: "1969 war die Welt noch langsamer: Von Woodstock erfuhr ich erst 1971. Blanke Brüste im Inneren des Plattencovers - das war aufregend für einen 13-Jährigen. Arlo Guthrie, Joe Cocker und Ten Years After blieben im Ohr und ein Traum im Herzen: Dass Musik, Liebe, Frieden und Freiheit eins sein könnten und die Utopie möglich. Zwar hatte John Lennon schon 1971 gesungen „Der Traum ist vorbei”, aber das bekam ich auch erst später mit. Doch obwohl die Hippie-Ideale zerbrachen, obwohl bestimmt selbst 1967 bis 1969 nicht alles nur toll war, nagt an mir bis heute ein Gefühl der Enttäuschung. Darüber, zu jung gewesen zu sein für die aufregende Zeit: die Strafe der späten Geburt."
Rolf Hansmann: "Woodstock-Veteranen mögen es mir verzeihen: Meine erste bewusste Auseinandersetzung mit Woodstock war ein kleiner gelber Vogel mit miserablen Flugkünsten. Er hieß Woodstock, war der beste Freund der Peanuts-Figur Snoopy, liebenswert, aber chaotisch. Wie das Musikfestival auf der Wiese eben. Dort, in der freien Natur, schaffte der alte Holzmichl der populären Musik seinen Durchbruch: Joe Cocker, der gelernte Klempner aus Sheffield, stieß in seiner Version des Beatles-Songs „With a little help from my friends” diesen nie wieder erreichten markerschütternden Urschrei aus. Der letzte Schrei der damaligen Zeit überstand bis heute alle neuen Musik-Moden. „Woodstock”, sagte Big Joe einmal, „das sind meine Erinnerungen an Glücklichsein.”
Thorsten Keim: "Ich gehöre der „Generation 1978” an. Irgendwie beeinflusst von den 1968ern, andererseits aber garantiert ideologiefrei aufstiegsorientiert. Ein bisschen preußisch, ein bisschen hedonistisch und mit gelegentlichen Widersprüchen. Die 1960er beeinflussten meinen Musikgeschmack. Genauer gesagt dieses Konzert auf dem Acker einer Farm in Bethel. Woodstock ist für mich nicht Jimi Hendrix, Janis Joplin, The Who oder Carlos Santana, Woodstock ist für mich Joe Cocker. Der Brite mit der Jim-Beam-Stimme personifiziert die Konzert-Atmosphäre: Chaos und Begeisterung. Ich bin noch immer Fan dieses Mannes, dessen Leben viel Tribut in seinem Gesicht gefordert hat."
Rudi Pistilli: "Noch vor wenigen Tagen strahlte der WDR den Dokumentarfilm „Woodstock - Wie ein Mythos entstand” aus. Bewegte Bilder, die auch diejenigen, die zu spät geboren wurden, zutiefst berühren. Gänsehaut angesichts von 500 000 Menschen, die einfach nur Spaß haben. Friedlicher, harmonischer, als man es auf Festivals heutzutage erlebt. Faszinierende Bilder von Hippies, einem gigantischen Kindergarten, in dem Naivität als Religion kurzzeitig Einzug gehalten hat. Die Mutter aller Festivals gibt einem Kraft. Ich würde mich lieber mit Hippies im Schlamm wälzen und Joe Cocker hören, als mit zu Guttenberg in der Schweiz Ski zu fahren . . . Immerhin, die Haare haben immer noch eine gewisse Länge."
Katrin Schmidt: "Woodstock? Ach ja. Viele nackte Menschen, viele Drogen, viel Regen, das verbinde ich mit dem Festival. Aber natürlich auch Musik und ein besonderes Gefühl der Freiheit und des Friedens. Eine Generation, die keine Angst hatte, die Spaß daran hatte, miteinander zu feiern und den Hippie-Gedanken Love and Peace völlig frei auszuleben. Ganz schön mutig, ganz schön freizügig, und das nicht nur für die damalige Zeit. Sieht man heute ähnliche Festivals, sollte sich meine Generation konservativ vorkommen. Klar, Love and Peace wollen wir auch. Und bei guten Bands richtig abrocken. Aber: Wie, gar nicht nackig im Matsch getanzt? Ganz schön langweilig, würden die Woodstocker wohl sagen."
22:02
Da gibt es schon noch einige !
21:55
The times, they are a changin` -
Wer redet heute noch von Liebe und Frieden?